Die Barrieren in den Köpfen

by Kaiserin

Wenn ich früher (damit meine ich die Zeit vor meinen Kindern) in Berlin unterwegs war, ging das ungefähr so: Kurz auf die Uhr geschaut, Mist!, schon wieder zu spät. Noch schnell einen Apfel schnappen, Jacke über den Arm werfen und los, aufs Rad. Über dunkelorangene Ampeln fahren und es in der Toleranzgrenze von fünf Minuten doch noch rechtzeitig zur Verabredung schaffen. Wenn ich einen Zug erwischen musste und es gut lief, stieg ich an der Station Schönleinstraße in die U8 ein, einmal umsteigen am Alexanderplatz, weiter mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof. Noch schnell einen Kaffee kaufen und rein in den Zug. Das alles war innerhalb von 20 bis 25 Minuten gut zu schaffen. Wenn es schlecht lief, bestellte ich ein Taxi, das ruckzuck da war und genau so schnell am Bahnhof. An guten Tagen ging das innerhalb von 15 Minuten.

Jetzt habe ich zwei Töchter, eine davon ist mehrfach behindert. Sie ist knapp drei Jahre alt und kann nicht laufen. In ihrem Schwerbehindertenausweis steht 100 Prozent und die Buchstaben G, aG, H, Gl, RF. Ziemlich viele Buchstaben für so ein kleines Persönchen. Wir, ihre Eltern, sind auf ein Leben mit ihr im Rollstuhl eingerichtet. Zur Zeit ist sie noch so klein, dass sie problemlos in einen Kinderwagen passt – zum Glück auch in einen Doppelwagen mit ihrer Schwester. Dieser Doppelwagen hat übrigens das Format eines Rollstuhls. Von daher ist das Unterwegssein damit schon eine gute Übung für „später“.

Wenn es jetzt darum geht, einen Zug zu erwischen – gemeinsam mit meinen Töchtern – geht es spätestens eine Stunde vorher los. Auf das Taxifahren verzichte ich mittlerweile. Es gibt zu wenig Taxifahrer in Berlin, die einer Frau mit Kind(ern) beim Auf- und Abbau eines Kinderwagens helfen. Ich schone also meine Nerven und nutze die BVG. Da die nächstgelegene U-Bahn-Station nicht barrierefrei ist, schiebe ich den Kinderwagen zum Kottbusser Tor. Dort gibt es einen Aufzug. Wir müssen dort warten, immer. Der Fahrstuhl ist jedes Mal voll besetzt. Ich würde 100 Euro setzen und wetten, dass dies der meist frequentierteste Aufzug Berlins ist. Eines Tages habe ich mal die Zeit gestoppt, bis der Aufzug uns hinunter zur U-Bahn beförderte: 18 Minuten!

Am Kottbusser Tor fahren zwei U-Bahn-Linien, es ist ein Verkehrsknotenpunkt, viele Menschen steigen ein und aus. Viele dieser Menschen finden es anscheinend bequem, den Aufzug zu benutzen. Selbst wenn sie ganz gut zu Fuß sind. Ich werde das nie verstehen. Denke ich an die Zeit, bevor meine Tochter zur Welt kam, bin ich niemals auf die Idee gekommen, einen Aufzug zu benutzen. Warum auch? Dauert ja viel länger als zu Fuß.

Ich wäre nicht ich, wenn ich meinem Ärger nicht mal ab und an Luft machen würde. Wenn ich die Menschen, die gesunden Fußes die Fahrstühle benutzen, darauf anspreche, hagelt es Beschimpfungen. Bisher durfte ich mir schon anhören, dass ich selbst wohl behindert wäre und es deshalb ganz passend sei, dass ich den Fahrstuhl benutze. Nachdem ich einem Mann erklärte, dass meine Tochter gehbehindert ist und wir auf den Fahrstuhl angewiesen, entgegenete er: „Na herzlichen Glückwunsch zu ihren Behindertenpunkten!“. Bei solchen Reaktionen werde selbst ich sprachlos.

Es ist ja außerdem so, dass die Aufzüge wirklich oft defekt sind, weil sie in Dauerbenutzung sind. Beim Umstieg in Hannover verriet mir mal ein Bahnmitarbeiter, der mich mit meiner Tochter von einem Gleis zum anderen begleitete, dass er schon oft beobachtet hätte, dass meistens Reisende die Aufzüge nutzen, die sie gar nicht brauchen und er teilte meine Theorie, dass sie auch dadurch so oft nicht funktionieren: Verschleißerscheinungen.

