“Ja, so ist das Leben.” – Filmtipp: “Uma und ich”

by Kaiserin

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Tabea Hosche arbeitet als TV-Journalistin und Filmemacherin, meistens porträtiert sie in ihren Filmen Menschen mit Behinderung, erzählt Lebensgeschichten von anderen. Vor zwei Jahren war sie eine der ersten im Kaiserinnenreich-Mütterinterview. Nun hat sie ihr eigenes Familienleben in den Fokus eines Films gestellt. Sieben Jahre lang begleitete sie ihre Familie mit der Kamera. Am Donnerstag, den 2. Juni 2016 um 22:40 Uhr zeigt der WDR ihre Dokumentation “Uma und ich – Glück, Schmerz und Behinderung”.

Tabea, warum hast du dich dafür entschieden, dieses Mal einen Film über deine eigene Familie zu drehen?
Mir ist aufgefallen, dass in Filmen über Menschen mit Behinderung oft HeldInnen-Geschichten erzählt werden. Es geht dann um Höchstleistungen, die behinderte Menschen vollbringen oder um Elternpaare, die – nach dem ersten Schock – alles super gut auf die Reihe kriegen. Ein typisches Narrativ geht dann so: Die Behinderung des Kindes führt zur Einsicht, worauf es wirklich ankommt im Leben, rückt die Perspektive zurecht und die wahren Werte in den Vordergrund.

Und das ist dir zu einseitig?
Das Leben mit Uma ist so viel mehr – und das will ich mit meinem Film zeigen, so ehrlich wie möglich. Als Mutter eines behinderten Kindes bewundern mich andere Leute oft, ich werde auf einen Sockel gestellt. Wie ich das wohl alles schaffen würde und wo ich all die Kraft hernehme, werde ich gefragt. Aber auf diesem Sockel ist es einsam. Weiterlesen

Leerstelle

by Kaiserin

Montag Morgen, schon wieder so spät dran. Hoffentlich schaffen wir wenigstens den Morgenkreis, denke ich. Zieh dir bitte schnell die Glitzerschuhe an, sage ich. Mama, der Helm, sagt Kaiserin 2. Wir stehen im Hof. Also nochmal hoch, in die Wohnung, den Fahrradhelm holen. Die Stufen wieder runter, immer zwei Stufen mit einem Schritt, schnell zum tapfer am Fahrrad wartenden Kind. Die Straße runter, Kaiserin 2 auf dem Fahrrad, ich laufend und keuchend hinterher. Sie wird immer schneller, immerhin jetzt, beim Endspurt Richtung Kita.

Beim Bäcker, Brezel zum Frühstück. Bitte nicht nur das Salz ablecken, beiß auch mal rein, sage ich. Blick auf die Uhr. Noch fünf Minuten, dann beginnt der Morgenkreis. Tasche, Helm, Kind, alles dabei, also los. Wir klingeln zwei Minuten vor zehn, noch kurz vorm bösen Erzieherinnen-Blick. Glitzerschuhe ausziehen, Hausschuhe anziehen. Kuss. Hab dich lieb, viel Spaß! Die Tür schließt. Ich atme durch. Weiterlesen

Vom (Buch-)Schreiben

by Kaiserin

VomSchreiben

“Ich kann mir gut vorstellen, dass andere Eltern auch tausend Fragen haben an dich, so wie ich”, schreibt meine Freundin Pamela mir Ende 2013 per SMS. “Wie sieht euer Alltag aus mit Kaiserin 1? Das wollen bestimmt viele wissen und trauen sich nicht zu fragen. Berührungsängste und so.” Die Idee für mein Blog war geboren. Zu Ostern 2014 ging das Kaiserinnenreich online. Ich erzählte Geschichten aus unserem Alltag zwischen Kita und Krankenhaus, Pflege und Job, Sorge und Glück. Schon nach kurzer Zeit konnte ich mir nicht mehr vorstellen, nicht zu bloggen. Das Schreiben wurde zu einem Teil meines Lebens, mit einigen Texten schrieb ich mir die Wut aus der Seele, mit manchen den elterlichen Stolz, die Freude und die kleinen und großen Glücksmomente. Schon nach kurzer Zeit bekam ich Fernwärme zurück in Form von Mails und Kommentaren.

