Kinder, Körper, Kommentare

by Kaiserin

Meine Töchter sind dem Erstickungstod nur knapp entkommen, wenn es nach den Kommentatoren auf der Straße ginge. “So ein Tragetuch macht doch den Rücken der Babys kaputt”, meinte die Bäckereifachverkäuferin ungefragt; und gleich hinterher: “Ihr Baby bekommt darin doch gar keine Luft!”. Nach ein paar Wochen hatte sie sich an den Anblick meiner Tochter im Tragetuch gewöhnt und musste feststellen, dass sie doch (noch?) nicht erstickt war. In einem guten Moment erklärte ich ihr den Trugschluss über den Babyrücken und die Erstickungsgefahr in Tragetüchern. Als Kaiserin 2 irgendwann laufen konnte, freute sie sich mit uns und meinte, dass das jetzt bestimmt so schnell ging, weil ich sie so oft getragen hätte. Leider lernen nicht alle Menschen so schnell.

Zur Zeit höre ich täglich Kommentare zum Essverhalten meiner kleinsten Tochter. Sie isst liebend gern und gut – ihr Bäuchlein verrät das und gibt vielen Menschen Anlass zu bewertenden Bemerkungen. Wenn ich Kaiserin 2 aus der KiTa abhole, wird mir beinahe täglich berichtet, dass sie ja wieder viel gegessen hätte. “Wie haltet Ihr sie denn zu Hause davon ab?” werde ich von den Erzieherinnen gefragt. Ehrlich gesagt: Ich sehe keinen Anlass, meiner Tochter das Essen zu verbieten oder sie davon abzuhalten. Sie isst, wenn sie Appetit hat (oft) und sie wird langsamer und hört auf zu essen, wenn sie satt ist. Sie ist sehr, sehr selten krank, bewegt sich gern, ist meistens gut gelaunt und schläft nachts sehr gut. Ich sehe keinen Grund, Essen zu einem Thema in ihrem und meinem Leben zu machen. Und doch: Es wird von den Menschen um uns herum dazu gemacht. Als wir unserem Kinderarzt davon erzählten, meinte er ganz cool: “Ich habe Kinder gesehen, die mit sechs Monaten so schwer waren wie Ihre Tochter mit 16 Monaten. Da muss man sich dann Sorgen machen. Ignorieren Sie bitte andere Meinungen. Ihre Tochter ist gesund und glücklich.” Das sehe ich ähnlich; und doch ist das mit der lässigen Ignoranz leichter gesagt als getan.

Im Gespräch mit einer Freundin, deren Kind seit der Geburt als übergewichtig gilt (“L.s BMI passte letzten Sommer nicht nur nicht mehr in die Kurven, sondern auch nicht mehr auf das Papier des Untersuchungsheftes”), kam mir ein Gedanke: Vielleicht treffen mich diese vielen (unaufgeforderten) Kommentare so, weil ich es aus dem Leben mit unserer ersten, behinderten Tochter gar nicht kenne. Zwar gab es auch zu Kaiserin 1 immer mal wieder Bemerkungen und Verbesserungvorschläge, aber sie hielten sich doch sehr in Grenzen und kamen auch eher von vertrauten und nicht von fremden Menschen. Meistens kamen sie auch nicht ungefragt und im Rückblick muss ich sagen, dass mir das ganz gut gefallen hat. Das Grundrauschen an bewertenden Kommentaren blieb aus. Nun, bei Kaiserin 2, meiner nicht behinderten Tochter, kommt es mir so vor, als würden sich alle Eltern per se als Experten für Kindererziehung sehen. Dabei kann man doch nie von einem Kind auf ein anderes schließen und Eltern sein ist ja nicht gleichzusetzen mit einem Diplom in Pädagogik.

Dass wir mit unserer zweiten Tochter eine sehr gute Esserin bekommen haben, fühlt sich fast schon wie Ironie des Schicksals an. Unsere erste Tochter hat ein Jahr lang so gut wie nichts gegessen. Wir mussten sie durch eine nasale Magensonde ernähren und wenn es nach den Ärzten gegangen wäre, hätte sie auch eine PEG (Magensonde durch die Bauchdecke) bekommen. Glücklicherweise hat sie kurz nach ihrem ersten Geburtstag angefangen zu essen. Nicht altersgerecht, sondern pürrierte Kost durch einen Breisauger. Aber immerhin so viel, dass sie dadurch stetig zunahm und das Untergewicht sich ganz langsam von den lebensbedrohlichen Werten entfernte. Für mich ist es ein großes Geschenk, dass meine zweite Tochter essen kann und will. Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie es war, als wir um jeden Tropfen Milch, um jedes Gramm am dünnen Körper unserer ersten Tochter kämpfen mussten. Gerade bei Menschen, die uns schon länger begleiten, ist es mir rätselhaft, wie sie mit dem Wissen dieser Familiengeschichte das Essverhalten unserer zweiten Tochter überhaupt zum Thema machen können.