Wenn wir dann am Berliner Hauptbahnhof angekommen sind (am Alexanderplatz müssen wir zum Umsteigen übrigens zwei unterschiedliche Aufzüge nutzen – verbunden mit Wartezeiten) und am richtigen Gleis (auch wieder mit voll besetztem Fahrstuhl, wenn wir Glück haben), geht`s weiter mit dem nächsten Problem: dem Ein- und Aussteigen bei öffentlichen Verkehrsmitteln und Zügen der Deutschen Bahn. Ich weiß, dass es bei mir Jammern auf hohem Niveau ist. Mir ist es bewusst, dass das für Rollstuhlfahrer_innen noch viel komplizierter ist. Doch schon mit unserem doppelten Kinderwagen bin ich wirklich oft entsetzt, wie wenig hilfsbereite Menschen es gibt. In der U-Bahn werde ich regelmäßig nach hinten gedrängelt. Am Berliner Hauptbahnhof wollte mir ein Bahnmitarbeiter mal nicht in die 1. Klasse helfen, weil wir „nicht reserviert“ hatten. (Zur Erklärung: Die Behindertenplätze sind meistens an der Grenze zwischen 1. und 2. Klasse bei der DB – wir müssen also gar nicht in der 1. Klasse reservieren). Immer wieder bin ich erschreckt, dass die Menschen in den Aufzügen, die ihn offensichtlich nur wegen eines schweren Gepäckstückes gewählt haben, nicht einmal Rollstuhlfahrer_innen ihren Platz überlassen. Ich bin jedes Mal wieder empört; es passiert leider viel zu häufig.

Was das Leben mit einem gehbehinderten Kind wirklich schwer macht sind nicht unbedingt die Barrieren an sich – auch, aber nicht nur! –, sondern vor allem die Barrieren in den Köpfen der Menschen. Unterwegs sein mit zwei Kindern, die nicht laufen können, macht weder gute Laune noch Hoffnung auf Nächstenliebe oder Menschlichkeit. Es beweist eher, wie unfreundlich ein Land wie Deutschland Kindern gegenüber ist. Durch den Blickwinkel als Eltern mit einem Kinderwagen nimmt man die Mobilität in der Stadt ganz neu wahr. Als Mama und Begleitperson eines behinderten Kindes noch mal ein Stückchen detaillierter.

Zum Glück gibt es zwischen den unfreundlichen Gesichtern und unhöflichen Mitreisenden auch immer wieder kleine Helden, die uns das Reisen erleichtern: Den Vater von vier Kindern, der erst all seine Kinder in die Bahn hievt und dann mit mir zusammen meine. Das junge Mädchen, das mir beim Tragen des Kinderwagens in die U-Bahn-Station hilft, obwohl sie so zierlich ist, dass schon ihre Handtasche zu schwer wirkt. Oft sind es genau die Menschen, die Hilfe anbieten, von denen ich es nicht unbedingt gedacht hätte. Der Muskelprotz geht an mir und meinen Kindern vorbei, während die Oma Hilfe herbeiholt.

schild

In Wien, wo ich ein Jahr lang gelebt habe, werden ganz selbstverständlich Plätze in öffentlichen Verkehrsmitteln an gebrechliche, behinderte, alte Menschen und schwangere Frauen freigegegeben. Ein Aufkleber weist darauf hin und alle halten sich dran. Auch in Berliner Verkehrsmitteln kleben Aufkleber, die zeigen, dass Sitzplätze für Rollstühle und Kinderwagen hochgeklappt werden soll. Bisher ist mir dort ein einziges Mal ein Platz angeboten worden. Ansonsten muss ich immer danach fragen und wenn ich Glück habe, wird mir ohne Augenrollen Platz für den Kinderwagen gemacht.

Dennoch: Ich gebe die Hoffnung auf mehr Menschlichkeit und gegenseitige Hilfe nicht auf. Denn zwischendurch tauchen sie immer mal wieder auf, die Helden meines Alltags. Dann erreichen wir auch unseren Zug pünktlich.

 

Der Artikel ist auch erschienen im anderStark-Blog.

