Ode an die KiTa

by Kaiserin

Neulich bei WhatsApp. Kommunikation mit einer Mutter in ähnlicher Familienkonstellation (zwei Kinder; das ältere schwer mehrfach behindert, das jüngere 1 1/2 Jahre alt).

Ich so: Ab wann geht der Kleine denn in die KiTa? Sie so: Frühestens, wenn er zwei Jahre alt ist. Ich so: Willst du nicht mal Zeit für dich? Sie so: Zeit für mich ist Zeit mit den Kids.

Ich war erstmal sprachlos – und das kommt wirklich nicht häufig vor. Dann folgte ein kurzer „Ich=Rabenmutter-Gedanke“, der aber gleich abgelöst wurde von kopfschüttelndem Lächeln. Es gibt immer wieder Situationen, in denen mir bewusst wird, wie unterschiedlich Menschen ticken! Gerade bei Familienthemen ist das ja wirklich manchmal heikel, wie unterschiedlich die Ansichten sind und sein können. Bei manchen Kommentaren auf Mama-Blogs wird mir Angst und Bange.

Ich liebe es, Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Aber genau so sehr liebe ich es auch, Zeit für mich zu haben. Zeit, ein Buch oder ein Magazin zu lesen. Zeit, in einem hübschen Café (und ich meine kein Kindercafé!) zu sitzen, Menschen zu beobachten, Kaffee zu schlürfen, eine Freundin zu treffen. Zum Frisör gehen! Pediküre! Auf Pinterest stöbern! Aus dem Fenster schauen! Eine Ausstellung besuchen! Ausgiebig Zahnseide benutzen! Durch den Kiez flanieren! Radfahren! Musik hören! Ein Spaziergang am Wasser! Ach, die Liste ist unendlich.

Glücklicherweise habe ich seit ein paar Wochen ab und an wieder ein bißchen Zeit für mich. Kaiserin 2 hat eine Blitzeingewöhnung in der KiTa hingelegt, so dass ich sie nach drei Wochen bereits morgens um neun Uhr dort zum Frühstück abliefern und nachmittags um drei Uhr wieder abholen kann. Sie ist dabei total glücklich, jauchzt schon, wenn sie morgens die Tür der KiTa sieht und freut sich genau so sehr, wenn ich sie nachmittags wieder abhole. Seit zwei Wochen schläft sie dort sogar – trotz einer längeren Eingewöhnungsunterbrechung, bedingt durch den Krankenhausaufenthalt ihrer Schwester in Köln. Wir hatten wir ja das Glück, zu viert ein Apartment im Ronald Mc Donald Haus bewohnen zu dürfen.

Spannend finde ich zu beobachten, was die Gemeinschaft der kleinen KiTa-Kinder mit ihren Persönlichkeiten macht. Hatte ich anfangs bei Kaiserin 2 die Befürchtung, sie würde sich zu viel gefallen lassen – ich nannte sie manchmal liebevoll „meinen Softie“ – weiß sie mittlerweile sehr wohl für sich selbst einzustehen. Ihr Wille wird immer stärker und ich staune, wenn ich beobachte, wie sie sich nun durchsetzt. Manchmal muss ich sie sogar stoppen, wenn sie auf der Straße fünfjährigen Jungs das Fahrad unterm Popo wegnehmen will…

Übrigens gehen beide kleine Kaiserinnen in die gleiche KiTa – wenn es denn der gesundheitliche Zustand von Kaiserin 1 zulässt. Bei der Suche nach einem KiTa-Platz hatten wir großes Glück. Vorletzten Winter telefonierte ich so ziemlich jede integrative KiTa in Kreuzberg ab; nachdem ich am Telefon einen kurzen Diagnose-Abriss gegeben hatte, winkten viele von vornherein ab: Die Mischung würde dann nicht stimmen. Hieß so viel wie: Kaiserin 1 ist zu schwer behindert für uns. Was ich übrigens gar nicht zwingend verurteilen will, denn schließlich ist uns auch nicht geholfen mit einer Tagesbetreuung, die mit meiner Tochter überfordert ist. Allerdings hätte ich mir wenigstens ein persönliches Treffen gewünscht und weniger vorschnelle Urteile. Eigentlich wie sonst auch im Leben mit meiner behinderten Tochter.

Letztendlich hatte ich dann eine KiTa-Leiterin an der Strippe, die mich bei der Diagnose-Aufzählung unterbrach mit den Worten: Wir nehmen die Kinder, wie sie kommen. Schaut doch einfach mal bei uns vorbei. Es war Liebe auf den ersten Blick. Und auch das Geschwisterkind in meinem Bauch war kein Hindernis. Sie nahmen meine Töchter wirklich so, wie sie sind und bis heute ist das ein tolles Gefühl. Leider hat Kaiserin 1 bisher mehr Tage in Krankenhäusern als in der KiTa verbracht – ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass sich das nochmal ändern wird. Vielleicht ja schon in diesem Sommer.

Heute bin ich froh, dass mir die KiTa ermöglicht, endlich mal wieder an einer Konferenz teilnehmen zu können. Ich freue mich schon auf viele Sessions bei der re:publica 14, die noch bis Donnerstag in Berlin stattfindet. Vor allem bin ich gespannt auf den Talk zum Thema Barrierefreiheit und Mobilität mit Raúl Aguayo-Krauthausen und den Vortrag von Bloggerin Susanne Mierau zum Thema Elternblogs. Ich freue mich, als Blogger-Frischling dabei zu sein und auf Zeit. Zeit für mich!

