Appell an den Mutterbauch

by Kaiserin

Ich kenne viele tolle Frauen. Sie sind beruflich erfolgreich, führen möglichst gleichberechtigte Partnerschaften, gehen begeistert Hobbys nach, machen sich Gedanken über die Welt und genießen bewusst ihr Leben. Jede ist anders als die andere – alle sind prima in ihrer Einzigartigkeit. Doch eine Parallele erkenne ich mittlerweile zwischen allen Frauen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis: Sobald sie einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand halten, werden sie unsicher.

Die moderne Medizin stellt uns als werdende Eltern vor viele Fragen – auch schon in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten, die von vielen Unsicherheiten begleitet werden. Bleibt das Kind? Welche Vorsorgeuntersuchungen lassen wir machen? Was wollen wir wissen? Wie gehen wir mit den Ergebnissen um? Es beginnt mit der Frage, ob die werdenden Eltern das Geschlecht des ungeborenen Kindes wissen möchten und endet mit der Entscheidung für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch bei negativen Diagnostikergebnissen. Die Frauen, die ich kenne, sind plötzlich nicht mehr so tough wie vorher, sondern verwandeln sich in verunsicherte Mädchen. Sie wollen alles richtig machen und verlieren sich und ihre innere Stimme dabei im Dickicht der vielen Meinungen, mit denen sie konfrontiert werden.

Zum Beispiel Sarah. Sie ist mittlerweile im achten Monat schwanger. Eine selbstbewusste Frau um die 30, informiert und gebildet – mit dem richtigen Blick und Gespür für sich selbst. Sie hat die Untersuchung zur Feindiagnostik bewusst abgelehnt; hat „nur“ die Nackenfalte ihres ungeborenen Kindes messen lassen und das auch nur, weil der Vater des Kindes mit einem Herzfehler zur Welt kam. Sie wollten den Geburtsort des Babys davon abhängig machen, ob es voraussichtlich intensive medizinische Betreuung bedarf oder nicht. Bei der Nackenfaltenmessung war dann alles okay – kein Grund also für Sarah und ihren Freund, weitere pränataldiagnostische Untersuchungen durchführen zu lassen.

Vor einigen Wochen, im siebten Monat schwanger, hatte Sarah dann Probleme mit dem Blutdruck – zur Sicherheit wurde sie zum Kardiologen überwiesen. Auch dort war alles in Ordnung; trotzdem wollten die Ärzte noch „auf Nummer sicher“ gehen und schickten Sarah zur Doppleruntersuchung zu einem Spezialisten. Nach diesem Termin schrieb sie mir per SMS, weinend auf einer Parkbank sitzend: „Der Arzt hat so doll auf meinen Bauch gedrückt, dass mir schlecht wurde. Die Untersuchung hat eine Stunde gedauert, ich bin völlig fertig. Dann hat er mir Vorwürfe gemacht, weil ich die Feindiagnostik nicht habe machen lassen.“ – Ich erwartete als nächstes eine Nachricht der Empörung und eine Schilderung meiner Freundin, wie sie dem Arzt die Meinung gegeigt hat. Aber nichts dergleichen kam. Sie ließ die Untersuchung über sich ergehen und verließ mit Tränen in den Augen die Praxis. Ich erkannte sie nicht wieder.

Eine andere Freundin, ich nenne sie Anne, ließ sich von ihrer Gynäkologin zur Nackenfaltenmessung überreden; obwohl sie gar nicht wusste, wie sie im Fall eines negativen Untersuchungsergebnisses gehandelt hätte. Vor ihrer ersten eigenen Schwangerschaft war sie Verfechterin von homöopathischen Behandlungsmöglichkeiten und hatte eine kritische Meinung zur Schulmedizin und zur Pränataldiagnostik. Als ich ihr während meiner ersten Schwangerschaft davon berichtete, dass wir keine Nackenfaltenmessung machen lassen, weil auch ein auffälliges Ergebnis für uns keine Konsequenz hätte, pflichtete sie mir bestätigend bei: „So würde ich das auch machen“. Als sie dann selbst schwanger war, tat sie das, was ihre Gynäkologin ihr empfahl. Sie wollte einfach alles richtig machen – richtig war in dem Fall, was die Ärztin empfahl.