12 Kommentare zu “Die Barrieren in den Köpfen

  1. Ich finde die Einstellung ziemlich arrogant. Ja, Menschen mit Rollstuhl oder Kinderwagen oder Gehwagen sind auf Fahrstühle angewiesen.
    Es gibt aber noch andere. Wer schweres Gepäck hat, das keine Rollen hat, kann dies oft gar nicht alleine zur Treppe tragen, geschweige denn eine Treppe (nicht Rolltreppe) hochhieven.
    In öffentlichen Verkehrsmitteln sind immer auch Arbeitnehmer, die von der Arbeit kommen (die Arbeit könnte auch nachts oder morgens stattgefunden haben und morgens oder mittags oder nachmittags zu Ende sein), die k.o. sind und nicht mehr stehen können. Oder die schweres Gepäck haben (dazu zählen auch Schulkinder mit großen, schweren Ranzen!).
    Was man machen kann: Mund aufmachen, aber freundlich!
    Ich fahre viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln und meistens wird Leuten, die freundlich erklären, warum sie bestimmte Forderungen stellen, geholfen. Man sieht keinem an, wer den Sitz nun dringender benötigt (jedenfalls nicht immer). Vielleicht hat die Frau in den Hochhackigen wunde Füße oder der muskulöse Mann hat heute schon schwer geschleppt und möchte jetzt endlich mal sitzen! Wenn man kurz erklärt: Könnten Sie mir mit dem Kinderwagen/ Rollstuhl mal helfen? bekommt man normalerweise immer Hilfe. Wenn man fragt, ob man sitzen kann, wird sich meistens jemand finden, der seinen Sitz anbietet – nicht immer der, den man zuerst gefragt hat und nicht immer nur aus reiner Selbstsucht, sondern vielleicht, weil er nicht stehen kann. Weil er schweres Gepäck nicht im Stehen balancieren kann, weil er k.o. ist, weil er zwar nicht behindert ist, aber jetzt gerade Schmerzen hat etc.

    Wenn aber Leute, die Rücksicht brauchen, sich unverschämt, fordernd und beleidigend verhalten, werden andere, die Rücksicht nehmen würden, immer weniger bereit sein, das zu tun. Ich bin als Kind ein paar mal fies von älteren Männern angemacht worden, die so um Rücksicht „bitten“ wollten. Hin und wieder habe ich das auch gar nicht verstanden (z.B. weiß nicht jeder, dass der Behindertenplatz der Platz mit dem Verbandskreuz darüber ist; manche denke, dort befindet sich der Verbandskasten). Folge war, dass ich extra störrisch wurde, wenn mich ältere Männer angesprochen haben. Leute, die freundlich ihr Anliegen vortrugen wurden von mir auch freundlich mit Rücksicht behandelt und bekam Hilfe. Leider leben wir heute in einer Welt, in der immer mehr Menschen gewöhnt sind, sehr unverschämt und unhöflich zu reagieren, das geht aus meiner Sicht schon damit los, dass man nicht mehr „Entschuldigung, bitte!“ sagt, wenn man auf sich aufmerksam machen möchte, sondern „hallo!!!“ „Hallo!“ kann aber vieles bedeuten, vielleicht telefoniert jemand gerade oder empört sich über etwas, das er sieht etc. Man reagiert also nicht immer darauf.

    Geht doch bitte alle davon aus, dass Leute, die den Fahrstuhl nehmen, oder Leute, die im Bus sitzen oder am Rollstuhlplatz stehen oder sitzen das meistens nicht in böser Absicht tun, sondern weil sie selbst diesen Service gerade benötigen oder aus Unwissenheit. Dann gibt es noch Leute, die selbst aus diversen Gründen nicht weit laufen oder schwer tragen können, oder in Bus und Bahn stehen (weil sie die Balance schlecht halten können oder mit dem Gepäck nicht zurecht kommen), aber nicht behindert sind. Denen sieht man das auch nicht an.
    Klassisches Beispiel sind die Schüler im Bus, die den Ranzen transportieren müssen und oft noch Beleidigungen anderer Fahrgäste einstecken müssen – da wird dann jeder zum „Erzieher“ – ohne dass viele Menschen sich Gedanken machen, dass die Schüler auch einen langen Tag hatten und nicht jeder seinen Ranzen im Stehen zwischen den Füßen balancieren kann oder auf dem Schoß halten (das ist nämlich schwierig). Man unterstellt Kindern aber immer, dass sie absichtlich provozieren wollen…

