Behinderte Momente #2

by Kaiserin

Szenen aus dem Leben mit einem behinderten Kind

Sommer 2012, ein Garten bei Hamburg. Wir feiern den Geburtstag eines Freundes und sind froh, dass unsere Tochter mit dabei ist. Nach vielen Wochen Krankenhaus ein Hauch von Normalität. Kaiserin 1 ist fast ein Jahr alt und liegt lächelnd neben einem anderen Kind auf einer Decke im Gras, die Magensonde hängt ihr aus der Nase.

Viele Freunde sind da, es ist ein fröhliches Fest. Auch die Oma unseres Freundes ist eingeladen, eine freundliche alte Dame. Als sie unsere Tochter sieht, werden ihre Augen groß. Sie stützt die Arme in die Hüften und ruft entsetzt: „Oh Gott! Sowas gibt`s noch!?“

9 Kommentare zu “Behinderte Momente #2

  1. Das ist mir auch schon passiert. Eine Frau steuert unseren Kinderwagen an, lächelt und sagt schon von Weitem: „Ach wie süss. Wen haben wir denn da?“ Sie schaut in den Kinderwagen, sieht meine Tochter mit Sonde im Gesicht, zieht ruckartig den Kopf wieder hoch, sagt: „OH“, dreht sich um und geht. Ich habe daraufhin zu meinem damals 3 jährigen Sohn gesagt: Mucki, halt Dir mal gerade ganz doll die Ohren zu. Und dann habe ich ihr mal hinterhergerufen was ich von so einer Aktion halte.

  2. Guten Abend!
    Mir ist mal, beim Babysitting eines Jungen mit Trisomie 21 vor 8 Jahren in HH gesagt worden
    ‚Sowas muss doch heutzutage nicht mehr sein…da ist die Medizin doch so weit!‘
    Ich hab dem älteren Ehepaar dann konduliert, da sie in der Jetztzeit Leben und aufgrund der rapiden Zunahme von Altersdemenz die Pharmaindustrie immerhin schon daran arbeite, dass man zukünftig nicht mehr alle demenziell erkrankten Menschen vollsedieren würde sondern dann irgendwann eine Verzögerungs- oder gar Heilungsmittel zu erwarten sei…sie aber wohl leider nicht mehr davon profitieren würden….und Ihnen einen guten Tag gewünscht!

    Irrsinn stirbt leider nicht aus!
    Weitermachen und unbequem sein!
    LG aus der Hansestadt*

  3. Also…das macht mich so traurig. Einen Menschen, ein kleines niedliches Baby, als „etwas“ zu bezeichnen, denn genau das impliziert diese Aussage. Gleich nach traurig macht es mich aber auch extrem wütend. Für mich ist diese Situation auch ein Sinnbild für eine Sache, die mich an unserer Gesellschaft schon ganz lange ankotzt: Dass den Schwachen, den Kranken, und all denen, die nicht so funktionieren können wie es dem Kapital nützt – dass denen so oft die Existenzberechtigung, aber mindestens ihr menschlicher Wert abgesprochen wird.

    Das ist eine wertvolle und großartige Arbeit, die Du hier machst, Mareice. Du musst über scheißviel Toleranz verfügen. Schreib bloß weiter, am liebsten auch ein Buch 🙂

  4. … ist uns auch schon öfter „passiert“ 🙁 schon schlimm, dass es sowas (die Ansichten, die zu den Äußerungen der Dame geführt haben mögen) noch gibt.

  5. Ich fasse es nicht…ich überlege gerade was ich gesagt hätte..sicher hätte ich erschrocken geguckt und nix sagen können!
    Vielleicht hätte man sagen sollen „ja,die schöne Decke gibt’s bei Ikea,grad wieder schwer im Kommen!“ ?????????

    Was hätte die Oma als nächstes gesagt?Dass es um 1943 „sowas“ nicht mehr gab?
    Unfassbar!

    • dein Kommentar beginnt mit dem „Irrenhaus“ und endet „1943“ ?!?

      ich vermute schwer, du willst dich über die Oma empören und sicher niemanden diskreditieren;

      dennoch: der Kommentar zeigt einen gänzlich unreflektierten Umgang mit Sprache !

Schreibe einen Kommentar

Erlaubte HTML tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>