Aber was bedeutet eigentlich „alles richtig machen“ im Fall einer Schwangerschaft? Es gibt ja nie nur ein „richtig“, daher kann es in diesem Fall auch nicht nur einen richtigen Weg geben. Für einige werdende Eltern ist es bestimmt richtig, alle diagnostischen Untersuchungen zu machen – für manche aber ist vielleicht der richtige Weg, nur die“normalen“ Schwangerschaftsvorsorgen mitzunehmen. Anne – mittlerweile Mutter – ärgert sich mittlerweile über ihre damalige Entscheidung. „Dass ich nicht auf mein Bauchgefühl gehört habe, kann ich heute gar nicht mehr verstehen. Schließlich hätte sich auch bei einem negativen Ergebnis für meinen Mann und mich nichts daran geändert, dass ich dieses Kind bekommen wollte“ erzählt sie heute.

Auch im Dokumentarfilm „Am Anfang“ begründet eine werdende Mutter ihre Entscheidung für die feindiagnostischen Untersuchungen während ihrer Schwangerschaft damit, alles richtig machen zu wollen. „Wir haben aus Sorge, weil wir nichts falsch machen wollten, alles machen lassen“, sagt sie im Film. Auch sie weiß aber gar nicht, wie sie mit einem negativen Ergebnis umgegangen wäre. Mir scheint, als würden viele Frauen mit diesen wichtigen Fragen rund um die Schwangerschaft und die medizinischen Möglichkeiten allein gelassen. Jede schwangere Frau hat ja ab dem positiven Schwangerschaftstest Anspruch auf Hebammenbetreuung – die wenigsten wissen das allerdings. Die Hebammenmisere ist natürlich auch in dieser Hinsicht ein Desaster.

Jede Familie hat ihre eigene Geschichte und wird dadurch beeinflusst. War ich in meiner Schwangerschaft mit Kaiserin 1 noch gegen alle Untersuchungen, die über die gängigen Vorsorgen hinausgingen, haben wir bei Kaiserin 2 eine Chorionzottenbiopsie durchführen lassen – schweren Herzens, wegen des erhöhten Risikos für schwere Fehlbildungen unseres zweiten Kindes und die große Belastung durch unsere erste mehrfach behinderte Tochter. Wie ich hier bereits beschrieben habe, werden durch das Leben mit einem behinderten Kind nicht nur das Leben an sich, sondern auch ethische und moralische Grundsätze durcheinandergeschüttelt. Wir wussten vor der Chorionzottenbiopsie auch nicht, was die Konsequenz eines negativen Untersuchungsergebnisses gewesen wäre. Aber ich wusste, dass ich ohne die Biopsie diese zweite Schwangerschaft nicht hätte genießen können; ich wusste, ich brauche Klarheit – sonst wäre ich verrückt geworden. Wir wurden damals glücklicherweise sehr behutsam und einfühlsam von einer wirklich guten Humangenetikerin beraten, die uns jederzeit alle Wege offen ließ. Selbst als ich während des ersten Termins zur Biopsie schon quasi mit der Nadel im Bauch weinend von der Untersuchungsliege aufsprang, war das okay.

Alle werdenden Eltern sollten die Möglichkeit haben, den für sie passenden Weg gehen zu dürfen. Am allerbesten unterstützt durch engagierte Berater_innen wie zum Beispiel Hebammen. Berater_innen, die sich in der fragilen Situation des Elternwerdens um die Eltern kümmern, empathisch und fürsorglich – und mit den Eltern gemeinsam den passenden Weg finden. Einen Weg, mit dem sich die werdenden Eltern richtig und gut fühlen. Für mich persönlich fühlt es sich zum Beispiel nicht gut an, Babys im Bauch auf 3D-Bildern zu sehen. Mein Muttergefühl sagt mir, dass es einen Grund hat, warum die Kinder im Bauch sind – geschützt durch die Bauchdecke der Mutter. Daher habe ich auch nicht nur ein Mal bei der Ultraschalluntersuchung gesagt, dass mir das Gerät zu doll auf den Bauch gedrückt wird. Schon während der Schwangerschaften hatte ich das Gefühl, meine Babys beschützen zu müssen – und habe mich dementsprechend verhalten. Ein Liebling der Ärzte war ich dadurch nicht, aber für mich hat es sich genau so richtig angefühlt.