 

Wie ein Kinderleben mit dem Stigma “Du bist zu dick!” aussehen kann, erzählt die Kaltmamsell auf ihrem Blog Vorspeisenplatte in der alarmierenden Serie “Diätterror”. Sie wurde von ihrer eigenen Mutter im Alter von vier Jahren auf Diät gesetzt: “Sie beschloss, dass ihre Tochter zu dick sei (was übrigens durch jedes Foto aus dieser Zeit sehr einfach zu widerlegen ist). Und setzte sie fortan unter eine kaloriengesteuerte Ernährungskontrolle, die sie bis zu Kaltmamsells Verlassen des elterlichen Heimes im Alter von 19 Jahren aufrecht erhielt.” Die verspeisten Kalorien der kleinen Tochter wurden von der Mutter detailliert notiert; als Schulbrot gab es rohes Gemüse und dazu Sprüche wie “Du könntest sooo eine hübsche Figur haben, wenn du abnehmen würdest.” Die Kaltmamsell widmet sich in ihrer Diätterror-Serie weiteren Sprachverfehlungen zum Thema Körperbilder und Diäten; in ihrem Artikel Die Sprache des Terrors fehlt für meinen sprachsensiblen Geschmack nur noch das Wort Wonneproppen.

Die ZEIT widmet sich gerade genau dem Gegenteil: Kinder, die nichts essen wollen. Die so genannten picky eater . Dabei spielen übrigens die Gene eine entscheidende Rolle, wie Johannes Hebebrand im Interview berichtet. Er arbeitet als Experte für Essstörungen bei Heranwachsenden und meint: “Die Beschäftigung mancher Eltern mit der Ernährung ihrer Kinder hat inzwischen hysterische Züge angenommen. Solange ein Kind gut drauf ist, (…) psychisch und körperlich keine Auffälligkeiten zeigt, würde ich mich entspannen.” Doch Entspannung ist gar nicht so leicht, wenn es von außen immer wieder neue Meinungen – gern auch ungefragt – gibt.

Gestern auf dem Spielplatz setzte sich ein kleiner Junge neben Kaiserin 2. Sie spielten einträchtig miteinander, ich kam mit der Babysitterin ins Gespräch. Mir wäre nicht aufgefallen, dass beide Kinder ein ähnliches “Format” hatten, wenn die Babysitterin es nicht ausgesprochen hätte. Schnell kam die Frage des Alters und wir stellten fest, dass meine Tochter vier Monate jünger als das Babysitterkind war. Sie hätten problemlos ihre Klamotten tauschen können. Die Babysitterin beschrieb ihn beiläufig als “starken Jungen” und mir fiel auf, dass stark ein Wort ist, dass ich noch nie als Beschreibung für meine kleine Tochter gehört hatte; im Gegensatz zu pummelig oder eben meinem Lieblingshasswort Wonneproppen. Dabei ist Stärke viel positiver besetzt. Nun frage ich mich, ob die Figur meiner Tochter vielleicht nur Thema ist, weil sie als Mädchen zur Welt kam. Denn die haben ja klein und hübsch und süß und bitte gerne auch schlank zu sein. Allein, dass die Figur meiner Töchter ein Thema ist, macht mir Angst. Es erscheint mir so falsch zu sein wie die Frage, ob der Keks aus Dinkel oder Hafer sein sollte. Ich freue mich einfach, dass der Körper meiner kleinsten Tochter zuverlässig funktioniert und gesund ist. Ich freue mich, wenn sie lacht; wenn ihr Körper sich zur Musik bewegt oder sie mir mit flinken Schritten entwischt. Nicht, weil ihr die neueste Kollektion von Mini Rodini wie maßgeschneidert passt.

In Gesprächen mit kleinen Mädchen geht es meistens um Äußerlichkeiten, wie Joanna Goddard auf ihrem Blog A Cup of Jo treffend beschreibt. In “How to talk to a little girls” macht sie alternative Vorschläge für einen Smalltalk mit jungen Mädchen: Statt einem Kompliment für eine tolle Frisur vielleicht einfach mal nach dem Lieblingsbuch fragen? Sie berichtet, dass sich daraus auch viel bessere Gespräche entwickeln können.

