Eitelkeit vs. Ermutigung // Warum ich blogge

by Kaiserin

Vor acht Monaten fing ich an, dieses Blog zu schreiben. Mit der Intention, Geschichten zu erzählen. Geschichten vom Leben als Mutter von zwei Töchtern, eine mit und eine ohne Behinderung. Geschichten von Tagen im Krankenhaus und in der Kita. Von der lebenslangen Pflege eines behinderten Kindes.  Von klitzekleinen Meilensteinen, die die Welt bedeuten. Von Nächten mit einem Pflegedienst und Nachmittagen mit Einzelfallhelfer_innen. Von Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit besonderen Herausforderungen. Von Pränataldiagnostik und Barrieren in den Köpfen. Von neuen Rollenbildern und Geschlechtergerechtigkeit. Von Ansprüchen an Eltern von behinderten und nicht behinderten Kindern, von außen und von innen. Von Perfektionismus und dem wirklichen Leben. Von Inklusion von Anfang an, in der Kita, der Schule, der Freizeit und im Arbeitsleben.

Dass so viele Menschen so gerne meine Geschichten lesen werden, hatte ich nicht zu hoffen gewagt. Fast täglich erreichen mich Mails von Leser_innen mit netten und freundlichen Zeilen. Besonders freue ich mich, wenn meine Texte andere Menschen ermutigen. Wie zum Beispiel eine Leserin, die inspiriert von meinem Blog eine inklusive Elterngruppe gegründet hat. Oder eine Mutter, die von unserer Reise ermutigt wurde, selbst mit ihren zwei Kindern, eines davon behindert, zu verreisen. Trotz aller Ängste.

Am Montag habe ich einen Preis gewonnen mit meinem Blog. Ich wurde zur Blogger-Newcomerin gewählt, bei den Goldenen Bloggern. Unter fast 2.000 Einreichungen landete ich in der Kategorie Newcomer auf dem ersten Platz. Das macht mich stolz, denn in diesem Blog steckt mein Herzblut. Der Preis ist ein Zeichen der Wertschätzung meiner Arbeit, über das ich mich sehr freue. Ich verdiene mit meinem Blog kein Geld und verfolge kein finanzielles Interesse. Mein einziges Interesse  ist es, eine Öffentlichkeit zu schaffen für Special Needs-Familien und unsere Themen: Inklusion, Barrierefreiheit, strukturelle Probleme im Gesundheitssystem und Ethik. Ich stelle gesellschaftliche Fragen und möchte mich zusammen mit meinen Leser_innen auf die Suche nach Antworten machen. Meine Töchtern spielen dabei immer meistens eine Rolle, oft stellen sie selbst die Fragen – dazu müssen sie gar nicht sprechen können. Manchmal haben sie auch gleich die Antwort parat, manchmal sind sie selbst die Antwort. Manchmal finde ich keine Antwort.

Anders, als es ein kritischer Tweet Bezug nehmend auf den Preis formulierte („Wieder ein Markt der Eitelkeiten!„), geht es mir nicht um Eitelkeit mit meinem Blog. Ich will Menschen ermutigen. Zu einem offenen Umgang mit Behinderung. Zu einem offenen Blick auf Barrieren. Zu einer Sicht auf strukturelle Probleme. Dafür nehme ich alle Preise, die ich gewinnen kann, gerne mit – und freue mich nach wie vor am allermeisten über Rückmeldungen von Menschen, die ich mit meinem Kaiserinnenreich ermutigen konnte.

Für alle neuen Leser_innen folgt eine kleine Auswahl meiner Geschichten. Was bisher geschah:

Unsere behinderte Tochter kam zur Welt und wir fragten uns: Wie sagen wir es unseren Freunden?

Kaiserin 1 ist taubblind. Ihre schwerste Behinderung ist jedoch eine chronische Krankheit: Morbus Hirschsprung. Was die mit ihr und uns gemacht hat, erzähle ich in Oh Shit!