Eine gewisse Unsicherheit ist ja normal bei allen Dingen, die man zum ersten Mal macht; ganz bestimmt war ich in der zweiten Schwangerschaft selbstbewusster als in der ersten. Dennoch bin ich schockiert darüber, dass selbstbewusste Frauen sich so sehr – durch Ärzte, Verwandtschaft, Freunde, Gesellschaft, Medien – verunsichern lassen und Entscheidungen treffen, die sie mit ein wenig Abstand betrachtet, selbst gar nicht mehr nachvollziehen können. Ein dramatisches Beispiel dafür ist Monika Hey: Sie entschied sich zu einem Schwangerschaftsabbruch, den sie sofort danach – und bis heute – bereut. Sie schlidderte während ihrer Schwangerschaft in die Nackenfaltenmessung; unwissend, dass es dabei nicht mehr nur um Schwangerenvorsorge, sondern schon um Pränatale Diagnostik geht. Als herauskam, dass ihr Kind mit Trisomie 21 zur Welt kommen würde, entschied sie sich zur Abtreibung. In ihrem Buch „Mein gläserner Bauch“ erzählt sie davon, wie sie sich in eine Ecke gedrängt gefühlt hat. Sie selbst wollte ihr Kind eigentlich zur Welt bringen; letztendlich wurde sie dann aber von ihrer Frauenärztin und dem Ultraschallarzt zum Schwangerschaftsabbruch gedrängt: „Sie gaben mir das Gefühl, dass es unverantwortlich wäre, mein Kind zur Welt zu bringen.“ In einem Interview mit der FAZ erzählt Hey: „Um sich der Pränataldiagnostik zu verweigern, muss man extrem widerständig sein.“

Auch meine Erfahrungen mit Kaiserin 1 haben sicherlich dafür gesorgt, dass ich Ärzten gegenüber kritischer geworden bin. Nach einigen Fehldiagnosen weiß ich mittlerweile, dass mein Mama-Bauchgefühl mehr Wert ist als jede Meinung eines Arztes. Wir Frauen tragen unsere Kinder neun Monate in unserem Bauch; wir sind danach 24 Stunden am Tag mit unseren Babys zusammen. Diese Verbindung kann kein Arzt der Welt mit seiner Kompetenz ersetzen. Im besten Fall ergänzen sich Eltern, Berater_innen, Hebammen und Ärzte – letztendlich möchte ich aber an alle (werdenden) Mütter appellieren: Hört auf Eure Intuition, hört auf Euer (Mutter-)Bauchgefühl! Ihr seid die Expertinnen für Euren Körper und Eure Kinder.

 

 

11 Kommentare zu “Appell an den Mutterbauch

  1. Artikel wie diesen braucht es DRINGEND!
    Ich bin selbst grade schwanger und fühle mich von dem Wahn der Vorsorgen überrollt.
    Zwar bin ich standhaft geblieben, was ein Nicht-Durchführen der Pränataldiagnostik angeht, habe mich aber trotzdem in jeglichen Ultraschall reinreden lassen (einschließlich ständiger vaginaler Ultraschall, obwohl nicht notwendig, da kein verkürzter Muttermund noch sonst irgendwelche Komplikationen).
    Kritische Anmerkungen stoßen zudem wie ich am eigenen Leib erfahren durfte, auf Ablehnung beim Frauenarzt. Die mündige Patientin ist nicht willkommen.
    Hier ist meiner Meinung nach ein Umdenken von Ärzteseite dringend erforderlich. Das kann nur erreicht werden, wenn Frauen sich nicht einschüchtern lassen und weiter die unangenehmen Fragen stellen: Warum machen wir das? Was bringt es? Bringt es überhaupt etwas?

  2. Es ist mittlerweile scheinbar schon normal geworden, jegliche Untersuchungen machen zu lassen – auch bei Frauen ohne jegliches Risiko. Ich habe mich gegen alles weitere, außer den normalen Vorsorgeuntersuchungen entschieden – meine Ärztin schien sich fast zu freuen, dass jemand sich so entscheidet und in meiner Schwimmgruppe hatte ich letztens das Gefühl, dass ich die einzige bin, die so entschieden hat.
    Ich finde die Untersuchungen teilweise auch bedenklich – wie viele Frauen gehen in Sorge nach Hause? Wie viele Frauen haben Angst, dass ihr Kind mit einer Behinderung auf die Welt kommt – und nachher ist alles gut? Wie viele Kinder werden doch abgetrieben, obwohl sie (vielleicht) gesund gewesen wären?