Im Auftaktartikel zur Serie “Körperbilder”, in der ZEIT Online-Leser von ihrem Verhältnis zu ihrem Körper erzählen, heißt es: Unser Körper kann uns stolz und zufrieden oder rasend unglücklich machen. Wir können ihn pflegen, wir können ihn aber auch zugrunde richten. Wir können ihn lieben und wir können ihn hassen. Ein Leben lang.

Ich hoffe sehr, dass ich trotz des Kommentar-Grundrauschens locker genug bleiben kann, damit meine Töchter ihre Körper lieben können. Denn ich liebe sie – und ihre Körper. (M)ein Leben lang.

Teil II: Kinder, Körper, Kommentare – Nur für Mädchen?

 

27 Kommentare zu “Kinder, Körper, Kommentare

  1. Pingback: Wie sag ich’s meinem Kind? Sex & Porno | Familie Rockt

  2. Unfassbar! Wenn ich sage, dass mein 4 Monate alter Junge 7.8kg wiegt, werde ich immer gelobt, als ob das eine besondere Leistung wäre. Ich fand das bisher bloss etwas seltsam, aber vor diesem Hintergrund doch recht bedenklich.

  3. Hallo Mareice,
    welch schöner Text. Und lass Dir sagen: das geht nicht nur mit Mädchen so. Ich habe es geschafft, meinen Sohn fast 9 Jahre von diesem Irrsinn fern zu halten. Ich weiß zwar, dass es irgendwelche Kurven und Perzentilen und so gibt, habe mich aber nie darum gekümmert und Leute, die darüber viel reden, vermieden.

    Einmal waren wir bei einem Kita-Freund, der abends nur Gemüse und maximal zwei Scheiben Brot essen durfte. Da sind wir nicht mehr zum Essen hingegangen.
    Auch Menschen, deren Kinder abends kein Honigbrot essen dürfen, besuche ich mit meinem Sohn nicht mehr zu Essenszeiten.

    Jetzt ist das Kind fast 9 und behauptet, er sei zu dick. WEil er irgendeine ominöse Falte am Bauch hat. Er hat mich irre gemacht damit. Zum ersten Mal habe ich also einen BMI-Rechner für Kinder gesucht und bin dabei auf all diese “Kinder-Essen-WEbsites” gestoßen. Erschreckend. Mein Kind liegt genau im Normbereich, darf zwischen 25,4 und 34, irgendwas kg wiegen und wiegt 29.7 kg. Er wiegt sich jetzt jeden Morgen. Ich verfluche den Tag, an dem ich diesen Rechner ausprobiert habe.

    Es gibt nur eine Möglichkeit, mit blöden Kommentaren umzugehen: ignorieren, ignorieren, ignorieren.
    Und wenn es zu schlimm wird: Kontra geben.

  4. Ein wirklich toller Artikel, Mareice! Vielen Dank dafür! Es ist wirklich verrückt, das man über die Figur der Kleinsten schon so urteilt. Ich selber habe eine kleine fast 2-jährige Tochter, die durchschnittlich bis gut ist, aber immer sehr dünn war und auch noch ist. Mir persönlich wäre es gar nicht so aufgefallen, jedoch habe ich einige Freundinnen, die in regelmäßigen Abständen ihre langen schlanken (mitunter wird tatsächlich auch das Wort “dünn” benutzt) Beine loben. Wie kann das sein? Wie kann das an einem so kleinen Kind zuerst auffallen? Ich würde mich freuen, wenn sie ein wenig mehr Speckreserven haben würde und beglückwünsche Dich zu Deiner gesunden und mit Freude essenden Tochter!

  5. Wie furchtbar, da kann ich aber leider mit einstimmen: meine Tochter kam schon relativ groß zur Welt und hat auch schnell zugenommen. Vollgestillt. Sie wird immer noch viel gestillt und isst erst jetzt langsam etwas mehr “Richtiges” mit fast 2. Und ständig höre ich Sprüche über ihre “Speckbeinchen”, positiv oder negativ, mich kotzt es an. Das ist ein Baby bzw. Kleinkind, muss das denn schon sein? Ob ich mir keine Sorgen machen würde. Nee, mach ich nicht. Danke ;)