    Ich habe übrigens kein Auto. Wenn ich schwere Sachen einkaufe und keinen Trolley mitgenommen habe, nehme ich, wenn das möglich ist, gern den Aufzug. Ich hoffe, dass mich keiner verurteilt, weil ich meinen Sechserträger Wasser und die Kartoffeln und Möhren nicht unnötig Treppen hochtragen möchte, sondern wenn es geht einen Aufzug benutze. Mein Haus hat keinen Aufzug und so muss ich den Weg zur Wohnung über die Treppe gehen. Mir ist ernsthaft noch nie in den Sinn gekommen, dass mich jemand für die Benutzung eines Aufzugs verurteilen könnte, und das, obwohl ich mit einem behinderten Familienmitglied aufgewachsen bin (geistige Behinderung und später Gehbehinderung. Nur gelegentlicher Rollstuhlfahrer, wenn es nicht mehr ging. Später erfuhren wir, dass das „nicht mehr Gehen“ auf Sauerstoffmangel zurückzuführen war, der nicht diagnostiziert oder geäußert werden konnte. Unbeteiligte hätten also auch leicht sagen können, „er hat doch zwei gesunde Beine und kann die Treppe nehmen!“).

  2. Liebe Mareice,

    ich weiß, du hast momentan andere Sorgen und Gedanken – und deshalb wünsche ich dir und deiner Familie unbekannter Weise zunächst viel Trost und Kraft in dieser Zeit des Abschiednehmens – und dass die Freude und Dankbarkeit über die Zeit mit eurer einzigartigen Tochter die Traurigkeit bewältigen hilft.

    Dennoch möchte ich noch etwas zu diesem Artikel sagen. Und zu dem Problem, dass so oft Menschen, die scheinbar gut die Treppe nutzen könnten, den Aufzug besetzen und sei es, dass sie „nur“ ein schweres Gepäckstück transportieren wollen.

    Mein Gedanke dazu: Man sieht es nicht jedem Menschen an, ob er mit seinem Gepäckstück wirklich die Treppe laufen könnte. Ich z.B. habe auch eine Schwerbehinderung, darf nicht schwer tragen und bin deshalb auf Aufzüge angewiesen, wenn ich mit der Bahn fahren will. Wenn wir uns auf der Straße oder im Aufzug begegnen würden, säest du mir das jedoch nicht an. Weder sehe ich krank aus noch schwach, noch laufe ich auf der Ebene schwer oder langsam.
    Lieber würde ich die Treppe laufen können wie früher und mein Gepäck mit Schwung dazu hochtragen. Dass es nicht mehr geht und ich auch auf Hilfe angewiesen bin, wenn der Aufzug nicht funktioniert oder besetzt ist, fällt mir zu akzeptieren nicht leicht. Zumal ich mich mit Ende 40 auch noch nicht alt fühle.

    Ich verstehe deine Situation, weil das Warten auf den Aufzug unter Zeitdruck schwer ist. Und es gibt sicher Menschen, die ihn „unberechtigter Weise“ benutzen. Und blöde Bemerkungen braucht niemand!
    Aber pauschal – wie auch teilweise in den anderen Kommentaren hier – alle unter Generalanklage zu stellen, empfinde ich, als nach außen hin völlig gesund wirkende Frau, eben auch als verletzend.
    Man muss nicht behindert aussehen, um es zu sein…

    Liebe Grüße,
    Krissy

  3. Du hast mein Mitgefühl!

    Vor einigen Wochen war ich in Berlin und musste aufs Klo. Bei Rollifahrern eine größere Herausforderung. Ganz naiv bin ich Friedrichstr. in den Bahnhof und habe 33 Minuten bis zum Klo gebraucht!
    Das Problem war ein Fahrstuhl über drei Ebenen und Leute, die zu faul zum Gehen waren. Meine Bitte mir doch kurz Platz zu machen, wurde abgelehnt: „Der nächste kommt och, wir ham alle jewartet“.
    Erst als ich wirklich Schmerzen bekam und es drohte, dass ich den Rolli vollpinkel, bin ich ausgeflippt. Bin einem Mann auf die Füße, weil der partout keinen Platz machen wollte und habe die Leute angeschriehen, was der Scheiß soll– ich habe schließlich keine Alternative.
    Die Treppe hoch habe ich dann ein paar kräftige Herren gerufen, die mich wieder hoch trugen.

    Ich wünsche Dir viel Glück, freie Fahrstühle und ebene Wege.

    Nutze die Weihnachtszeit Dein Esgibtgutemenschen-Konto aufzufüllen. Jetzt sind die Menschen eher bereit mal zurückzustecken oder zu helfen – vielleicht auch in Berlin.