    Dass du die Untersuchung hast machen lassen, liebe Mareice, kann ich absolut nachvollziehen! Aber es ist wirklich schade, die ich glaube auch, wirtschaftliche Interessen mit der Verunsicherung von schwangeren Frauen Profite machen.
    LG Nanne

  3. Ich als „neubetroffene“ im 2. Trimester bin da mit diesem Wust an Pränataldiagnostikinfos quasi in eine neue Welt geschubst worden. Bei meinem ersten Besuch bei der Gynäkologin bekam ich nicht nur die üblichen Entbinden-Sie-hier-Zeitschriften, sondern auch einen Stapel mit Flyern und Visitenkarten der Pränataldiagnostikpraxen. Mit dem Hinweis, ich könne mir ja mal überlegen, was davon ich in ANspruch nehmen möchte oder nicht – ich fühlte mich zu gar nichts gedrängt. Aber trotzdem könnte man das Thema weniger offensiv und nicht quasi 2 Minuten nach dem Schwangerschaftstest an die Frau bringen!
    Die Pränataldiagnostik ist halt ein riesiger Markt – verständlich, wenn die Schwangeren immer älter sind und dadurch das Risiko für Trisomien steigt. Keine Frau will was falsch machen, die meisten wollen gesunde Kinder und soviel Sicherheit wie möglich, also wird das Angebot genutzt. Die Pränataldiagnostikpraxen, ausgestattet mit sauteuren Gerätschaften, wären dumm, wenn sie ihre Dienste nicht intensiv bewerben würden – die Nachfrage ist ja da und die Konkurrenz schläft auch nicht. Auch der Pränatest u. ä. Bluttests werden sich durchsetzen, alles was machbar und halbwegs risikoarm ist, wird sich in den nächsten Jahren durchsetzen, da bin ich sicher. Die meisten Frauen werden abwägen, für welches Kind sie mehr als 20 Jahre ihres Lebens investieren werden, und die Antwort wird sein „ein gesundes“ oder, in ein paar Jahrzehnten vielleicht, „ein optimiertes“. Ich glaube, gerade in Hinblick auf solche Entwicklungen ist es wichtig, die Frauen zu stärken – und für Frauen (und die dazugehörigen Männer) selbst, sich zu informieren, sich über den eigenen Standpunkt klarzuwerden, und die Angebote und Empfehlungen der Ärzte genau zu prüfen und zu hinterfragen. Erstens kochen die auch nur mit Wasser (Mareice, Deine Erfahrungen mit der M.Hirschsprung-Expertin zeigen das ja deutlichst), und zweitens sind die keine Heilsarmee, sondern haben einen klaren wirtschaftlichen Anspruch.

  4. Liebe Mc,

    komme gerade wieder auf deinen Text hier, weil ich mich wahnsinnig ärgere – eine gute Freundin von mir ist schwanger und bester Dinge. Ihre Frauenärztin hat ihr von Anfang an (weil sie 35 und vermutlich auch weil sie privat versichert ist) zu allen zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen geraten und sie regelrecht unter Druck gesetzt. Meine Freundin hat sich aber dagegen entschieden. Und heute? Hat die Ärtzin offenbar über ihren Kopf hinweg die Nackenfaltenmessung gemacht (anscheinend hat sie entsprechende Geräte). Ich finde das unfassbar übergriffig. Was wäre gewesen, wenn nicht alles gut wäre? Wie kann man sich so über den Willen einer Frau hinwegsetzen? Bin echt fassungslos. Meine Freundin wechselt jetzt endlich die Ärztin und ist einfach nur froh, dass sie nicht plötzlich vor krassen Entscheidungen bzw einer unentspannten, sorgenvollen restlichen Schwangerschaft steht. So. Musste ich gerade mal weitergeben. Liebe Welt da draußen, sucht euch tolle Ärzte! Es gibt sie!