  6. Pingback: Fleisch oder Salat. Unser Bild vom Mann | Die Rosa-Hellblau-Falle

  7. Hallo ihr Lieben!

    Hier sind ja schon viele tolle Kommentare zu lesen. Danke dafür! Auch vielen Dank für deinen tollen Artikel. Ich habe es sehr genossen ihn zu lesen.
    Leider ist das Thema Aussehen und damit auch das Gewicht in unserer Gesellschaft mittlerweile allgegenwärtig. Sei es in der Werbung, in Bekleidungsgeschäften oder im alltäglichen Gespräch mit den NachbarInnen. Das fängt bei Babies an, die bereits in Burberry, La Coste, etc. gehüllt sein (müssen) und hört bei der Uroma auf die sich immer noch regelmäßig Botox spritzen und Fett absaugen lässt um ja nicht ihrem Alter entsprechend auszusehen.
    Ich selbst bin eine “propere” Konfektionsgröße 40-44 Trägerin. Wohl das was gemeinhin als ‘Übergewicht-gefährdet’ gilt. War ich schon immer. Werde ich wohl auch immer sein. Mein Sohn ist ein sehr guter Esser. Trotzdem sehr zierlich. Ganz wie der Herr Papa. Bei uns geht es in die genau andere Richtung. Ich höre ständig (ungefragte) Kommentare wie ‘oh der ist aber klein und fein’ oder ‘wie alt ist er denn? ist das normal, dass er so dünn ist?’. Mit der ständigen Konfrontation mit diesem Thema kommt man/frau dann doch irgendwann ins Grübeln. Dankenswerterweise habe ich aber einen gesunden Menschen- und Hausverstand und weiß mittlerweile wie damit umzugehen ist. Aber das war ein weiter Weg.

    Ich wünsche allen Mamis und Papis da draußen, dass sie herausfinden wie mit ungefragten Kommentaren, egal in welche Richtung, umzugehen ist. Und ich wünsche allen Kindern da draußen, besonders den Mädchen, denn die betrifft es weitaus eher als die Jungs, dass sie in einem gesunden und liebenden Verhältnis zu ihrem Körper aufwachsen dürfen.

    Liebe Grüße und alles Gute,
    Cora

  8. Ich bin eben nochmals auf diesen Artikel gestoßen und muss jetzt mal loswerden, dass ich echt fassungslos bin. Als noch nicht klar war, ob ich einen Jungen oder ein Mädchen bekommen würde, habe ich mir manchmal gedacht: Bei Mädchen muss man so viel mitmachen. GNTM, rosa Ü-Eier. Alles Dinge, mit denen ich echt Probleme habe. Und jetzt wird ein kleines Mädchen fast noch ein Baby, ernsthaft auf seine Figur angesprochen! Das ist schlimmer, als ich es mir ausgemalt hätte. Da bin ich wirklich froh, Jungs-Mama zu sein (auch wenn man da dann mit anderen Sachen zu kämpfen hat….) Und ja, es stimmt, Jungs gelten als stark und kräftig, Mädchen als pummelig. Meiner isst auch immer 3 Teller in der Kita, das wird so nebenbei erwähnt, ob es bei den Mädchen ein Thema wäre? Schlimm. Kein Wunder, dass so viele Mädchen Essstörungen bekommen. Was sind wir doch für eine kranke Gesellschaft. Babys müssen doch speckig sein, und solange Kleinkinder nicht mit Chips vorm Fernseher verfetten ist doch alles in einem gesunden Rahmen…. Ich wünsche dir viel Kraft beim lächelnd Weg-Ignorieren!!! Liebst, Isabel

  9. Ich bin heute 20-jährige Tochter und noch (länger) nicht Mami und möchte dir aus der Sicht einer Tochter für diesen wertvollen Post danken!
    Ich war ein molliges Kind und bin heute eine leicht übergewichtige junge Frau mit Kleidergrösse 40/42 (bei einer Hose vielleicht mal eine 44). Ich hatte das wunderbare Glück eine Mutter zu haben mit dem gleichen gesunden Instinkt wie du es hast. Ich habe einen völlig gesunden Umgang mit meinem Gewicht, ernähre mich normal und habe eine anhaltend wunderbare Beziehung zu meiner Mutter. Eine gute Freundin von mir (mit Hosengrösse 36) hatte das nicht, und macht seit ihrem 13. Lebensjahr regelmässig Diäten, inspiriert von ihrer Mutter und ihrem Grossvater die sie immer wieder daran erinnern, dass da doch etwas Hüftspeck vorhanden ist “nicht wahr Louisa, hast die Woche schon paar mal was süsses gehabt?”

