Ausnahmezustand Alltag

by Kaiserin

Der Herbst ist da – und mit ihm all die Infekte und Viren, die sich in der Kita und auf Spielplätzen – also an allen Orten, wo sich kleine Kinder und ihre kleinen Immunsysteme berühren – weitergegeben werden. Für uns als Familie mit einem behinderten und immunschwachen Kind bedeutet das: Krankenhaustage. Berufliche Termine müssen verschoben, Kinderbetreuung für das gesunde Kind koordiniert, Therapietermine abgesagt werden. Der Kühlschrank bleibt leer, die Wäsche ungewaschen, Post unbeantwortet und gegessen wird das, was schnell geht (und meist teuer ist). Dabei werden wir als Eltern immer begleitet von der großen Sorge um unser Kind. Denn wenn wir eines gelernt haben während der Krankenhaus-Karriere unserer Tochter Kaiserin 1: Alles ist möglich. Ein Magen-Darm-Infekt kann schnell lebensbedrohlich, ein Schnupfen eine Lungenentzündung werden.

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Nach einer wirklich guten Phase, in der Kaiserin 1 lange gesund und glücklich jeden Tag mit ihrer kleinen Schwester zur Kita ging, hat uns die Realität nun wieder eingeholt. Der Ausnahmezustand Alltag ist wieder da. Erinnerungen an die vielen Tage, Wochen und Monate in unterschiedlichen Krankenhäusern kehren wieder zurück aus der hintersten Ecke des Kopfes, den ich gut verschlossen hatte, um meine Freude über die guten Tage nicht zu trüben. Nun ist das alles wieder präsent: Die Fehldiagnosen, die vielen vernarbten Einstiche auf den Armen meiner Tochter, meine Panik während der Operationen, die Todesangst um meine Tochter.

Schnelle Hilfe von außen gibt es nicht. Als ich mich bei Twitter fragte, wie Alleinerziehende mit mehreren Kindern solche Situationen eigentlich meistern, bekam ich nur den Tipp, eine Haushaltshilfe zu beantragen. Das funktioniert aber nur, wenn ich krank geschrieben wäre. Nicht, wenn mein Kind krank ist (was bei Kaiserin 1 ja streng genommen sowieso Dauerzustand ist). Abgesehen davon, dass Kaiserin 2 sich ja nicht sofort von einer ihr bisher fremden Person beaufsichtigen lässt – sie ist da durchaus wählerisch.

Der Pflegedienst, der Kaiserin 1 zu Hause in der Nacht betreut, darf nicht ins Krankenhaus kommen. Im Krankenhaus jedoch sind nur zwei Krankenschwestern nachts auf der Station im Dienst, die sich nicht um zwanzig Kinder gleichzeitig kümmern können. Kaiserin 1 benötigt also eine 24 Stunden-Betreuung im Krankenhaus, was irgendwie paradox ist.

Zum Glück haben wir für Kaiserin 1 eine wunderbare Einzelfallhelferin, die uns ein paar Stunden in der Woche unterstützt – und die allerbesten Freunde, die im Notfall da sind. Aber auch die müssen sich ab un an um ihr eigenes Leben kümmern und können nicht immer und flexibel parat für uns stehen. Abgesehen davon, dass es sich nicht gut anfühlt, ständig um Hilfe bitten zu müssen. Aber auch das lernen wir Eltern von Kindern mit Beeinträchtigungen. Für unsere Kinder braucht es kein Dorf, wir brauchen eine Stadt.

 

Vielen Dank für die Fernwärme, die uns über die unterschiedlichen Kanälen erreicht. Ich gebe sie in Form von Küssen an meine Tochter weiter, die kommende Woche hoffentlich gesund und fröhlich zu Hause mit uns ihren dritten Geburtstag feiern kann.

9 Kommentare zu “Ausnahmezustand Alltag

  1. Pingback: Mareice Kaiser | Das Featurette Blog

  2. Es ist wirklich alles unglaublich paradox, dass es keine Haushaltshilfe gibt, wenn ein Kind im Krankenhaus ist. Es ist ja nicht so, als könnten sich Eltern dann ausruhen! Ich drück euch die Daumen, dass die nächsten Viren und Bakterien nicht so fies sind, und eure Tochter wieder ins KH bringen. Ich finde es weiterhin klasse, dass du das alles in einem Blog veröffentlichst. Die Angst muss dich ja fast wahnsinnig machen und die Erinnerungen gehen ja leider nie ganz weg. Haltet die Ohren steif! Ihr packt das!

  3. Großen Respekt für das, was Du leistest und möge Dir Gott Kraft und Zuversicht schenken, um dieses Tal nicht alleine durchwandern zu müssen. Alles Liebe!

  4. Alleinerziehende machen das ungefähr so: Sie bitten Freunde,das andere Kind mittags zu versorgen,während sie z.B.im Aufwacht bei dem frisch operierten,gehandicapten Kind stehen und den Pflegern erklären,warum das Kind dieses und jenes Medikament,das in der Situation „normalerweise „verabreicht wird,auf keinen Fall bekommen darf.
    Sie telefonieren parallel mit dem gesunden Kind und erzählen mit fröhlicher Stimme, dass alles gut ist.
    Dann hoffen sie,dass die eine…die wirklich fitte, engagierte und zuverlässige Schwester Dienst hat,die das „Problemkind“ kennt und halbwegs einschätzen kann….und dass die auch nicht gerade fünf komplexe Kinder betreuen muss.Sie bitten diese Schwester,eine Stunde zu „übernehmen „, rennen zum Auto,Rasen zum anderen Kind…rufen unterwegs dreimal in der Klinik an.
    Dann atmen Sie durch,holen das gesunde Kind lächelnd von den Freunden ab….bringen es z.B. zur Orchesterprobe….beten,dass die etwa 6 Stunden dauern wird….rasen zurück in die Klinik,versorgen das kranke Kind…denn die Schwester hat drei Zugänge bekommen um die sie sich kümmern muss…
    Soll ich weiter erzählen?
    Wir praktizieren das seit Jahren…

    Lieber Gruß Kirstin

  5. Das tut mir alles sehr leid für Dich und Deine Familie! Ich kann genau nachvollziehen, wie Ihr Euch fühlt und wie es Euch geht – ich kenne das genau!
    Unsere Jüngere (wird in zwei Wochen 3 Jahre alt) hat nach 6 Monaten insgesamt neun Lungenentzündungen gehabt, die teilweise schwierige Verläufe hatten. Jedes Mal Krankenhaus, Betreuung ausmachen für die Ältere – und die Angst! Sie ist nun seit Monaten sehr stabil gesund und munter – da haben wir ein wahnsinniges Glück!!
    Ich drücke Euch die Daumen, daß es besser wird!!

  6. Ich glaube fest an die Kraft der Gedanken: Daher denke ich viel an dich und deine Kaiserinnen und wünsche allerbeste Genesung. Ihr habt da ein starkes Persönchen, dass sicher bis nächste Woche wieder gesund ist….und jedes Mal wird sie noch ein bißchen stärker….

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