    Liebe Grüße
    Mk

    • Liebe Mareike,
      ja, schade, dass das Thema nicht an Aktualität verliert. Ganz im Gegenteil sogar. Eltern müssen sich ja mittlerweile immer mehr dafür rechtfertigen, wenn sie nicht beim „Best Baby Award“ mitmachen. Liebe Grüße! Mareice

  5. Pingback: Ernetztes und Vernetztes im Juli 2014 | Mama hat jetzt keine Zeit

  6. liebe mareice,

    Ich finde es klasse dass Sie das Thema der pränatalen Diagnostik ansprechen. Ich selbst bin im achten Monat schwanger und bin mit meinem Mann vor einigen Monaten von der Schweiz in die USA gezogen. Das Baby hat sich zu unserem Auslandsaufenthalt überraschend und ungeplant selbst eingeladen.
    In der Schweiz ist die Nackenfaltenmessung mit einer Blutuntersuchung eine Routineuntersuchung am Ende des ersten Trimesters. Man hat jedoch die Option den Test abzulehnen. Natürlich haben wir uns schon vorher damit auseinandergesetzt, was passiert wäre, wenn der Befund nicht gut gewesen wäre. Bei einer erwiesenen Chromosomenstörung hätten wir das Baby nicht behalten.
    Als ich im 5. Monat nun in den USA einen weiteren Routinebluttest auf genetische Störung (üblich in Amerika) machen musste, wollte ich diesen eigentlich gar nicht mehr. Die Entscheidung dass wir nun Nachwuchs bekommen, lag für mich schon hinter mir. Jedoch wollte auch ich kein Aufhebens machen und habe die Blutuntersuchung gemacht und mich darüber geärgert. Weitere hier oft durchgeführte genetische Suchtests habe ich nach Rücksprache mit meiner Gynäkologin abgelehnt.
    Generell sind hier in Amerika die Vorsorgeuntersuchungen viel einfacher als in Deutschland oder in der Schweiz. Grundsätzlich wird lediglich nach meinem Befinden gefragt und die Herztöne abgehört. Ultraschallgeräte gibt es in der Praxis gar nicht (dafür muss man zu einem Ultraschallzentrum). Anfangs habe ich mich gefragt, ob das genug sei, aber eigentlich geht es mir wirklich ganz prima und mein Bauchgefühl sagt mir: dem Nachwuchs auch.

  7. Danke für den Artikel, ich denke auch immer wieder darüber nach.

    Ich war in meiner ersten Schwangerschaft sehr gelassen, habe nur die nötigsten Untersuchungen gemacht und wurde darin von meiner Frauenärztin (die sonst eher nicht so ganz auf meiner Wellenlänge war) darin auch unterstützt. Nachdem die Geburt mit einigen Komplikationen verlief (zum Glück ging nach Bangen alles gut aus), wurde ich allerdings nachdenklich. Manche der Geburtsprobleme hätte man durch intensivere Untersuchungen kurz vor der Geburt verhindern oder zumindest minimieren können, denke ich heute. Indizien gab es für die Probleme und vor allem die Hebammen in der Klinik haben mir von bestimmten medizinischen Maßnahmen abgeraten, um ja nicht den natürlichen Verlauf der Geburt zu stören. Und ich frage mich nun immer wieder, ob ich insgesamt nicht vielleicht etwas zu entspannt oder gar naiv an die Sache rangegangen bin. Ich habe mich die ganze Schwangerschaft über sehr gut gefühlt und bewusst versucht ganz überwiegend auf mein Bauchgefühl (im wahrsten Sinne des Wortes) zu hören und mich nicht von Untersuchungen, Büchern, Bekannten verrückt machen zu lassen. Durch meine Erfahrung habe ich nun aber tatsächlich Angst, meine Tochter vielleicht nicht genug beschützt zu haben, ihr unnötig Qualen zugemutet zu haben und diese Sorge besteht in manchen Situationen immer mal wieder, obwohl sie mittlerweile ein Jahr alt ist.