    Ich kann mich normal ernähren, ohne grosse Schwankungen, bewege mich häufig und gerne, kann mich im Spiegel anschauen ohne grösser rummäkeln zu müssen, kann am Strand liegen ohne den Bauch einziehen zu müssen. Ich bin zufrieden mit meinem Körper. Manche denken nun “obwohl er nicht dem Ideal entspricht” aber das ist es gar nicht. Ich wäre auch zufrieden wenn ich Size Zero hätte, Grösse 36 oder Grösse 52. Es ist nicht OBWOHL, sondern es ist EINFACH. Es liegt daran, dass die Menschen die in meiner Prägungsphase die mir liebsten und wichtigsten waren mich so wie ich war, in meinem Körper liebten. Mir wurde nie Grund gegeben mich zu hassen und ich wünsche jedem Kind, unter anderem auch meinen zwei Neffen und meiner Nichte, dass es ihnen mal gleich gehen wird. Denn wenn ich heute gleichaltrige beobachte, kann ich klar erkennen, bei wem das Thema Gewicht schon zu früh zu wichtig war.

    Also Danke! Denn jede Mutter die sich deinen Text jetzt kurz durchliest und zu Herzen nimmt, kann das Leben seines Kindes langanhaltend bis in 20 und in 30 Jahren posititv beeinflussen.

  10. Hallo,

    ich bin Mutter zweier Töchter (1 und 4) und selber das, was man wohl stabil nennt, während mein Mann figürlich absolut durchschnittlich ist.

    Bei den U-Untersuchungen werde ich immer darauf hingewiesen, dass Tochter 1 schlicht übergewichtig sei. Ich habe das immer verneint, weil es lt. BMI vielleicht so sei, aber sie immer gesund ist (und isst), sich gerne und viel bewegt und ein gutes Hunger-/Sättigungsgefühl hat.

    Bei Tochter 2 soll es nun auch so kommen. Die letzte Bermerkung der KiÄ war, dass sie sich ja schön dem Durchschnitt annähert. :/ Aus meiner Sicht eine unmögliche Verhaltensweise.

    Danke, dass ich hier lesen durfte, dass wir nicht alleine sind. Es bestärkt mich in der Haltung, meinen Kindern das Essen nicht zu vermiesen.

  11. Aaaaaah, endlich spricht das mal wieder jemand aus. Ich hab auch zwei Mädels, die sich zwar sehr ähnlich sind aber dennoch nicht unterschiedlicher sein könnten. Und gerade das Thema Essen ist omnipräsent.
    K1 war schon immer eine Wenig-Esserin (sic!) und ich hab mir oft Sorgen und Gedanken gemacht. Mit einem Jahr müsste sie ca 8 oder 9 kg gehabt haben. Ihr Essen bestand aus “Spurenelementen” – geringste Mengen an Nudeln, Nudeln, Nudeln! Kein Fleisch, kein Gemüse. Hin und wieder etwas Obst… Und? Sie ist motorisch sehr fit, sprachlich auch… Und bei den Strecken, die sie immer umhersprintet ist es für mich auch kein Wunder, dass sie nur langsam zunimmt. Und wirklich geändert hat sich mein Verhalten ihrem Essverhalten gegenüber erst, als ich von Gonzales “Hilfe, mein Kind isst nicht!” gelesen habe.
    So, K2… Geboren 2 Jahre nach K1 und immer einen kleinen Sprung vor K1… Bei Geburt paar hundert Gramm mehr (beide ca. 2 Wochen vor vET zur Welt gekommen), zur U2/U3/U4…. etc. pp. immer größer und schwerer gewesen. Wenn auch nicht viel. Und das, wo sie Mengen vertilgt…! Seit sie 6 Monate alt ist, isst sie normal vom Familientisch mit, wird weiterhin gestillt und die Mengen sind wirklich erstaunlich. Eine Viel-Esserin! Juchei… Aber im Ernst jetzt? Figürlich macht das bei meinen beiden einen dermaßen minimalen Unterschied… Das wichtigste am Essen ist doch: Essen, bis man SATT ist – nicht, bis der Teller leer ist, oder p50 erreicht ist, oder Mama und Papa zufrieden sind, oder…

    Nee, ist echt toll geschrieben und tut gut zu wissen, dass es da draußen noch andere Eltern hat, die mit dem gleichen “Problem” zu kämpfen haben.
    (Übrigens, für mich ist auch wichtig, dass die Kinder mich nackt sehen, bzw. ich mich nicht verschämt verstecke – dann ist auch ein späterer, gesunder und liebender Umgang mit dem eigenen Körper wahrscheinlicher.)

    Ach ja: Beide sind zierlich und klein – und soooo positiv find ich das jetzt auch nicht. ;)

  12. Ich bin grade fassungslos :-D Als hätte ich das geschrieben! Und ich heiße eben auch Kaiser und meine Tochter ist die Kaiserin 2 :-).Danke Dir dafür!

