Und wie machst du das?

by Kaiserin

Das echte Leben, alles, samt der Schwächen und Hindernisse, samt der Ecken, Kanten, Falten, Durchhänger, Wunden, Narben, Müdigkeiten, Nervenzusammenbrüche und was es sonst noch alles gibt: es hat mich immer mehr interessiert als die begradigten und behübschten Versionen, die man manchmal erzählt bekommt, von Zeitschriften, von Filmen, von Menschen, die man trifft, manchmal macht man sich ja auch selbst einiges vor – ich inklusive. Obwohl das echte Leben so viel spannender, rührender, komischer, bewundernswerter ist als seine Fassaden. (Okka Rohd)

Eine der schönsten Internet-Einladungen, die ich mir vorstellen kann, kam und ich habe sofort Ja! gesagt. Ich durfte kluge Fragen beantworten auf einem tollen Blog: SLOMO. Okka Rohd schreibt dort über Essen, Mode, Filme, Bücher, Fotografie, Design – und vom Leben mit ihrer Tochter Fanny. Die Briefe an Fanny sind die sentimental-herzzerreißendsten Mama-Zeilen in der Blogosphäre, die ich je gelesen habe. Und auch alle anderen Gefühlsregungen kann Okka in perfekte Worte fassen; als Journalistin und auch als Buchautorin. Vergangene Woche durfte ich auf SLOMO zu Gast sein: Und wie machst Du das? Der Mutterfragebogen.

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Jeder einzelne von Okkas Mütterfragebogen macht die Tür auf zu einer Familie, zu einer Frau, zu einer Mutter und lässt uns hinter die Familienfassade schauen. Dass nicht alles immer so zuckersüß und gold glänzend ist, wie es scheint, wissen wir ja alle. Tut aber trotzdem auch immer wieder gut, das zu lesen und zu sehen. Als ich das erste Mal die Interviews mit unterschiedlichsten Müttern las, war mein erster Gedanke (neben Aaah! und Oooh! und Wow!): „Sowas müsste es auch für Mütter mit Special Needs geben!“ Also für Mütter wie mich – und vielleicht auch Dich, wenn Du das hier liest und ein Kind hast, das nicht als normal gilt. Bei uns potentiert sich der alltägliche Wahnsinn oft ins Vielfache. Da braucht es manchmal einfach nur das Gefühl, dass andere Mütter ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Das fühlt sich dann gleich an wie eine wärmende Hand auf dem Arm oder die Umarmung einer Freundin.

Gesagt – getan.

Dass ich bei Okka zu Besuch war, ist kein Zufall. Ich hatte sie auch eingeladen, ins Kaiserinnenreich. Ich fragte sie, ob ich dem Mutterfragebogen ein zweites Zuhause geben dürfte, ein Zuhause für alle Mütter mit Special Needs (und ihre Freundinnen). Sie sagte zum Glück sofort: Ja! Die Fragen habe ich an die besonderen Herausforderungen von Mamas behinderter Kinder angepasst. Ganz besonders spannend finde ich, dass sich sehr viele Mütter durch ihre beeinträchtigten Kinder professionalisiert haben, entweder beruflich oder ehrenamtlich. Mich interessiert der Karrieknick (der ja schon bei nicht behinderten Kindern oft zu spüren ist) und Wege aus dem Burnout, in dem wir als Special Needs-Mütter ja eigentlich immer mit zumindest einem Bein stehen.

Getreu dem Motto „Zusammen ist man weniger allein“ möchte ich in den kommenden Monaten Mütter vorstellen, die den Alltag mit besonderen Strategien bewältigen (müssen). Wir werden einen Einblick bekommen in das Leben der unterschiedlichsten Familien und – darüber freue ich mich besonders – aus allen Ecken Deutschlands. Was ich in den ersten Interviews erfahren durfte, hat mich sehr bewegt und oft auch inspiriert. Es scheint, als entwickelten wir alle magische Kräfte durch unsere Kinder.

In ein paar Tagen geht`s los mit der ersten Mutter, die ich vorstellen darf. Und ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass sie ein echter Knüller ist. Die danach übrigens auch… und die danach erst! Aaah! Oooh! Wow!

Wer jetzt ruft: Und wo bleibt die Inklusion!? Kommen denn die Mütter von nicht behinderten Kindern gar nicht vor!? Und was ist eigentlich mit den Papas!? Dem kann ich sagen: Locker bleiben. Die „Normalo-Muddis“ sind ja schon recht gut vertreten im Netz. Bei SLOMO, bei der Berlin Mitte Mom, bei Geborgen Wachsen. Jetzt sind wir mal dran, die Special Needs Moms. Die Superheldinnen kommen! (Über die Papas denke ich noch nach. Hihi.)

Also: seid gespannt und freut euch!

Muetter_SpecialNeedsEdition

Das hübsche Bild für meine neue Serie hat übrigens Daniela Paß gezeichnet. Danke!

4 Kommentare zu “Und wie machst du das?

  1. Tolle Idee! Bin gespannt auf die anderen „Nicht-Normalo-Muttis“! Wir haben ja irgendwie alle unsere eigenen Überlebens-Strategien! LG martina

  2. Liebe Mareice,

    ich habe Deine Mutterfragebogenantworten bei Okka gelesen und finde (auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole):
    du machst das ganz grossartig!
    So, erst mal das.

    Und ich freue mich schon so sehr auf Deine Serie, darüber wie es anderen geht und wie die das so machen. Denn auch wenn man weiss, dass es die Special-Needs-Mamas da draussen schon gibt, meistens ist man doch so gefangen in seinem eigenem Mikrokosmos, das alles andere buchstäblich aussen vor bleibt.
    Darum lese ich Dich auch so gerne. Nach wie vor.

    Alles Liebe,
    Kristina

    P.S.: Und nachträglich noch die allerallerallerallerallerherzlichsten Geburtstagswünsche zum 3. Geburtstag von Kaiserin 1!! Richte ihr das aus, ja?
    Drei!! Woooohoooo!!! Hoch die Tassen!!

  3. Sehr sehr tolle Idee.
    Und ich habe gerade erfahren, dass meine Freundin auch teilnimmt. Ich freue mich doppelt riesig auf sie und all die anderen tollen Frauen.

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