Kaiserin 1 hat eine kleine Schwester, Kaiserin 2. Unsere Entscheidung für ein zweites Kind: Doppelt hält besser

Welche Rolle Pränataldiagnostik für uns und andere Familien gespielt hat, habe ich für das Magazin zitty Familie aufgeschrieben: Gene auf der Probe

Ein Kind, das ein Jahr lang nur durch eine Magensonde ernährt werden konnte, relativiert das „Problem“ eines zweiten Kindes, das sehr gern isst und „Wonneproppen“ gennant wird. Über den Irrsinn von Bewertungen von Kinderkörpern habe ich mich aufgeregt: Kinder, Körper, Kommentare

Noch mehr über den Quatsch, Kinder miteinander zu vergleichen: Kurvendiskussion

Über die Tage und Nächte im Krankenhaus mit Kaiserin 1 hat ihr Papa geschrieben, der sich immer wieder die Frage anhören musste „Wann kommt denn eigentlich die Mutter?“: Tage in Krankenhaus-Gelb

Im Alltag mit einem behinderten Kind ist vor allem die elterliche Intuition gefragt – und das schon während der Schwangerschaft: Appell an den Mutterbauch

Wie ich mir unser inklusives Familienleben im Jahr 2025 vorstelle, habe ich für die Aktion Mensch aufgeschrieben: Ein besonders normaler Tag, 2025

Warum ich keine perfekte Mutter bin, habe ich hier aufgeschrieben: Brief einer nicht perfekten Mutter

Und warum ich trotzdem ganz okay bin, hier: Warum ich eine gute Mutter bin

 

 

7 Kommentare zu “Eitelkeit vs. Ermutigung // Warum ich blogge

  1. Mareice, herzlichen Glückwunsch! Du hast es so verdient. Ich lese deinen Blog seit kurzem mit sehr großer Bewunderung für deine Stärke und den Mut mit dem du euer Leben anpackst. Danke für den Einblick in euren besonderen Alltag – es ist für mich eine wahrliche Bereicherung.
    Liebe Grüße & weiter genau so!!
    Ingrid

  2. Liebe Mareice,

    dieser Preis ist sooo richtig und wichtig, wie es dein Blog ist.
    Nicht, weil er irgendwelche Eitelkeiten anspricht oder weil man dann plötzlich ach so „fame“ ist, sondern weil er diese wunderbare Perle der aufrichtigen, ehrlichen und berührenden Mutterliebe, ja der Menschlichkeit einem breiteren Publikum zugänglich macht.
    Weil er hilft andere Menschen in ähnlichen oder vielleicht doch ganz anderen Situationen zu erreichen. Die einen, um sie wissen zu lassen: „Du bist nicht allein.“
    Und die anderen, um Ihnen eventuell einen Blick in eine Welt fernab des eigenen kleinen Tellerrandes zu bieten, zum Zwecke eines etwas lebensnäheres Bildes von Behinderung und einem Leben damit. Und vielleicht hilft es, damit verbundene Klischees wegzuwischen, Berührungsängste zu nehmen und Inklusion eines Tages zu dem zu machen, was sie schon längst sein sollte – alltäglich!

    Danke dafür…

    Herzallerliebste Grüße an dich und dein ganzes Kaiserinnenreich 😀

    Simone

  3. Herzlichen Glückwunsch, liebe Mareice! Dieser Preis ist genau richtig bei dir! Dein Blog ist großartig und auch für mich die Entdeckung des (letzten) Jahres!

    Alles Liebe
    Karo

  4. Glückwunsch Mareice!
    Lass dich von den Sprüchen anderer Leute nicht beeindrucken 🙂 Allein die vielen positive Rückmeldungen zeigen ja, dass du mit dem Blog vielen Menschen hilfst und unterstützt und darauf kommt es ja an 🙂

  5. Liebe Mareice,

    herzlichen Glückwunsch!!!
    Deine Arbeit ist sooooooo wichtig. Du hast alle Preise der Welt verdient. Ich bin noch relativ neu im
    „Behindikindimamimodus“. Meine Kleine ist 10 Monate alt und mit einem seltenen Chromosomenfehler auf die Welt gekommen und ist dadurch schwerstbehindert. Ich habe bereits einen gesunden 10-jährigen Sohn und wurde von der Behinderung meiner Tochter völlig überrascht.
    Dein Blog war und ist für mich wie eine Rettungsinsel. Ich kenne viele Familien, aber keine mit einem so stark behinderten Kind. Deshalb war ich total happy als ich Deinen Block gefunden habe.
    Es hilft ungemein von anderen Leuten zu hören denen es auch so geht. Die Interviewreihe ist super, und ich warte immer sehnsüchtig auf das nächste Interview. Was für tolle Frauen. Dein Block ist für mich so etwas wie Birte für Dich war. Ein erster Kontakt zu einer Welt zu der man plötzlich dazugehört, obwohl man das niemals für möglich gehalten hätte.
    Ich wünsche Dir und deiner Familie alles Gute
    und freue mich auf viele gute Beiträge.

    Ganz liebe Grüße aus Bamberg

    Marion

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