Meine re:publica // #rp15

by Kaiserin

Im Jahr 2014 habe ich dieses Blog gegründet. Gleichzeitig war ich das erste Mal auf einer Konferenz offiziell als Bloggerin unterwegs, nämlich bei der re:publica. Ich erinnere mich noch an den Moment, als ich vor dem Eingang in der Schlange stand und von einer Frau angesprochen wurde, warum ich denn dort sei. Ich wurde rot und berichtete unsicher von meinem Blog, der gerade erst ein paar Wochen alt war. Glücklicherweise war sie selbst (Familien-)Bloggerin und gleich begeistert.

In diesem Jahr war ich wieder bei der re:publica, dieses Mal als Speakerin. Die Überraschung war groß, als Raúl Aguayo-Krauthausen und ich die E-Mail mit dem Betreff „You`re in“ bekamen – und die Aufregung auch! Wir legten also los und begaben uns auf die Suche nach Menschen, die im Internet für Inklusion kämpfen. Passend zum Europa-Thema der re:publica schauten wir über den deutschsprachigen Tellerrand und fanden über 200 Menschen, Projekte und Initiativen. Fünf davon wählten wir aus, um sie in unserer Session vorzustellen. Während die konzeptionelle Vorbereitung reibungslos lief, sah das mit der organisatorischen anders aus. Natürlich wollten wir eine inklusive Session, in der uns jeder Mensch verstehen kann. Doch eine Gebärdensprachdolmetschung zu organisieren, stellte sich ebenso kompliziert heraus, wie eine Kinderbetreuung für ein digitales Festival mit über 6.000 Teilnehmer_innen zu organisieren.

Auch in diesem Jahr betrat ich die digitale Konferenz mit wackligen Beinen, dieses Mal vor Aufregung – glücklich darüber, dass wir schon am ersten Veranstaltungstag auf dem Programm standen. An die Stunden vor unserer Session erinnere ich mich gar nicht mehr. Plötzlich standen Raúl und ich auf der Bühne. Meine Befürchtung, meinen Namen nicht mehr zu wissen, bestätigte sich zum Glück nicht. Es lief – und hat Spaß gemacht! Im Publikum entdeckte ich nach und nach immer mehr bekannte und wohlgesonnene Gesichter. Auf Twitter wurde fleißig zu unserem Hashtag #findinginclusion getwittert. Meine persönliche Lieblingsdefinition von Inklusion – „Ein gutes Leben für alle“ – sah ich später bei Twitter, auf Instagram und in den wunderbaren Sketchnotes von Nadine Roßa. Und nicht nur digital wurde diskutiert, sondern auch im Anschluss an unsere Session. Wie schön! (Hier gibt`s alles nochmal zum anschauen und hier zum anhören. Alle Aktivist_innen mit ihren inklusiven Projekten gibt`s auf unserem Blog findinginclusion.eu )

sketchnotes_findinginclusion

Unsere Session als Zeichnung. Danke, @nadrosia!

Es folgten viele tolle Begegnungen. Neben meinen Mamablog-Homies Susanne von Geborgen Wachsen und A-Lu von Große Köpfe konnte ich endlich Carola von Frische Brise drücken – und ihr Kleid bewundern. Bewundert habe ich auch die herzhafte Lache von Christiane Link, die den tollen Blog Stufenlos schreibt. In ihrem aktuellsten Artikel erklärt sie, wie man eigentlich Veranstaltungen barrierefrei organisiert. Bei der re:publica klappt das schon ganz gut, wobei es natürlich wie überall Verbesserungsbedarf gibt (zum Beispiel was die Barrierefreiheit für gehörlose Menschen angeht und die Kinderbetreuung). Für ein inspirierendes Gespräch im Anschluss an unsere Session bedanke ich mich bei Katja de Braganca, der Geschäftsführerin des tollen Projekts Ohrenkuss – einem Magazin, das von Menschen mit Down-Syndrom gemacht wird.

Zum Lachen und Weinen (vor Rührung!) gebracht hat mich ein ganz besonderes Speakerinnen-Paar: Ilse Mohr sprach gemeinsam mit ihrer Tochter Carline darüber, wie sie das Internet erobert hat. In kürzester Zeit eroberten beide das Publikum: Vom Silversurfer zum Silvernerd. Mit ihrem Thema Familie 2.0 waren beide die perfekte Fortsetzung der Diskussionsrunde „Wie privat ist zu privat?“, in der Familienblogger_innen über ihre Privatsphäre und vor allem die ihrer Kindern diskutierten.

Nachhaltig beeindruckt und nachdenklich gemacht hat mich Anne Wizorek mit ihrem Talk zur Meinungsfreiheit – in dem sie einen Link zu unserem Finding Inclusion-Projekt versteckt hatte. Eine Überraschung, die mich gerührt hat. Eine andere Überraschung war der Talk von der großartigen Journelle: Fremd gehen immer nur die anderen –Liebe und Beziehungen in Zeiten der Digitalität. So laut gelacht hab ich nur bei ihr! Begeistert haben mich außerdem Ninia LaGrande und Kathrin Kaufmann, die in ihrer Session Empowerment by Fashion viele coole Frauen vorgestellt haben, die digital ihren Stil zeigen.

Neben den Talks auf der Bühne gab es auch viele andere, persönliche Gespräche. Im Hof, im Relax-Raum, überall. Ich bin immer noch der größte Fan des Internets, wenn diese Internetmenschen plötzlich vor mir stehen und die Kommunikation genau so großartig offline wie online ist. Und so saß ich mit der Autorin Elisabeth Rank vor der Bühne, während darauf meine Freundin Anastasia Umrik von ihrem Projekt anderStark erzählte. Elisabeth hat übrigens einen großartigen Text geschrieben, ihr Besuch auf der re:publica hat sie dazu inspiriert: So einen Mensch hat jeder. Mit Anastasia vergaß ich wenig später die Zeit – und verpasste so zwei Sessions, die ich mir markiert hatte. Aber auch das gehört für mich zu dieser digitalen Konferenz, dass die persönliche Kommunikation einfach manchmal entscheidender und wichtiger ist als alles, was auf den vielen Bühnen stattfindet.

FullSizeRender

Anastasia Umrik und ich, kurz vor Füßeln.

Und dann, als ich schon auskommuniziert war und fast keine Worte mehr hatte oder aufnehmen konnte, düste ich auf dem Fahrrad noch schnell zur Blogfamilia, einer kleinen Konferenz, die Familienblogger_innen zusammen brachte. Die Unzufriedenheit über die fehlende Kinderbetreuung bei der re:publica setzten Susanne Mierau und Anne-Lu Kitzerow in Taten um und organisierten kurzerhand die Blogfamilia. Toll, wenn so eine tolle Veranstaltung dabei herauskommen!

Vielen Dank für all die Ermutigungen vor unserer Session und für drei Tage Input, Output, digitale Kommunikation und persönliche Begegnungen.

Ein Kommentar zu “Meine re:publica // #rp15

Schreibe einen Kommentar

Erlaubte HTML tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>