Einer dieser Tage // Teil I

by Kaiserin

Heute ist einer dieser Tage. Er beginnt um 7 Uhr mit der Nachricht des Pflegedienstes auf meiner Mailbox: „Die Krankenschwester, die heute zur Kita-Begleitung eingeteilt ist, hat sich gerade krank gemeldet. Einen Ersatz haben wir bisher leider noch nicht gefunden. Wir suchen weiter.“ 7.15 Uhr, Kaiserin 1 wird wach. 7.20 Uhr, Kaiserin 2 wird wach, zum vierten Mal in dieser Nacht. „Hallo Mama!“ sagt sie. Dann: „Aufstehen!“ Ihr Wunsch, mein Befehl.

7.30 Uhr doppelter Windelwechsel. 7.45 Uhr Anruf in der Kita mit der Frage, in welchem Zeitraum die Integrationserzieherin von Kaiserin 1 heute arbeitet. Die Antwort gefällt mir nicht: 10.30 bis 14 Uhr. Aber immerhin ist sie da. SMS an die Einzelfallhelferin mit der Frage, ob sie Kaiserin 1 schon um 14 Uhr aus der Kita abholen kann. Kurze Zeit später die Antwort: sie kann. Glück gehabt. Trotzdem muss ich das geplante Interview für 10.30 Uhr verschieben. 8.30 Uhr: Mail an Interviewpartnerin, Bitte um Verschiebung. Schnell duschen. Danach drei Nachrichten auf dem Handy.

Nachricht Nummer 1: Bisher noch keine Kita-Begleitung gefunden.
Nachricht Nummer 2: Die Krankenkasse benötigt dringend den Arztbrief mit der Begründung für den Pflegedienst.
Nachricht Nummer 3: Bitte um Rückruf der Apotheke, ein Rezept war fehlerhaft und muss nochmal nachgereicht werden.

9.15 Uhr Telefonat mit dem Kinderarzt, Bitte um neues Rezept. Es kann abgeholt, aber nicht per Post verschickt werden. Warumauchimmer. Kaiserin 2 puzzelt, Kaiserin 1 spielt im Zelt. 9.30 Uhr Frühstück. 9.50 Uhr Antwort der Interviewpartnerin, sie hat heute nur bis 11 Uhr Zeit. Das wird zu knapp, also morgen. 10 Uhr Kaiserin 1 und Kaiserin 2 anziehen, Tasche für Kaiserin 1 packen mit allen Utensilien für die Kita (Sauerstoff, Inhalation, Sondenkost etc.). 10.20 Uhr Auf dem Weg zur Kita, das Telefon klingelt. Die Koordinatorin der Einzelfallhilfe ist am Telefon. Das Jugendamt hat die sechs Betreuungsstunden pro Woche abgelehnt. Ich verspreche, später selbst beim Jugendamt anzurufen und um die Weiterführung der Hilfe zu bitten. 10.20 Uhr Rosinenbrötchen für Kaiserin 2 beim Bäcker neben der Kita kaufen.

10.30 Uhr Ankunft im Kinderladen. Ich erfahre, dass die Kita kommende Woche für drei Tage geschlossen wird, Grippewelle. Auf dem Weg zum Büro telefoniere ich alle Helferinnen durch. Wer kann uns nächste Woche unterstützen, wenigstens ein paar Stunden am Tag? Wir haben Glück, es geht irgendwie. Es wird chaotisch, aber es wird gehen. Zum Glück ist noch etwas von der Verhinderungspflege übrig. 10.50 Uhr Abholung des Rezepts beim Kinderarzt.

11.15 Uhr Ankunft im Büro. Kaffee! Mail vom Hilfsmittelmann: Die Krankenkasse hat den Geschwisterwagen abgelehnt. 11.20 Uhr Widerspruch an die Krankenkasse formulieren. 11.30 Uhr Telefonat mit dem Jugendamt, ich werde einen Antrag über Verlängerung der Einzelfallhilfe stellen müssen. 11.40 Uhr Telefonklingeln, der Pflegedienst. Für heute konnte keine Kita-Begleitung gefunden werden und nächste Woche fällt ein Nachtdienst aus. Sie bemühen sich aber, doch noch jemanden für die Nacht zu finden. Wir werden noch mehrmals telefonieren an diesem Tag. 11.50 Uhr Bitte um Formular für Verhinderungspflege per Mail an die Krankenkasse schicken. 11:55 Uhr SMS der Physiotherapeutin, sie ist krank, der Termin am Montag fällt aus. 11:58 Mail an die Helferinnen für die Tage ohne Kita, Zeitplan aufstellen und abschicken.

12.00 Uhr Arbeitsbeginn.

Foto 3
Noch mehr Blablabla.