    Denn die Unsicherheit, die du beschreibst, betrifft ja nicht nur die Pränataldiagnostik. Ich habe das Gefühl, alle Mamas wollen (selbstverständlich!) immer das Beste für ihr Kind und legen einen ungeheuren Perfektionismus an den Tag. Brei: natürlich bio und selbstgekocht, wer (mal) Gläschen füttert: ist eine Rabenmama. Noch heikler: Alkohol, absolut tabu (will ich ja gar nicht bestreiten), wer stillt und mal ein Schlückchen Sekt drinkt: ist unverantwortlich. Ich habe sogar eine Bekannte, die ihrem Kind jeden Tag prophylaktisch Fieber misst, um rechtzeitig zu bemerken, ob das Kind krank ist. Die Beispiele könnte ich ewig fortführen, das Selbstbewusstsein der Mamas ist bei gleichzeitiger Pedanterie (und fehlender Toleranz gegenüber anders Handelnden…) gering, was manchmal komisch, manchmal erschreckend ist…

    Andererseits sollte man nicht verkennen, dass man mit dem eigenen Kind die wohl wichtigste Aufgaben in seinem Leben bekommen hat und es ja auch richtig und schön ist, dass man diese Verantwortung so sehr spürt und dem Kind alles erdenklich Gute mit auf den Weg geben will.

  8. Danke Mareice!
    Mir brennt dieses Thema so dermaßen unter den Nägeln, aber ich bin ja keine Bliggerin und dementsprechend umso dankbarer, dass Du dieses Dilemma mal zur Sprache bringst.
    Das Bauchgefühl ist ein entscheidender Faktor für die Beurteilung einer gesunden Schwangerschaft. Ein gutes Bauchgefühl/Gefühl zum Baby trägt einen durch die Schwangerschaft, nimmt Angst vor der Geburt und stärkt massiv die Bindung zwischen Mutter und Kind.
    Ich frage die Frauen bei den Vorsorgen immer wie es ihren Baby geht. Am Anfang sind sie ganz scheu und sagen so etwas wie:“ ich glaube, gut..?!“ Stärkt man als Geburtshelfer/ Hebamme allerdings dieses Grundgefühl können Frauen am Ende der Schwangerschaft schon viel besser beurteilen wie es ihrem Baby geht.
    Das Bauchgefühl einer schwangeren Frau ist IMMER sehr ernst zu nehmen, gerade wenn es schlecht ist. Meist sind alle anderen Parameter okay, aber die Frau hat “ so ein Gefühl“ und dieses Gefühl hat Kindern schon oft das Leben gerettet weil sie vielleicht eher in die Klinik/ Gyn gegangen sind.
    Danke nochmal! I’ll spread your Word:-)

  9. Vielen Dank für diesen tollen Artikel. Und ich erkenne mich ein wenig wieder (habe gerade das erste Schwangerschaftsdrittel hinter mir). Der erste Besuch bei meiner langjährigen Frauenärztin war nicht besonders schön. Das man in der 6. Woche nicht gleich ausflippt: ok. Aber das man mir soviel Angst macht, dass ich hinterher total verunsichert bin: nicht ok.

    Jetzt habe ich das große Glück, dass meine Schwester Hebamme ist und mich nach einem Gespräch an einen Frauenarzt verwies, mit dem sie schon länger Geburten macht. Was für ein Glücksgriff! Ich hab zwar eine Nackenfaltungmessung machen lassen. Aber aus dem Grund, weil mein Freund vor einigen Jahren Hodenkrebs hatte und er sich diese Untersuchung gewünscht hat. Und alleine kann man nicht alles entscheiden, auch wenn ich das Baby rumschleppe.

    Ich rief wegen dem Ergebnis beim Frauenarzt an (der mich in kleinster Weise zu dieser Untersuchung überredet hat) und er meinte das Ergebnis ist sehr gut. Ich bzw. wir müssten jetzt wissen, was wir mit diesem Ergebnis machen wollen. „Entspannt die Schwangerschaft genießen?“ „Das ist genau die richtige Einstellung, Frau xy.“

    Ich hoffe, das die nächsten Monate so entspannt bleiben. Immerhin werde ich ihn ja alle vier Wochen zu Gesicht bekommen.

    • Liebe Sarah Emily, jetzt alle vier Wochen, im Endspurt ja dann noch häufiger. Gut, dass Du jetzt eine Person gefunden hast, die dich in deiner guten Hoffnung stärkt. Ich freue mich! Und herzlichen Glückwunsch auch zur Schwangerschaft! Das zweite drittel ist doch besonders toll. Bei mir war dann immer die Übelkeit weg und ich konnte das neue Leben in mir in vollen Zügen genießen. Wünsche dir und deinem Bäuchlein alles Gute und grüße deine liebe Schwester von mir (wenn ich richtig kombiniert habe) 🙂 Ich find euch toll! Herzliche Grüße aus Berlin, Mareice

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