„Hallo, ich bin neu hier!“ (#rp14)

by Kaiserin

Schön am Leben mit Kindern finde ich, dass es so viele erste Male gibt. Das erste Lächeln, die erste Erdbeere essen, der erste Tag in der KiTa, die ersten Schritte… Jedes erste Mal hat seinen Zauber. Mit meinem Kaiserinnenreich erlebe ich derzeit auch viele erste Male. Die ersten Leser-Kommentare, der erste Zeitschriften-Artikel zum Thema „Frauen mit besonderen Herausforderungen“ und nun auch die erste Konferenz, auf der ich als Bloggerin unterwegs war. Die Konferenz heißt re:publica und beschäftigt sich mit Fragen rund um das digitale Leben: Was macht das Internet mit der Gesellschaft und andersherum? Für mich, die ich seit 2001 auch im Internet lebe, genau die richtige Veranstaltung. Wie es sich für ein erstes Mal gehört, machte ich mich am Dienstag mit einer Menge Aufregung im Gepäck auf zur STATION-Berlin. Fast 8.000 Menschen kamen in diesem Jahr in Berlin-Kreuzberg zusammen, um Vorträge zu hören, Workshops zu besuchen und miteinander zu diskutieren.

waldAuf zwei Sessions habe ich mich besonders gefreut. Susanne Mierau vom Blog Geborgen Wachsen sprach gleich am ersten re:publica-Tag über Elternblogs und ihre gesellschaftliche Bedeutung. In anschaulichen Beispielen zeigte sie, dass Menschen ihre Kinder schon immer innerhalb einer Gemeinschaft großgezogen haben. Als Ersatz für diesen direkten „Clan“ fungiert ihrer Meinung nach heute der Online-Elternclan. Susanne hat richtig viel Lust aufs Elternbloggen gemacht – nebenbei ist sie auch im persönlichen Gespräch einfach unheimlich sympathisch. In ihrem Vortrag waren dann auch viele andere Elternblogger anwesend: Besonders habe ich mich gefreut, die berlinmittemom Anna persönlich zu treffen. Sie hat einen dicken Stein bei mir im Brett, seit sie mich ganz am Anfang meines Bloggerinnenlebens herzlich in der Mama-Blogosphäre begrüßt hat. Offline genau so nett wie online – danke, Anna!
Ebenfalls um Elternblogs ging es dann auch in der Session „Willkommen in meinem Wohnzimmer: Lifestyle-Blogs“, denn der von Elternbloggern oft beschriebene Alltag ist ja nicht mehr und nicht weniger als das Wort „Lifestyle“. Stephanie hat einen tollen Vortrag gehalten, in dem sie gezeigt hat, dass ihr Lifestyle-Blog gar nicht so unähnlich funktioniert wie ein Kennenlernen im Offline-Leben. Auch dort lädt sie irgendwann in ihr Wohnzimmer ein – online geht das vielleicht nur manchmal etwas schneller. Moderiert wurde die Session von Indre Zetzsche, deren Blog MiMA ich erst durch die re:publica kennengelernt habe. Nun ich bin Fan ihres „Lifestyleblogs mit Tiefgang“.

Kennengelernt habe ich in der anschließenden Fishbowl-Diskussion auch Britta Freith, eine Autorin und Bloggerin aus Hamburg. Mit ihr hatte ich einen bewegenden Erstes-Mal-Augenblick, als sie das Kaiserinnenreich auf ihrem Laptop anschaute und, wie ich über ihre Schulter beobachten konnte, interessiert darauf blieb. Eine Minute, zwei Minuten, drei Minuten… Ich war richtig stolz. Herzlich lachen musste ich dann am Abend, als ich zu Hause endlich Zeit hatte, ihren Blog zu lesen. Ihr Text zum inflationär verwendeten „Alles gut!“ ruft mir aus der Seele.

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Weiter ging es am zweiten Tag mit meinen Herzensthemen Inklusion und Barrierefreiheit. Raúl Aguayo-Krauthausen, Gründer der Sozialhelden und Initiator der Wheelmap, der inzwischen weltweit größten Online-Karte für rollstuhlgerechte Orte. Raùl hielt einen erfrischenden Vortrag zum Thema Mobilitätsinnovationen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Größtes Problem dabei ist oft, dass sie erfunden werden von Menschen ohne Behinderung. Hier gibt`s seinen Vortrag in voller Länge (am Ende mit einem kleinen Appell von mir). Merke: Was fancy aussieht, ist manchmal trotzdem unpraktisch. (Notiz an mich selbst: Ich muss zum Frisör und mich bei der nächsten re:publica vorteilhafter kleiden.)

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Die re:publica war übrigens vorbildlich organisiert, vor allem was das Thema Barrierefreieheit angeht. Ich habe mich gefreut, viele RollstuhlfahrerInnen und Eltern mit Kinderwagen (und/oder Tragetüchern) zu sehen. Auch wenn es natürlich trotzdem noch hier und da Verbesserungsbedarf gibt.

Ich bin jetzt übervoll mit Eindrücken und muss erstmal alles verarbeiten. Nach nun fast drei Jahren Elternzeit zwischen KiTa und Krankenhaus war das ein ganz schöner Overload an Information, Meinungen und Menschen. Am ersten Tag fühlte ich mich ganz nackt, als ich das Haus verließ… so ohne Kind und Kinderwagen. Allerdings bin ich dann ganz schnell auf den Geschmack gekommen, nicht zuletzt durch die vielen inspirierenden Begegnungen mit Menschen. Für mich war die re:publica 14 ein zauberhaftes erstes Mal.

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