    Alles Liebe,

    Julia

  13. Danke für diesen Post. Ich erlebe in meinem Bekantenkreis leider auch einen unguten Umgang mit der Figur eins starken kleinen Mädchens. Ich mache mir große Sorgen um die Folgen davon, aber ich sehe die Familie zu selten, um etwas dazu zu sagen..

  14. Ich finde es grundlegend erschreckend wie oft Menschen andere Menschen (damit sind auch Kinder gemeint) ungefragt bewerten. Ungefragt und ohne Ahnung von den Hintergründen oftmals.
    Es geht doch keinen etwas an, außer dir und deine Tochter (und ggf. den Kinderarzt, der aber ja gut zu sein scheint).
    Kinder haben angeblich ein intuitives Essverhalten und wissen genau, was sie brauchen und wie viel.

    Es wäre schön in einer Gesellschaft zu leben, in der Menschen bedingungslose Zuneigung erfahren und nicht das Gefühl haben müssen, erst wenn ich schlank bin, werde ich richtig akzeptiert. Und das bezieht sich so oft ja leider schon auf die eigene Familie.

    Es gibt Wichtigeres, als das Aussehen und das Dick- oder Dünnsein.
    lg Nanne

  15. Meine mittlere Tochter freut sich öfter explizit über ihren Bauch, sie hat so einen richtig schönen, runden.

    Im UK hat eigentlich nie jemand ungefragt seine Meinung zu den Figuren meiner Töchter abgegeben. Wir sind jetzt nach Basel unterwegs und ich hoffe, das bleibt dort so…

    Halt durch, Du bist nicht allein.

  16. Pingback: Unsere Netzhighlights – Woche 30/2014 | Apfelmädchen & sadfsh

  17. Du siehst das ganz ganz richtig, wirklich. Freu dich, dass deine Tochter gerne isst und lass es nicht zu, dass andere negative Kommentare machen. Bitte, sag das anderen auch so. Der Kindergarten meiner Tochter war der Meinung, dass sie zu “dick” war, hat das auch so formuliert und hat ihr über lange Zeit die Portionen beim Essen gekürzt (auch lange, ohne dass ich das wusste) , bis ich irgendwann darauf bestanden habe, dass sie damit aufhören müssen. Ich hätte es viel früher tun sollen und viel früher nach meinem Gefühl handeln sollen, war aber selbst verunsichert – schließlich haben die ja viel mehr Kinder und viel mehr Erfahrung, so mein Gedanke damals. So ein Unfug. Ständig bekam sie schon als Zweijährige von allen möglichen Leuten Kommentare wie “proper” “kräftig” etc etc. zu hören. Schrecklich. Und es bringt mich immer noch zur Weißglut, wenn die Oma, die wir nicht so oft sehen, immer nach ihrem Gewicht fragt. Furchtbar! Kein Wunder, dass Grundschulmädchen schon darauf achten, wer wie viel wiegt und wer dick aussieht oder nicht – das ist meiner Meinung nach die Quittung für dieses ständige aufs Aussehen und Gewicht Schielen der Erwachsenen im Bekanntenkreis. Viel schlimmer als Werbung, denn die ist nicht an einen persönlich gerichtet, die tut nicht so weh.

    Inzwischen sagt unsere Tochter wenigstens nicht mehr über sie selbst, sie wäre dick. Und sie hat auch ein entspanntes Verhältnis zum Essen, weil niemand mehr verbietet oder reglementiert, das hat wirklich lange gedauert, bis das wieder normal war, und ich wünsche mir inständig, dass es so bleibt. Dabei hat sie wirklich eine ganz, ganz “normalen” Körperbau, treibt gerne Sport und ist (und isst) gesund.

    Mit meinem Sohn hab ich jahrelang um jeden Bissen kämpfen müssen, es ist so schön, wenn jemand mit Appetit isst und im Krankheitsfall auch mal zwei drei Tage ohne Essen auskommen kann.

    Über das Thema “Konfektionskleidung für Mädchen” hätte ich an dieser Stelle auch noch einiges zu sagen, aber das sprengt wohl den Rahmen. Nur so viel: ich bilde mir ein, da eine ungute Tendenz zu immer schmaler geschnittenen, übertrieben “erwachsenen” Kleidern (Hüfthosen für Kindergartenkinder!) zu erkennen, z.B. bei H&M. Schlimm.
    LG

