Kleine Superhelden

by Kaiserin

You never know how strong you are, until being strong is the only choice you have. 

Superhelden gibt es nicht nur in Filmen oder Büchern. Es gibt auch Menschen, die mit offensichtlicher körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung Superkräfte entwickeln. Damit meine ich nicht Fliegen oder durch Wände gehen. Ich meine Kräfte aufbringen, um Situationen durchzustehen, Schmerzen zu ertragen. Die größten Kräfte haben Kinder wie Kaiserin 1, die in den ersten drei Lebensjahren schon so viel operiert wurden, mit Medikamentengaben genervt und Entzüge von Betäubungsmitteln hinter sich haben. Nahrungssondenlegungen, zu frühe Extubationen, Re-Intubationen, lebensrettende Maßnahmen – das alles, was die Psyche der Eltern nicht so leicht schluckt und die Kinder hoffentlich wieder vergessen und sie nicht prägt. Im Krankenhaus habe ich so oft neben dem Krankenbett gesessen und mich gefragt, wie meine Tochter das jetzt schon wieder geschafft hat. Mit „das“ meine ich „Überleben“ – und dabei trotzdem den Lebensmut nicht zu verlieren.

Bei gesunden Menschen kann Adrenalin Auslöser für einen Kräfteschub und das Ertragen von Schmerzen sein, aber wie schaffen unsere kranken Kinder das alles? Das, was ich nur sehe und meinem Körper nicht getan wird, tut mir schon weh, während Kaiserin 1 zwar weint, aber danach wieder grinst. Nicht immer, klar. Es ging auch schon ein paarmal wirklich fast zu Ende (Rota-Viren, Lungenentzündung,…). Ich mache mir da nichts vor, Kaiserin 1 lebt auf dem Drahtseil. Die KiTa ist ein Wagnis, jeder Ausflug, jede Reise – überall kann der nächste Infekt lauern, der anderen Kindern eine Schnupfennase verpasst, meine Tochter aber ins Krankenhaus bringt. Es gibt eigentlich nur eine Erklärung dafür, dass unsere Kinder, die so klein und zerbrechlich sind, so stark sein können: Sie haben Superkräfte, wie Superhelden.

Wenn es richtig ist, jemanden so zu bezeichnen, dann Kinder mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten. Kinder, an denen andauernd manipuliert wird, denen Katheter in alle Öffnungen geschoben werden, von Geburt an bis hoffentlich nicht so lang, die sich wehren, aber von bis zu sechs Krankenschwestern fixiert werden, die absolut nichts tun können außer zu weinen, die immer wieder operiert werden müssen und die mit Antibiotika, Beruhigungsmitteln und anderem Mist vollgepumpt werden, um überhaupt eine Chance auf etwas zu haben, das wir Leben nennen.

Superhelden tun auch viel für andere, dieses Kriterium wird von unseren Kindern ebenso erfüllt. Kaiserin 1 zeigt uns täglich, dass unsere eigenen Wehwehchen nicht der Rede wert sind. Sie zeigt Kaiserin 2, dass es auch andere Kinder gibt, die eben irgendwie anders sind. Dass anders sein normal sein kann. Es ist eben eine andere Lebensweise, die innerhalb der Familie ihren Platz hat und für Kaiserin 2 ist ihre große Schwester von Anfang an dabei. Kaiserin 1 ist eine Bereicherung für das Leben ihrer Schwester, wie sie eine Bereicherung für ihre Eltern ist. Unser Supergirl rückt die eigentlichen Befindlichkeiten ins reale Licht.

Kaiserin 1 zeigt mir den Sinn. Der Sinn des Lebens ist mir dank ihr völlig klar geworden: Das Große im Kleinen finden, mit den gegebenen Mitteln das Mögliche möglich machen. Ihr ein tolles Leben bieten, in dem sie ihre Superkräfte nicht ständig unter Beweis stellen muss, sondern sie einfach locker in der Tasche mit sich tragen kann – immer für den Einsatz gewappnet.

Dass unsere Tochter eine Superheldin ist, fand auch eine Freundin der Familie und schickte Kaiserin 1 das passende Geschenk: Ein Superhelden-Cape! Was für eine tolle Überraschung! Robyn Rosenberger aus Kalifornien hat kleine Umhänge entworfen und genäht, die sie an Superhelden-Kinder in aller Welt verschickt. Auch Kaiserin 1 ist jetzt offiziell ein Tiny Superhero. Der Filzumhang mit der Initiale des Vornamens unserer Tochter veranschaulicht für uns – auch hängend an der Wand – immer wieder, was alles hinter ihr liegt, alle Etappensiege – und wie stolz unsere kleine große Tochter auf sich sein kann. Wie stolz wir auf sie sind und wie dankbar, sie in unserem Leben zu haben.

superhelden

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Text: Thorben Kaiser

 

 

 

7 Kommentare zu “Kleine Superhelden

  1. Die Idee ist ja wirklich niedlich! So erträgt die kleine Superheldin doch sicher viel besser, was sie über sich ergehen lassen muss. Daumen hoch für diese tolle Idee!

  2. Wahrlich habt Ihr ein Familien-Cape verdient. Wenn ich denke, was ihr schon alles überstanden habt, das ist eigentlich gar nicht in Worte zu fassen.
    So wie Ihr Euch fragt, wo die tapferen Superhelden diese Kraft her nehmen, so frage ich mich auch oft, woher Ihr als Eltern Euch diese Kraft holt. (Hoffentlich) Jeder der Kinder hat, leidet beim Kleinsten Pieks schon mit. Ich muss heute oft noch an die Worte meiner Mama denken (ich war mit 4/5 ein kleines Sorgenkind) „ach könnte ich Dir das nur abnehmen, ich würde es für Dich ertragen“ und heute kann ich es aus tiefstem Herzen verstehen.
    In Gedanken habt ihr von mir das Familien-Cape verliehen bekommen. Bleibt so eine tolle, starke Familie!

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