#WasAndersWäre

by Kaiserin

Was wäre, wenn…? ist eine Frage, die ich mir selten stelle. Denn sie führt ja nicht wirklich zu etwas. Ich bin eher pragmatisch: Es ist, wie es ist. Oder?
So ein Gedankenspiel kann natürlich auch spannend sein, Gedankensteine ins Rollen bringen, Perspektiven verrücken, neue Horizonte eröffnen. Almut und Sascha vom Blog Ich mach mir die Welt wagen ein solches Gedankenspiel. Sie stellen sechs Fragen zum Nachdenken über Geschlechterklischees, die ich gern beantwortet habe. Vielen Dank für diese tolle Möglichkeit des öffentlichen Denkens.

Was wäre anders in deinem Leben, in deinem Alltag, wenn du ein Mann wärst?
Ich würde bewundert werden. Ein Mann mit zwei Kindern, der nicht nur bloggt und als Journalist arbeitet, sondern auch noch die Familienorganisation, die Bürokratie und den Haushalt wuppt und sich auch noch um die Kinder kümmert. Wow! Hier ist sie, die neue Vätergeneration! Und dann auch noch mit einem behinderten Kind… Die Frauen würden mir zu Füßen liegen.
Außerdem würde ich vermutlich auch als Mann sehr gern essen – und es wäre gesellschaftlich akzeptiert.

Was tust du nur deshalb, weil du eine Frau bist?
Mich für das Seelenheil meiner Töchter verantwortlich fühlen.
Außerdem käme ich als Mann vermutlich eher nicht auf die Idee, meine Finger- und Fußnägel zu lackieren, Kleider, Röcke und Lippenstift zu tragen.

Was tust du nicht/welche Dinge lässt du lieber, weil du eine Frau bist?
Wenig. Tatsächlich fühle ich mich aber auch oft nicht als klassische Frau. Ich war schon immer die Größte von allen, ein kräftiges Mädchen, das eher für Smartness und Humor statt für die nicht vorhandene Lücke zwischen ihren Oberschenkeln Bestätigung bekam. Bis heute besiege ich manche Männer im Beinedrücken (jahrelang trainiert an meinen älteren Brüdern) und fühle mich einigen Männern körperlich überlegen – oder zumindest auf Augenhöhe mit ihnen. Das hört aber natürlich nachts auf der Straße, allein, verfolgt von einer betrunkenen Männerhorde, auf.

Durch welches Klischee fühlst du dich persönlich beeinträchtigt?
Ganz klar das Mutterklischee. Ich bin sehr gerne Mutter, aber eben auch noch der gleiche Mensch, der ich war, bevor ich Mutter wurde. Mit Begeisterung für meine Arbeit, mit Liebe für Kultur und Musik, mit einem Bedürfnis nach Austausch und Alleinsein. Wann kommt denn endlich die Mutti? kann und mag ich einfach nicht mehr hören. Schließlich gibt es einen “Papi” – und der ist mindestens so gut wie ich. Warum sind Mütter plötzlich nur noch Mütter, während Väter weiter Männer bleiben dürfen?

Erzähle von einer Situation, in der du bemerkt hast, dass es von Vorteil ist, zur Gruppe der Frauen zu gehören.
Im Umgang mit Sexualität und Körpern sind Frauen offener miteinander als Männer. Ich kenne keine heterosexuellen männlichen Freunde, die über ihre Penisse miteinander sprechen oder über ihren ersten Samenerguss. Freundinnen über ihre Brüste und ihre Menstruation aber sehr wohl. Spätestens nach den Geburten meiner Kinder habe ich diese Offenheit sehr zu schätzen gelernt. Hämorrhoiden und Analthrombosen tun einfach weniger weh, wenn man die Leidensgeschichte teilen kann. (O-Ton des Proktologen: „90 Prozent meiner Patient_innen sind junge Mütter kurz nach der Geburt ihres Kindes. Da spricht nur niemand drüber“.)
Ich funktioniere über Kommunikation und bin froh darüber, dass mir diese Art der Bewältigungsstrategie als Frau erlaubt wird. Für mich gibt es wenig Tabus: Sexualität, Tod, Krankheiten – bitte alles einmal auseinander nehmen und wieder zusammen friemeln. Damit geht`s mir gut.

Gibt es Situationen, in denen das Geschlecht keine Rolle spielt?
In der Kita meiner Töchter spielt das Geschlecht der Kinder keine Rolle, dafür bin ich sehr dankbar. Die Kinder sind dort nicht Mädchen oder Jungen, sie sind einfach Kinder.

 

6 Kommentare zu “#WasAndersWäre

  1. „Was tust du nur deshalb, weil du eine Frau bist?
    Mich für das Seelenheil meiner Töchter verantwortlich fühlen.“

    Du meinst als Vater in gleicher Situation wäre dir das Seelenheil deiner Töchter nicht wichtig?
    Das ist aber eine sehr negative Einstellung

  2. Pingback: 6 persönliche Fragen zum Thema Geschlechterrollen | Die Rosa-Hellblau-Falle

  3. Nagellack … da isser wieder … und wenn man Männern mit einem Fläschchen zu nahe kommt, und wenn es auch nur schwarzer Nagellack ist … dann brennt der Busch!

    Trotzdem: Wenn ich Du wäre, wäre ich lieber ich.
    Das ist glaube ich ein Satz, den jeder, der nicht unbedingt im falschen Körper geboren ist, doch über sich selbst sagen würde, oder?

    Und wir würden uns auch immer wieder die gleichen Kinder aussuchen … auch wenn sie nur 5 Tage zu leben hätten …

    So sind wir halt … wir Mütter.

    Danke fürs Denkanstoßen

    Rike

    • Sehr gerne, liebe Almut! Es arbeitet auch noch weiter in mir – mir fallen immer noch mehr/differenziertere Antworten ein. Aber ich wollte es jetzt vor allem mal online stellen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
      Toll, dass Ihr so ein Gedankenkarrussell in Gang gesetzt habt! Liebe Grüße, Mareice

  4. Liebe Mareice,

    das mit dem „bewundert werden“ liegt mir auch manchmal etwas quer. In unserer Tageszeitung war mal ein halbseitiger Artikel über einen Plätzchen backenden Vater. Wow, was für ein toller Typ!
    Über mich hätten sie nicht geschrieben: Ist ja auch total öde, eine Frau bleibt für ihre Kinder erst mal zu Hause und dann backt sie auch noch ganz old fashioned Plätzchen. Nee, das will doch niemand lesen.

    Amüsierte Grüße,

    Steffi

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