  18. Liebe Mareice, bin noch nicht lange Leserin Deines Blogs, finde ihn aber so toll. Danke für die vielen Einblicke in Euren Alltag.
    Ich habe einen zweijährigen Sohn, der lange auf der 3er Perzentile war (wog mit 1 nur etwas mehr als 8 kg) und somit den meisten in meiner Umgebung (besonders meiner eigenen Mutter) Anlass zu Sorge und Kommentaren gab, auch weil er ein Wenig-und Wählerisch-Esser war und ist. Dabei war er immer quietschfidel, motorisch topfit, ständig in Bewegung… Immer Vermutungen, dass er doch sicher organische Probleme habe (Unverträglichkeit? Allergie? Verwertungsproblem?), haben nicht dazu beigetragen, dass ich bei dem Thema wahnsinnig entspannt bleiben konnte/kann.
    Meine gesamte Familie ist eigentlich übergewichtig, mein Mann ist schlank und war es auch immer bzw als Kind auch ein Wenig-Esser. Unser Sohn kommt wohl mehr nach ihm. Ein Kinderarzt meinte mal zu mir “machen Sie ihn bloß nicht fett” – der Trend geht wohl eher zu schlanken Kindern, weil Übergewicht unter allen Umständen zu vermeiden ist… Eine Freundin kniff letztens in die Schenkel ihres kleinen Babys (4 Monate) und meinte, oh er wird so chubby, hoffentlich wird er nicht zu dick…schlimm!
    Anyway, meine kleine Tochter (auch 4Monate) ist jetzt schon kräftiger als ihr Bruder im gleiche Alter, worüber ich mich wahnsinnig freue und noch mehr freuen werde, wenn sie dann viel und gern/mit Genuss essen wird!
    Das Thema Körper und Gewicht ist ein Thema, dem viel, zuviel an Bedeutung beigemessen wird – sollte man doch froh und dankbar sein, über gesunde Kinderentwicklung…
    Liebe Grüße, Julia

  19. Hallo,
    ein toller Artikel. Ich finde Du und auch die Kommentatorinnen schlagen sich super.
    Ich bin keine Mutter, aber mir kamen gerade fast die Tränen, da ich mich daran erinnerte, dass ich seit ich in vorpubertärer Zeit etwas zunahm von Vater, Oma und Verwandten darauf angesprochen wurde, nach meinem Gewicht gefragt wurde, als robust/stabil/stattlich bezeichnet wurde, gesagt wurde, ich hätte einen ganz schönen Hintern bekommen oder vor mir die zierliche Figur zufällig vorbeikommender Mädchen gelobt wurde. Dabei, Bilder belegen es, war ich nie dick. Und gelinde gesagt hat das ganze nicht gerade zu einem normalen Verhältnis zu Essen geführt und auch nicht dazu, dass ich mich und meinen Körper akzeptieren kann, sobald ich mal ein bisschen zunehme.
    Deshalb, ich hoffe sehr, Du kannst Deinen Kindern gegenüber weiterhin entspannt bleiben und dieses Gerede so gut, wie möglich von ihnen fernhalten. Es ist eine Frechheit und Respektlosigkeit und Unreflektiertheit, die wirklich nicht zu ertragen ist.

    Alles Gute & viele Grüße
    Julia

    • Same here,Julia. Ich war immer normal, manchmal sogar zu dünn. Und was hab ich jetzt davon? Meine Fixierung auf mein Gewicht ist zwischenzeitlich krankhaft und ich bin TROTZDEM gute 15 kg zu schwer für meine Größe. )ok ich bin groß). Meine Tochter innerlich argwöhnisch beäugt von mir, will ich ihr das doch alles ersparen. Wasne *****, die man da mit uns macht.

      • Hallo Tinker,
        es ist schrecklich und unreflektiert und unsensibel – ob es nun fremde Menschen oder Verwandte oder gar Eltern sind – ein bisschen mehr Nachdenken sollte man wohl erwarten können. Und ja, obwohl ich, wie geschrieben, keine Kinder habe, muss man, glaube ich, unglaublich aufpassen diese “Störung”, die man selbst mitgekriegt hat, nicht unbewusst und in irgendeiner Weise auf seine Kinder zu übertragen. Toi toi toi :-)

  20. Vielen Dank für diesen (schön geschriebenen) Artikel!

    Ich als Nur-Sohn-Mutter kriege das vielleicht nicht so sehr mit, was schon bei den kleinen Mädels abgeht.

    Dennoch fühlte sich *Bekannter* dazu im Recht, die Figur des ersten Sohnes zu loben – weil er so dünn ist.
    “Besser so als anders”, hieß es da trocken.

    Seine Frau fragte mich in Gegenwart meiner Kinder, welches denn mein Lieblingskind sei. Da fällt einem doch nichts mehr dazu ein.

    Ich bin selbst als nie zierliches Mädchen durch`s Leben geschritten, die Figur spielte in den Gesprächen von Verwandten und Bekannten immer eine große Rolle. Es war ein Spießrutenlauf. Ich finde deine Einstellung wahnsinnig toll und will dich bestärken, diesen Pfad weiter zu gehen.