19 Kommentare zu “Ode an die KiTa

  1. toll das ihr eine so schöne kita gefunden habt. meine kleine ist jetzt 2,5 und ist körperlich behindert..etwas geeignetes zu finden ist gar nicht so einfach…es soll barrierefrei sein, sauber, gutes essen haben, aufgeschlossene eltern und kinder, nicht zu groß und nicht zu klein.. am liebsten auch eine nestschaukel haben, eher eine waldorf pädagogik anpeilen als die mahrzaner hochhausphylosopie…unfassbar gute erzieher die mprgens mit einem lächeln auf stehen weil sie sich auf ihre arbeit freuen.. sie sollen nicht rauchend auf der bank sitzen und dessinieressiert an ihrer umgebung, mit ihren mitleidenden, den nächsten mister right erörtert. hach.. so viele wünsche… ich glaub ich lass es lieber und binde meine schnecke einfach wie ein seestern an mich ran und bau vor mich ein schutzschild und dann heißt es “ wir gegen den rest der welt ! “ gut. nun übertreibe ich ein wenig.. der trennungsmoment kommt unerbitterlich näher und dem muss ich mich bald fügen lernen.. auf wurzeln die tief genug sind um unsere kinder stark genug zu machen und flügel die ihnen den mut und den willen geben überall hin zu fliegen

    • Hallo Mariasmama! Es kommt natürlich immer ganz individuell auf jedes Kind und jede Familie an… Für mich war die „Schutzschild-Lösung“ eben keine, die wirklich in Frage kam. Ich wollte so viel Normalität wie möglich – und das beinhaltet für mich eben auch Erwerbstätigkeit. Daher bin ich auch wirklich froh, dass es so gut geklappt hat. Aber natürlich mussten auch wir Kompromisse eingehen. Wir haben zum Beispiel kein selbst gekochtes Essen in der Kita, es wird geliefert. Hätte ich mir auch anders gewünscht. Barrierefrei ist unsere Kita ebenso nicht. Allerdings stimmt die Haltung der Erzieher_innen und deshalb fühlen sich alle Kompromisse okay an. Sie wollen unsere Töchter dort, wie sie sind. Es werden Wege gefunden – keine Vorbehalte. Das fühlt sich toll an. Wir sind dort Willkommen. Ich wünsche Euch – zur richtigen Zeit – ebensolche Menschen. Viel Glück & liebe Grüße, Mareice

  2. Danke für diesen Artikel. Ich mag es, wenn Mamas nicht immer nur an die Kinder denken, sondern auch mal an sich selbst. Dein Blog ist wundervoll!

  3. Hallo Mareice,
    ich saß gestern in der Session von Raúl Krauthausen neben dir und fand deinen Aufruf toll und deinen Blog – jetzt nach ein paar Artikel – noch viel beeindruckender. Ich wünsche deinen Kaiserinnen viel Zeit in der KiTa und wenig Gelegenheiten Klinikeindrücke zu sammeln.
    Daniel

  4. Hey, habe dich auf Empfehlung von Susanne bei FB entdeckt und bin beeindruckt von deinem Blog und wie du alles virtuell umsetzt. Da kann man wirklich vom Online – Clan sprechen 🙂

    Das mit der KiTa klingt wirklich ganz toll und da habt ihr echt eine Perle gefunden 🙂 Ich arbeite auch in einer mit Integrativplätzen und könnte mir nicht vorstellen, daß Kaiserin 1 da gut aufgehoben wäre, denn da ist noch nichtmal genug Zeit und Raum für ein nicht ganz pflegeleichtes Kind (das sich selbst beschäftigt)…

    Beste Grüße, Janina

    • Danke für dein nettes Feedback, liebe Janina. Meine Erfahrung ist, dass es oft gar nicht unbedingt an Ausstattung einer KiTa mangelt, sondern eher am Good Will der Leitung und/oder der Erzieher/innen. Wenn man will, dann geht ja vieles. Herzliche Grüße, Mareice

  5. Das klingt fast nach der Kita von Lotta ;-). Wunderbar, dass es solche Kitas gibt. Und ich wünsche der grossen Kaiserin, dass sie ganz ganz viele schöne Tage dort verbringen darf, viel mehr als in der Klinik. <3

  6. Liebe Mareice,

    endlich Zeilen und dann noch so tolle zu den schönen, lang gefolgten Bildern bei Instagram.
    Ich mag Deinen Blog, das was Du schreibst über Euren Alltag mit dem, was es zu bewältigen gibt und dem, was es richtig lebenswert macht. Aus der Sicht einer Neu Mami, die sich mit diesem Thema, wenn auch nur für etwa zwei Wochen aus verschiedensten Perspektiven auseinandergesetzt hat, ist das, was Du schreibst, so wertvoll. Danke, dass Du uns hier teilhaben lässt.
    Liebe Grüße, Jana aka kerschie

    • Liebe Jana.
      Vielen Dank für die lieben Blümchen. Deine Zeilen tun gut und bestärken mich, mit meiner öffentlichen Selbsttherapie weiterzumachen. 😉
      Inwiefern hast du dich denn damit zwei Wochen auseinander gesetzt?
      Gespannte Grüße! Mareice

  7. Liebe Mareice
    Was für ein schöner Blog!!! Ich freue mich, dass ich so mit Euch in Verbindung bin.
    Zeit für mich ( ohne Kinder;-)) ist für mich überlebenswichtig. Schön, dass es so tolle Kitas gibt, wo sich die Kinder wohlfühlen und es auch damit Dir gelingt, eine gute Zeit zu haben.
    Genieß die Blogger-Convention!
    Liebe Grüße vom Dorf

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