Barrierefrei & kinderfreundlich: Wien

by Kaiserin

Die erste Flugreise im Leben von Kaiserin 2 führte uns in eine meiner Lieblingsstädte: Wien. Vor über zehn Jahren habe ich in der österreichischen Haupstadt gelebt – vergangene Woche waren wir dort zur Hochzeit einer Freundin eingeladen. Meine erste Flugreise mit Kind. Für Flugangst blieb mir gar keine Zeit, so sehr war ich mit dem Entertainment meiner kleinen Tochter beschäftigt. Wichtigstes Utensil im Handgepäck: das Aipät. Leider kam es ber gar nicht zum Einsatz: Auf dem Hinflug hatte ich ein dauerbrüllendes Kind auf dem Schoß, das unser Sitznachbar mit einem augenrollenden Jackpot! kommentierte – für den Rückflug hatte ich vergessen, das iPad aufzuladen. Zum Glück begnügte sich Kaiserin 2 mit den Bilderbüchern aus meiner Handtasche. Sie fing beim Wort Flugzeug auch nicht mehr sofort an zu schreien und hielt sich eine Stunde tapfer auf meinem Schoß.

Mit dem Unterschied der zwei Städte im Hinblick auf Barrierefreiheit und Kinderfreundlichkeit wurden wir direkt bei unserer Ankunft in Wien konfrontiert. Während mir in Berlin am Flughafen auf der Suche nach einer Wickelmöglichkeit für meine Tochter niemand helfen konnte – weder Polizei noch der nette Herr von der Flughafenseelsorge – kamen am Wiener Flughafen Service-Mitarbeiter direkt auf uns zu und boten Hilfe an. Während wir in Berlin einen Aufzug suchen mussten, der uns vom Parkdeck zum Gate brachte, fanden wir in Wien Aufzüge an jeder Ecke. Genau dort, wo wir sie brauchten.

Im Zug, der uns vom Wiener Flughafen in die Innenstadt fuhr, hatten wir einen Kinderwagenplatz mit viel Beinfreiheit für mich und Platz für den Wagen von Kaiserin 2. Im Wiener Verkehrsnetz haben alle U-Bahnhöfe mindestens einen Aufzug. Im Gegensatz zu Berlin ist das paradiesisch! Während unseres Aufenthalts war kein einziger Lift defekt – und alle fuhren schnell. In Berlin haben wir schon Züge verpasst, weil die Fahrstühle so langsam fuhren; vor allem am Berliner Hauptbahnhof. Zu Hause in meinem Berliner Kiez muss ich einen Kilometer zum nächsten barrierefreien U-Bahnhof gehen. Der nächstgelegene ist nur über viele Treppenstufen erreichbar. In Wien undenkbar! Die meisten Trams (Straßenbahnen) haben einen Niederflur-Einstieg. Die elektronische Anzeige an den Haltestellen zeigt an, ob der nächste Zug barrierefrei ist oder nicht.

Natürlich war unser Aufenthalt nur eine Stichprobe. Allerdings habe ich mit einigen Wiener Rollstuhlfahrer_innen sprechen können, die meinen Eindruck bestätigten. „Nach Berlin reisen wir erst einmal nicht mehr! Es ist unheimlich anstrengend, sich dort durch die Stadt zu manövrieren, wenn man auf einen Rollstuhl angewisen ist“, erzählte mir ein junges Wiener Ehepaar im Lift. Ganz selbstverständlich wurden uns in allen Verkehrsmitteln Plätze angeboten. In Berlin muss man meistens um einen Sitzplatz bitten – und erntet als Antwort oft ein Augenrollen.

Ein Augenzwinkern gab es für uns im ZOOM Kindermuseum im Museumsquartier auf die Frage nach einer Wickelmöglichkeit: Na klar haben wir die! Eine freundliche Dame führte uns zur Behindertentoilette mit ausklappbarem Wickeltisch. Die Ausstellungen sind alle barrierefrei zugänglich, die Kreativwerkstatt für die Kinder ist rollstuhlgerecht und auf dem Wickeltisch lagen Wickelunterlagen. Selbst das Lokal, in dem wir die Hochzeit meiner Freundin feierten, war komplett barrierefrei. In fünf Tagen Wien sind wir mit dem Kinderwagen an keiner einzigen Stufe gescheitert. Besser geht`s nicht.

Einzige Barriere in Wien ist und bleibt mein Piefke-Deutsch: Aber damit kann ich leben – und meine Töchter auch.

5 Kommentare zu “Barrierefrei & kinderfreundlich: Wien

  1. Toll! Ich bin selber immer wieder erstaunt wie wenig rollstuhlgerecht die meisten Städte sind (und Berlin ist da leider eine echte Katastrophe) und bemerke dies tatsächlich erst seit ich ein kleines Kind habe und mit dem Kinderwagen unterwegs bin (bin kein Rollstuhlfahrer). Da muss leider noch viel passieren, daher @daniela bitte nicht so einen Stuss reden, danke!

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