    Ich bin übrigens rigoros darin, Gespräche zu unterbinden, wenn in Gegenwart der Kinder über ihre Stärken/Schwächen, Körper oder Charaktereigenschaften geredet wird.

    Aber in einer (Medien)Welt, in der sich jeder und jede dazu bemüßigt sieht, das Aussehen der anderen zu kommentieren, fühlt sich wohl irgendwie jeder dazu berechtigt.

    Alles Gute für dich und deine Töchter!

    Mara

  21. Ich bin keine Mutter, aber Tochter, und zwar eine die auch schon immer gerne gegessen hat. Und so lange wie ich mich daran erinnern kann, dass mit Essen schmeckte, kann ich mich auch an Kommentare zu erinnern. Von “Na was soll das denn?”, wenn man nach dem Essen noch mal in den Topf lange um sich eine Kartoffel zu schnappen, über “Das ist jetzt aber schon deine dritte Portion” bis hin zu “Du weißt doch, dass du nicht so viel essen sollst”, was so ziemlich alles dabei. Weniger von meinen Eltern, als von meinen Großeltern, denen ich die Kommentare zu meinem Essverhalten auch erst vor ein paar Jahren abgewöhnt habe.

    Das traurige daran ist, dass genau diesen Verhalten, dass mich aus ihrer Sicht sensibilisieren sollte, eher dazu geführt hat, dass ich heimlich ständig Schoki, Brote und Wurstscheiben nascht, egal ob Hunger oder nicht, weil ich immer das Gefühl hatte, ich müsste verstecken und heimlich rumhamstern.

    Bei meinem kleineren Bruder war vieles anders, er war zwar als Baby viel dicker, wuchs sich aber schnell daraus und wurde dann zu einem “Spillerkind” wie Oma es immer so schön kommentierte (was ich genauso schlimm finde!!) dem die Kekse zwar ebenfalls in den Mund gezählt wurden, aber nur mit Worten wie “Tja Katrin, das hättest du auch gerne, so viel essen können wie man will, und nicht dicker werden” kommentiert wurden. Tatsache ist eben, man kann es den meisten so wie so nicht Recht machen, leider. Ich hoffe die beiden Kaiserinnen, finden einen Weg dem Blabla von außen die Ohren zu verschließen, und ihnen wird das Essen niemals madig gemacht, denn dafür ist es viel zu schön!

  22. Pingback: Ach ja, montags war doch was … | Gemischtwahnlädchen

  23. Liebe Mareice,
    you’re not alone!

    Ich bin Mutter dreier Kinder.
    Sohn 1 ist das, was oft als Spargeltarzan oder Leuchtturm bezeichnet wird: ein langer Kerl, der sehr, sehr schlank geraten ist.
    Tochter 1 war ein kleines rundliches, süßes Kleinkind mit Pausbäckchen, runden Waden und Kullerbauch. Hat sich (leider) verwachsen. Sie ist nun völlig durchschnittsgewichtig, aber eben nicht zart und schon gar nicht zierlich.
    Tochter 2 ist in ähnlichem Alter wie Kaisierin 2 und wohl auch figürlich vergleichbar, sofern ich das anhand der Aufnahmen von ihr erahnen kann.

    Keines der Kinder ist bisher ohne Kommentare ob der Figur durch Leben geschritten. Während bei meinem Sohn oft gesagt wird, dass er so nie stark und ein ganzer Kerl würde, wird an den Mädels rumgemäkelt. Zu dick, zu rund, zu moppelig. Selbst Tochter 1, wie gesagt figürlich mittlerweile absolut durchschnittlich, wird nicht ausgelassen. Denn anscheinend sind nur elfenhafte Mädchen hübsch und süß.
    Mein Highlight dabei: Über Tochter 1,damals 2,5, wurde am ersten Weihnachtstag beim Weihnachtsessen in großer Runde und dementsprechend auch in ihrer Anwesenheit gesagt, dass sie ja so stabil und kräftig sei. Mir ist der Kloß im Hals stecken geblieben und ich musste meine Tränen unterdrücken. Ich bereue noch heute nichts gesagt zu haben und habe mir geschworen derlei Kommentare in der Zukunft und insbesondere bei Tochter 2, die figürlich ähnlich ist, wie Tochter 1 damals, nicht mehr unkommentiert zu lassen. Und meine (Stief-)Schwiegermutter, die diese Aussage tat, sehe ich seitdem mit anderen Augen.

Hinterlasse eine Antwort

Erlaubte HTML tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>