Das Schreiben bedeutet mir immer mehr. Schreiben ist meine liebste Reflektionsmöglichkeit, mein Ventil, meine Dokumentation. Für mich ist es – neben dem Sprechen – die beste Art, meine Gedanken zu sortieren. Gleichzeitig entsteht online ein Austausch mit anderen Blogger_innen und Leser_innen, der mittlerweile zu meinem Alltag gehört. Antje Schrupp beschreibt das auf ihrem Blog “Aus Liebe zur Freiheit” so: Dieser kleine, tägliche, unspektakuläre Austausch ist für mich inzwischen so eine Art Werkzeug meines Denkens geworden, ein Tool, auf das ich nicht verzichten möchte. Denken funktioniert ja nicht im abgeschlossenen Gehirn einer isolierten Persönlichkeit, sondern im permanenten Austausch mit der Welt und mit anderen Leuten.  Weiterlesen

Von Gespenstern & anderen Menschen

by Kaiserin

Baum

Draußen schien also immer die Sonne, das bedeutete, dass es hinter den Fenstern doch mal regnen musste. Es ging gar nicht anders, das wusste ich als Kind schon. Die Autorin Sarah Riedeberger beschreibt ihre Kindheit auf dem Dorf und ihren Blick hinter die Fassaden. Sie schreibt über den Tod, der immer nur am Ende erwartet wird, aber doch nie mitten im Leben passiert. Und sie schreibt über ihre Angst vor Menschen mit Behinderung. Früher hatte ich Angst vor Gespenstern
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Mit der Trauer im Netz

by Kaiserin

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Nur ein einziges Mal hören: “Ich weiß zwar nicht, wie du dich fühlst, aber ich höre dir zu”, das wäre schön. Das wäre hilfreicher als zu glauben, der Umgang mit dem Tod sei uns in die Wiege gelegt worden und dann irgendwann festzustellen, dass das eine Lüge ist. Zuhören und im Herz ein einziges Mal Platz schaffen, für etwas, dass wir alle niemals verstehen werden. Aber was wir lernen könnten, wenn wir aufhören zu glauben, dass wir alles können. Wir können ja auch alles, nur nicht trauern.*

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Ein Elefant für Dich // Epilog

by Kaiserin

Ich seh uns beide, du bist längst zu schwer
Für meine Arme, aber ich geb dich nicht her
Ich weiß, deine Monster sind genau wie meine
Und mit denen bleibt man besser nicht alleine
Und ich weiß, ich weiß, ich weiß und frage nicht
Halt dich bei mir fest, steig auf, ich trage dich

Ich werde riesengroß für dich
Ein Elefant für dich
Ich trag dich meilenweiter
Über’s Land
Und ich

Trag dich so weit wie ich kann
Ich trag dich so weit wie ich kann
Und am Ende des Wegs, wenn ich muss
Trage ich dich
Trag ich dich über den Fluss Weiterlesen

Ein Zwischenblick

by Kaiserin

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Für die Entstehung der Redewendung Zwischen den Jahren gibt es viele Erklärungen. Mir gefällt eine ganz alte: Die Ägypter teilten ihr Jahr in zwölf Monate à 30 Tage ein. Am Ende blieben dann aber noch fünf (im Schaltjahr sechs) Tage übrig. Das waren die Tage zwischen den Jahren. Für mich ist es die Zeit im Jahr ohne Zeit. Welcher Wochentag ist heute? Ich weiß es nicht. Das Internet ist leer, genau wie die Straßen in Berlin. Ein paar wichtige Texte habe ich dennoch gefunden und gelesen.