    • Liebe Viktoria,
      vielen Dank, dass du deine Geschichte hier mit uns teilst.
      Ich hoffe, zumindest die Menschen, die deinen Kommentar hier gelesen haben, reagieren das nächste Mal vor dem Fahrstuhl anders.
      Alles Liebe auf deinen Wegen! 🙂
      Mareice

  4. Ich bin ab Spätsommer mit Kinderwagen unterwegs und sehr gespannt – meine Freundin hat mich schon vorgewarnt wie schlimm und anstrengend es sein kann mit einem normalen (!) Kinderwagen Straßenbahn zu fahren. Großartig war auch ein Mann, der sich an ihren Ergocarriergurten festgehalten hat und ihr noch die Schuld gab, dass sie vor der Stange stehen würde (und die selbst gar nicht wusste, wo sie noch hin soll).
    Was sie auch berichtet (als jemand mit einer starken Sensibilität für Vorurteile, Klischees und speziell Rassismus), dass es ganz oft die Menschen sind mit denen man nicht rechnet. Eine Jugendliche hat sich mal geweigert aufzustehen – und die ganzen südländischen Jungs haben sie danach fertig gemacht und meiner Freundin einen Platz angeboten.
    LG Nanne

  5. Wir waren gerade in Wien, haben die Stadt mit Kind und Kinderwagen erkundet und viel die öffentlichen Verkehrsmittel genutzt – und damit auch die Aufzüge… Es stimmt, die waren (auch in Wien) permanent voll, vor allem mit Leuten, die nicht unbedingt „aufzugbedürftig“ ausschauten. Kann ich auch nicht verstehen, ich habe früher auch nie Aufzüge benutzt… Ich war in Wien ebenfalls sehr positiv überrascht, dass mir in der Straßenbahn immer sofort ein Platz angeboten wurde. Das kenne ich so aus Leipzig, wo wir wohnen, auch nicht. Beim Bahnfahren in Deutschland habe ich allerdings, wenn ich alleine mit meiner Tochter unterwegs war, bislang immer gute Erfahrungen gemacht und bin stets auf hilfsbereite Mitmenschen, auch beim Zugpersonal, gestoßen. Zumindest auf Nachfrage zeigten sich die meisten Leute gern unterstützend. Es ist wirklich traurig, dass du solche unfreundlichen Kommentare zu hören bekommen hast. Was manche Leute sich erlauben, ist einfach unglaublich.

  6. Hallo liebe Kaiserin,
    ich war gerade in Berlin zu Besuch und war sehr positiv überrascht. In Kreuzberg an der Markthalle und bei Barcomi und auch an anderen Orten haben mir mehrere Leute ungefragt geholfen. Das ist zu Hause in Kiel nicht oft so. Wobei auf Nachfrage auch (fast) immer geholfen wird. Das Phänomen der Verspätung von Fahrstühlen am Berlin Hbf hat mich wirklich gewundert. Das man mal warten muss, ist ja ok. Aber dort muss die Fahstuhlfahrt ja extra miteingeplant werden und bin dann mit Buggy auf die Rolltreppe umgestiegen. Auch wenn man da schon komisch angesehen wird, wenn ich einen kleinen Stau verursache, weil ich den Wagen umdrehen muss.

    Wir waren im Frühjahr in der Türkei. Danach möchte man gar nicht mehr nach Deutschland zurückkehren. Alle sind sehr aufmerksam und wirklich mit ganzem Herzen Kinder freundlich. Kann ich nur empfehlen.

    Liebe Grüße
    Anika

    • Das ist aber auch eine besonders schöne Ecke, in der Du da warst. Da geht es entspannt zu. Ich kann aber nur bestätigen, dass es ziemlich schwierig sein kann, sich in dieser Metropole mit Kinderwagen und somit mit Rollstuhl auch, angenehm zu bewegen. Dort, wo es Fahrstühle gibt, z.B. am Kottbusser Tor einen winzigen, da bedeutet kurz zu warten auch mal, 20 Minuten zu stehen und dabei zehn Personen zu bitten, sich nicht vorzudrängeln und die meisten könnten wunderbar gehen. An der Schönleinstraße geht oftmals selbst die Rolltreppe nicht, so dass Südstern in der Gegend die einzige nicht unangenehme Option ist. Eine recht weite Spanne mit viel Zeitverlust. Ich muss hingegen Frauen loben, denn die helfen meistens tragen. Männer schauen zu wie ich den Zwillingswagen allein nach oben ziehe und sind oft gerade sehr beschäftigt. Junge Leute und Frauen helfen. Wie das aber für einen geistig fitten, selbstbestimmt lebendend wollenden Rollstuhlfahrer sein muss,… Da muss in Berlin mehr Geld im Haushalt freigegeben werden. Auch für Zuschüsse zum Anbau von Fahrstühlen an Wohnhäusern, damit obere Etagen in Altbauwohnungen auch von Menschen mit Behinderungen bewohnt werden können.

