„Ich musste immer stark sein“

by Kaiserin

Kaiserin 2 ist noch nicht wirklich klar, dass ihre große Schwester behindert ist und was das überhaupt bedeutet. Wenn sie tanzt, soll ihre Schwester auch mittanzen. Dass sie gehbehindert ist und nicht einfach aufstehen kann, ist ihr nicht bewusst. Wir helfen Kaiserin 1 und dann tanzen beide zusammen. So einfach ist das. Beim Abendessen ruft Kaiserin 2 ihre große Schwester: „Abendbroooooot!“ – egal, ob ihre gehörlose Schwester das hören kann oder nicht.

Wir bemühen uns um Normalität – was auch immer das bedeutet. Der Alltag ist, je älter Kaiserin 1 wird, immer weniger Ausnahmezustand. Wir als Eltern versuchen, unsere Zeit gerecht unter beiden Töchtern aufzuteilen. Und doch wird Kaiserin 2 schon früh mit Themen konfrontiert, mit denen andere Kinder nichts zu tun haben: Krankenhausaufenthalte, Pfleger_innen, Therapien ihrer Schwester. Die Angst um das Leben ihrer großen Schwester, in den ersten zwei Lebensjahren von Kaiserin 1 omnipräsent, hat uns geprägt. Wir sind uns der Gefahren und auch der Chancen dieser besonderen Geschwisterbeziehung bewusst.

 

Das Radio-Feature „Ich musste immer stark sein“ erzählt von besonderen Geschwisterbeziehungen – von Kindern und von Erwachsenen. Auch Gesa Borek, die kürzlich im Kaiserinnenreich zu Gast war, kommt zu Wort. Sie erzählt, wie ihre vier Söhne mit und ohne Behinderung miteinander umgehen und wie sie versucht, einige Dinge im Umgang mit ihrem kleinsten Sohn besser zu machen.

Auch bei jetzt.de berichten Geschwisterkinder von ihren Erfahrungen: Die Kinder aus der zweiten Reihe

Um den Erfahrungsaustausch zwischen erwachsenen Geschwistern behinderter Menschen geht es auf der Seite Erwachsene Geschwister.

Meine Eltern haben hohe Ansprüche, an sich, an die Kinder. Und dann wird nach meiner Schwester und mir ein krankes Kind geboren. Von klein auf hatte ich das Gefühl, etwas Besonderes leisten zu müssen, denn der Platz für das Nicht-Leisten war durch die Nane besetzt. Ich sehe mich noch, wie ich Hausaufgaben mache und nicht weiß, ob man nämlich mit h schreibt. Aber ich habe meine Mutter nicht gefragt, weil ich wusste, dafür ist kein Platz – die Nane hatte eh gerade wieder einen starken Anfall gehabt. Cathrine Stukhard ist mit ihrer behinderten Schwester Nane aufgewachsen und hat für das Süddeutsche Magazin darüber geschrieben: Dann hatte sie wieder einen Anfall

2 Kommentare zu “„Ich musste immer stark sein“

  1. Mein bruder ist auch einer dieser „supersonderspezial-menschen“, der den ärzten rätsel aufgibt, und ich bin schon mein leben lang „die kleine schwester von dem mit dem helm“ (beliebig ersetzbar durch epilieptiker, behinderten, komischen…) und habe kein problem (mehr) damit…
    Mein bruder hat epilepsie und sitzt mittlerweile nach einer hirnblutung im rollstuhl und wird mit inkontinenzmaterial versorgt. Wir sind froh, dass es ihm wieder halbwegs gut geht. Anfangs sahs nicht so aus. Auf 8 wochen künstliches koma folgten weitere 4 wochen in denen er einfach nicht aufgewacht ist, obwohl er nicht mehr narkotisiert war. Das ganze wurde begleitet von lungenentzündung, peg-sonde,luftröhrenschnitt und weiteren unangenehmen dingen, die kein mensch braucht.
    Trotz alledem ist er wieder da und hinterlässt durch sein wesen spuren in den herzen der menschen denen er begegnet. ich bin stolz auf ihn. Stolz darauf wie er rückschläge hinnimmt und immer wieder aufsteht. Stolz darauf „die schwester von…“ zu sein.
    natürlich gabs phasen, in denen ich die blicke der Leute kaum ausgehalten habe- manche sind ja wirklich nicht ohne. (Hallo?! Mitten in der pubertät und die Leute starren und tuscheln? No thanks!)
    Aber im großen und ganzen habe ich einen wundervollen, liebevollen, aufmerksamen großen bruder, der immer für mich da war. Ich bin dankbar dafür ihn zu haben.
    Wir lachen, streiten, reden… und ich kann mich an nur wenige situationen erinnern in denen ich mich benachteiligt gefühlt habe.
    Es war halt so und jetzt ist es immer noch so. Ich kenns nicht anders! Ich musste nicht immer stark sein, fühle mich nicht als kind aus der 2. Reihe….
    Macht euch nicht zu viele gedanken-euer kind kennt es auch nicht anders… geschwisterliebe ist nichts das sich von außen steuern lässt.
    Ich schick euch ganz viel kraft!

    P.s.: für mich war es als kind enorm wichtig, das zu hause meiner besten freundin als „fluchtwinkel“ zu haben, falls mir der trubel doch mal zu groß wurde.

  2. Liebe Mareice,
    puh, das Geschwisterthema ist oft das schwerste für mich. Ich mach es ja als Schwester meiner behinderten Schwester und als Mutter meiner beiden Söhne „reloaded“. Und möchte für meinen Sohn alles alles besser machen als meine Mutter. Und mach es so verdammt ähnlich. (das fällt einem ja mit der Zeit eh auf, auch ohne alle Behinderung). Es ist oft zum heulen. Und hat doch auch wieder was.
    …. Liebe Grüße Antje

Schreibe einen Kommentar

Erlaubte HTML tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>