16 Kommentare zu “Einer dieser Tage // Teil I

  1. Wow, was du bewältigst ist einfach der Wahnsinn…ich fühle mit dir. Und werde mir beim nächsten Mal, wenn mir der Alltag mal wieder droht, komplett aus der Schiene zu laufen, den Bericht noch mal aufrufen…Viel Glück und Kraft auf dem Weg und bei allen Anträgen!! Lg, Anne

  2. Liebe Mareice,
    das gleicht ja einem Marathon und passt doch alles in einen Vormittag – Wahnsinn! Ich bewundere dich für dein Organisationstalent und wünsche dir viel Erfolg und Durchhaltevermögen beim Bürokratiewahnsinn!
    Und ich danke dir fürs Augen öffnen. Du erdest mich in meinem eigenen Wahnsinn.
    Alles Liebe für euch
    Sternie

  3. Es ist wirklich bewundernswert mit welcher Ruhe du das schreibst. Und danke, dass du die Menschen, die gesunde Kinder haben mit deinen Berichten aufrüttelst. Du bringst mich immer wieder auf den Boden zurück, wenn ich mich über Kleinigkeiten des Alltags aufrege. Ich schäme mich dann immer dafür…

    Ich wünsche ganz viel Kraft und Liebe für eure Familie!

  4. Also … wenn dann der Daumen auf dem Bild auch noch Deiner ist … er ist lackiert! Respekt!
    Meiner wäre wahrscheinlich lediglich abgefressen …

    Liebe Grüße
    Rike

  5. :/ Danke, dass Du das aufgeschrieben hast. Ich habe heute Vormittag auch wieder nur solchen Orgakram gehabt.

    Ich finde ganz gut, dass anderes Sehen als zentrale Forderung eine Verringerung der bürokratischen Belastung fordert. Damit darf natürlich keine Entmündigung gemeint sein. Allein, dass fast jeder Antrag per Definition abgelehnt wird, weil wir nun mal „aus allen Rahmen fallen“, ist ein Elend. Dir auf jeden Fall: Danke!

  6. Riesenseufz. Solche Tage kenne ich… Wenn ich das bei dir hier lese, wird mir mal wieder klar, was man als SpecialNeedsMom alles so bewältigt im „Alltag“. Ich möchte dir Durchhalteparolen zurufen, meinen Respekt, meine Anerkennung ausdrücken, dir danken für das Gefühl, nicht allein zu sein, weil du die Worte findest für diese Art von Leben, mit aller Freude über diese tollen Kinder. Ich wünsche dir sehr bald wieder stabilere Zeiten!
    Herzlichst, Frauke

    • Danke, Frauke! Eigentlich sind die Zeiten sogar recht stabil – immerhin ist Kaiserin 1 nicht im Krankenhaus, sondern zu Hause! Da gab es ganz andere Zeiten…
      Herzliche Grüße zum Wochenende, Mareice

  7. Es klingt vielleicht etwas albern, aber wär es nicht eine Idee, eine Powerpo*nt-Präsentation zu erstellen, in der die FAQ-Fragen anschaulich abgearbeitet werden. Dann könnte man sich vielleicht sparen den Mund fusslig zu reden und womöglich sogar etwas mehr Verständnis finden. Am besten auf einer Website mit kurzer URL zum Diktieren.

    Das klingt vielleicht unpersönlich, aber Leute in Ämtern sind es gewohnt, mit Powerpo*nt geschult zu werden, womöglich hilfts.

    • Die Idee finde ich gar nicht albern. Wir arbeiten schon länger an einem „Ich-Buch“ für unsere Tochter, in der viele FAQs rund um sie beantwortet werden. Allerdings löst dieses Buch ja nicht die viele Bürokratie und den immensen Organisationsaufwand…
      Viele Grüße, Mareice

  8. Herrlich, genauso isses. Hast du die 2 stunden bis 14 uhr dann wenigstens durchziehen können!? Irgendwann muss man ja auch Mittagessen…. LG von Martina, der es an manchen Tagen ähnlich geht!

    • Liebe Martina, zum Glück konnte ja die Einzelfallhelferin einspringen. Das sind dann immer meine „langen“ Tage, an denen ich bis 17 Uhr arbeiten darf. Grüße aus der Mittagspause 🙂 , Mareice

    • Liebe Sara, ja stimmt, wir sind so angewiesen auf diese Hilfe von außen. Wenn alles funktioniert, ist es wunderbar. Aber wenn ein Zahnrädchen im System schlapp macht… Seufz. Und natürlich ist das immer so, wenn man mit Menschen arbeitet. Darüber will ich mich auch gar nicht beschweren. Beschweren will ich mich nur über diesen Wust an Bürokratie und über die vielen (sinnlosen) Kämpfe, die es zu kämpfen gilt. Liebe Grüße, Mareice

  9. Ach Mensch! Und das wo doch das Wochenende vor der Tür steht. Ich wünsche Dir viel viel Kraft. Du schaffst das!!

    Wir hatten bisher einen mittel guten Vormittag in der KiTa, ein eher mieses Mittagessen mit heftigen verschlucken (Gott sei Dank ohne Komplikationen) und nun endlich was essen.

    Es kann nur besser werden! Auf jeden Fall wird das Wetter besser.

    LG
    Tina

    PS: bisher war Frau W. vom Jugendamt doch so super?! Zu mindest bei uns. Ich drücke die Daumen, dass die Genehmigungen gelingen, vor allem bei der KK!

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