  7. Huhu! Ja auch ich ärger mich oft über solche Menschen – auch schon bevor ich Mutter wurde… Ich gehöre in der Regel auch zu den Menschen die mit anpacken wenn Hilfe benötigt wird… Nur EINMAL, da hab ich eine schwangere Frau mit Geschwisterwagen stehen gelassen, die kam mir so unfreundlich entgegen und sagte : ist es zu viel verlangt mal mit anzupacken?! (ich selber schwer bepackt mit Gepäck und am Treppe hoch schleppen)… Da sag ich immer: Freundlichkeit zahlt sich in so einem Fall immer aus!

    Und die Fahrstuhlgeschichte… ähm ja… ärger dich nicht, bleib so fröhlich und immer mit einem spitzen Kommentar… ich sag dir: die Menschen ärgern sich im Nachhinein drüber (auch wenn sie es nicht zeigen) aber bei einigen wird das was bewirken!

    Liebste Grüße Anny

  8. …nur eine kurze Anmerkung: als mein fünfjähriger, herzkranker Sohn die Auflage hatte, keine Treppen zu steigen, nutzten wir immer den Aufzug und ich gehe jede Wette ein, dass viele dachten: „die könnten auch laufen“.
    Manche Krankheiten und Behinderungen sieht man nicht, trotzdem sind sie da.

    Das soll nicht bedeuten, dass es den Haufen rücksichtsloser Menschen nicht gibt. Es soll nur bedeuten, dass man nicht alles sehen kann, was es an Beeinträchtigungen so gibt…

    LG
    Katja

  9. Zum Thema Fahrstuhl: Bei uns gibt es eine nagelneue Unterführung mit einem ebenso nagelneuen Fahrstuhl, der ist schon kaputt, bevor er überhaupt in Betrieb war … Ständig bleiben die Türen verschlossen, oder er bleibt stecken, der Notruf funktioniert dann nicht … Das Phänomen war schon x-mal in der Presse, nichts passiert. Zusätzliches Porblem: es gibt nur den Fahrstuhl, keine Treppe. Man MUSS also das Teil benutzen. Wer es tut, sollte ein funktionstüchtiges Handy dabei haben, seinen Angehörigen vorher sagen, wo er hin will und vorher auf Toilette gewesen sein und was gegessen zu haben, denn die Chance stecken zu bleiben ist hoch … sehr hoch. Und die Rettung dauert i.d.R. Stunden!
    Aber Hauptsache Frau Merkel fliegt mit einem leeren Airbus (130 Plätze) zur WM nach Brasilien …

  10. Liebe Kaiserinnenmama (mir fällt dein Name grad nicht ein, sorry)
    ich lese deinen Blog schon eine Weile und vorab: Hut ab an dich und deine Familie!
    Ich komme auch aus Berlin, ganz aus deiner Nähe sogar, ich hatte „nur“ zu Babyzeiten meiner Kinder das „Pech“ auf Fahrstühle zurückgreifen zu müssen (und bin schnell auf die Rolltreppen ausgewichen, das geht auch mit Kinderwagen).
    Du hast Recht, es ist eine Katastrophe und auch ich werde NIE verstehen, warum manche Menschen so faul und rücksichtslos sind und den Fahrstuhl nicht denen überlassen, die ihn wirklich brauchen. Zumal man zu Fuß doch viel viel schneller wäre. Eine Ignoranz und Faulheit, die einen echt zur Weißglut bringen kann. Aber wie du schon sagst, es sind immer die, von denen es man nicht erwartet, die helfen. Die Standardantwort, die ich immer bekam, wenn ich meinen Kinderwagen mal wieder nicht in die alte Tram mit den riesen Stufen bekam: „ne, tut mir leid, ich hab Rücken“.
    Ganz liebe Grüße aus Friedrichshain!

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