Bei Zeit Online erklärt Kati Krause, wie Facebook als Katalysator für ihre Depressionen funktioniert und warum sie sich aus den Sozialen Netzwerken zurückgezogen hat. Facebooks psychische Störung

Lisa Ulrich ist mit ihrer gehörlosen Mutter Susanne Bindernagel aufgewachsen. Im Interview erzählen beide, wie die Verbindung aus hörender und nicht hörender Welt funktioniert: Ziemlich normal. Ein guter Draht

“Also, ich könnte das nicht!” Ein Satz, den ich oft zu hören bekomme über unser Leben mit einem behinderten Kind. (Vor allem übrigens von Menschen, die meine Tochter gar nicht kennen.) Dieser und anderen Reaktionen auf behinderte Menschen hält Michael Bartlewski in seiner Sendung Die Frage einen Spiegel vor: Sind uns Behinderte egal?

Am häufigsten gelesen wurde in diesem Jahr mein Text Was ich nicht weiß – der gleichzeitig der Startschuss für Kreuzberg hilft war. Wir gründeten die Initiative zur nachhaltigen Unterstützung und Integration von geflüchteten Menschen, um uns schnellstmöglich wieder abzuschaffen. Dieser Plan ist nicht aufgegangen, die Arbeit von Kreuzberg hilft ist nach wie vor wichtig und noch lange werden nicht alle Aufgaben rund um die Soforthilfe und Integration von geflüchteten Menschen von Hauptamtlichen übernommen. Zum Jahresende zieht Marie Scharfenberg ein Resümee: Ein paar Worte und Gedanken zum Jahresende

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Die kaiserlichen Wochen // KW 50 & KW 51

by Kaiserin

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Vor einigen Monaten habe ich mich darüber aufgeregt, dass “behindert” als Schimpfwort mittlerweile inflationär benutzt wird. Auch Ninia La Grande regt sich jetzt auf, bei bento, in 90 Minuten. Time to rant: “Behindert” regt mich auf

Sian Davey ist Fotografin und hat das Buch Looking for Alice mit wunderschönen Fotografien ihrer Tochter Alice veröffentlicht. Alice was born with Down`s syndrome, but she is no different to any other little girl. She feels what we all feel. She needs what you and I need. Sian Davey – My best shot

Isabel ist mit dem zweiten Kind schwanger und denkt bei Little Years über Pränataldiagnostik nach. Nackentransparenz – machen oder nicht?

Lea Streisand hat einen großartigen Text geschrieben über Weihnachtsfeiern und Behinderungen und darüber, warum es so wichtig ist, nicht die Klappe zu haltenIch kenne Leute, die würden sich auf so eine Diskussion überhaupt nicht einlassen, und sie tun vermutlich recht damit, weil solche Diskussionen mühsam sind und oft zu keinem Ergebnis führen. Ich sah ihn an, bestellte mir ein Bier, nahm einen tiefen Schluck und dachte: Ach, was soll’s, vielleicht kann ich später mal einen Text drüber schreiben.  Return of the Betriebsweihnachtsfeier

Man kann den Geflüchteten natürlich einfach ein paar Fragen stellen. Man merkt dann schnell: Sie erleben ihr Unglück genau so, wie man es selbst wahrscheinlich erleben würde.
Man fragt zum Beispiel einen jungen Mann, der aus Syrien herkam: Wie war die Überfahrt im Schlauchboot? Es war ganz schön verrückt, sagt er.
Oder man fragt eine schwangere Frau aus dem Irak: Wie ist es, seit einem Monat nicht in einem Bett geschlafen zu haben? Mein Rücken tut weh, sagt sie. Elisabeth Raether mit einem meiner Lieblingstexte aus diesem Jahr: “Das Ende der Verwöhntheit”

Und noch ein Lieblingstext. Dieser hier ist von Kathrin Weßling und trägt den Titel Hoch.

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