Behinderte Momente #4

by Kaiserin

Szenen aus dem Leben mit einem behinderten Kind

Heiligabend in der Kirche, ein Gottesdienst mit Krippenspiel.

Fast alle Bänke sind besetzt, nur vorne in der zweiten Reihe ist noch was frei. Eine Frau sitzt allein auf einer Kirchenbank, neben ihr viel Platz. „Darf ich hier mit meinen Töchtern sitzen?“ frage ich sie. „Meine Tochter ist gehbehindert, deshalb müsste ich am Gang sitzen, neben ihrem Kinderwagen.“

Die Frau antwortet entrüstet: „Nein, meine Kinder wollen schließlich auch was sehen!“

17 Kommentare zu “Behinderte Momente #4

  1. ich habe auch eine schwerbehinderte Tochter (Pflegestufe 3…) und leider kenne ich solche Geschichten…. Was für eine schreckliche und demütigende Situation! Um mich zu schützen habe ich mir für solche Unverschämtheiten (die einem ja leider immer wieder begegnen) eine Standardantwort zurecht gelegt: „wie schön, dass Sie sich bester Gesundheit erfreuen sind…. hoffen wir, dass Sie oder Ihre Kinder niemals auf Hilfe anderer angewiesen sind. Ich wünsche Ihnen alles Liebe und Gute.“….. Ok – es hilft vor allem mir, wenn ich nicht sprachlos Gemeinheiten hinnehmen muss… Aber meist erreiche ich , dass die Menschen (auch die drumherum) betreten schweigen 🙂

  2. Schrecklich.
    Unfassbar – sich mit Kindern in die Kirche zu setzen, um mit ihnen zu feiern, dass Gott Mensch wird, und dabei freie Sicht haben wollen statt Mitmenschen.
    Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie ermüdend es für dich sein muss, immer wieder Bedürfnisse zu erklären und auf so ignorante und dumme Personen zu treffen. Das ist ja schon im „ganz normalen Leben“ anstrengend, aber da hat man mehr Energie für Auseinandersetzungen und ist auch gar nicht so auf die Mithilfe anderer angewiesen.
    Ich wünsch euch für 2015 lauter soziale Mitmenschen, viel Schwung und Rückenwind!
    Christine

  3. Weißt du welche Szene ich mir gerade bildlich vorgestellt habe? Einen Fausthieb für dieses „Weib“ Sorry das ist jetzt wirklich bösartig, aber die tickt wohl nicht richtig.

    Ich hätte ihr ein lautes “ und was ist mit Nächstenliebe evt noch, meine Tochter hat eine Behinderung“ entgegengepfeffert. Die hätte sich sicher erschrocken oder geschämt, wenn es Umstehende gehört hätten.

    • ps: das mit der Behinderung hast du ja erwähnt. Die Frau kann sich was schämen, ich hoffe sie kommt mal hier auf diese Seite und liest irgendwann diesen Thread…

      • ps2: mein Mann war jetzt auch schockiert und meinte , er hätte sich nach vorne gestellt und laut gefragt, ob jemand einen Platz anzubieten hätte, bzw er hätte sich auch an den Pfarrer gewandt.
        Ich wette mit dir, die Frau hätte sich in Grund und Boden geschämt.

  4. Ich weiss nicht was überwiegt in diesem moment, meine unbändige wut über solche leute und ihren fehlendes mitgefühl oder der Seelenschmerz der mich erfasst wenn ich daran denke wie du dich fühlen musst in diesem moment. Ich wünsche euch alles gute
    Liebe grüsse aus der schweiz

  5. Ich bin – schockiert! Anders kann ich meine Gefühle über diese Gefühl-losigkeit nicht ausdrücken.
    Da hat wohl jemand den Sinn von Weihnachten nicht wirklich verstanden…
    Ich hoffe doch sehr, dass euer Fest trotz dieses euch „behindernden Moments“ ein wunderschönes war.

    Liebe Grüße
    Simone

    • Liebe Simone, mir stand auch der Mund offen (und das passiert mir nicht oft). Wir hatten trotzdem wunderschöne Weihnachten. Ich hoffe, Du uns Deine Lieben auch. Herzliche Grüße, Mareice

  6. Ach Mensch! Der Geist der Weihnacht ist euch da nicht begegnet.
    Ich kann einfach immer noch nicht verstehen, wie diese Menschen ticken. Ich selbst habe kein Kind, das von einer Behinderung betroffen ist. Aber ich habe über 10 Jahre Ferienfreizeit für Jugendliche und Erwachsene organisiert und geleitet und mehr als einmal hatten wir solche und schlimmere Situationen zu ertragen. Mir fällt kein Trost ein, außer vielleicht, dass diese Menschen im Grunde viel ärmer dran sind.
    Liebe Grüße
    Julia

    • Ja, liebe Friederike. Eine weihnachtliche Pointe gab es leider nicht, auch ich hatte mir das anders gewünscht und bin bis heute ein bißchen fassungslos. Zum Glück gibt`s auch andere Menschen, emphatische, freundliche, nächstenliebende. Herzliche Grüße, Mareice

  7. Immerhin hast du noch einen Platz bekommen … *ironie off*
    Ich wünsch Euch eine schöne, ruhige Zeit zwischen den Jahren und einen guten Start ins kommende Jahr. Schön dass es Euch und deinen Blog gibt.

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