Gastbeitrag:
Gedanken-Galopp

by Kaiserin

Manchmal, wenn mich ihre Besserwisserei, ihre Ignoranz und Selbstgefälligkeit oder ihr klebriges Mitleid wirklich richtig wütend machen, dann wünsche ich ihnen ein schwer mehrfach behindertes Kind an den Hals. Nur mal so, für einen kurzen Moment. Für einen Tag vielleicht, eine Woche oder auch ein halbes Jahr. Weiterlesen

Und wie machst du das, Karoline?

by Kaiserin

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Als wir uns kennenlernten, verband Karoline und mich vor allem, dass wir beide keine Diagnose für unsere behinderten Kinder hatten. Keinen Namen, den man bei Google eingeben konnte, keine Suchergebnisse. Ebenso fehlte uns eine Prognose.

Mittlerweile gibt es für die Behinderung ihres Sohnes einen Namen. Karoline sagt, seitdem ist alles leichter geworden. Ich freue mich sehr, dass sie heute von ihrem Weg erzählt. Weiterlesen

Wer darf wie leben?
Fragen zur Pränataldiagnostik

by Kaiserin

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Das ungeborene Kind ist im Bauch der Mutter gut geschützt. Wir können es nicht sehen, aber ab Mitte der Schwangerschaft durch die Bauchdecke fühlen. Per Ultraschall ist es Ärzt_innen heute möglich, das ungeborene Kind zu untersuchen. Mit Methoden der Pränataldiagnostik kann genetisches Material entnommen und entschlüsselt werden. Mittlerweile reicht ein Tropfen Blut der Mutter, um Informationen über das Kind zu bekommen – auch, welches Geschlecht es haben wird.

Das Ziel aller Untersuchungen und Tests: Ein gesundes, nicht behindertes Kind. Doch nicht allen Kindern wird das prognostiziert. Bei auffälligen Diagnosen müssen sich die werdenden Eltern entweder für das Kind oder für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. Und auch wenn das ungeborene Kind das vermeintlich falsche Geschlecht hat, ist in der Schweiz ein Schwangerschaftsabbruch möglich. Nun soll ein neuer Gesetzesartikel eine Geschlechterselektion vermeiden. Werdende Eltern sollen erst nach den ersten zwölf Schwangerschaftswochen erfahren, welches Geschlecht ihr Kind haben wird. In den ersten zwölf Wochen ist ein Schwangerschaftsabbruch in der Schweiz bedingungslos straffrei.*

„Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass eine Frau mit drei Knaben zum vierten Mal ungeplant schwanger wird und sich sagt: «Wenn es ein Mädchen würde, würde ich austragen. Aber einen vierten Knaben will ich auf keinen Fall.» Dies ist für mich ein akzeptabler Grund für einen Schwangerschaftsabbruch“, meint Anne-Marie Rey, eine Schweizer Politikerin und Mutter von drei Kindern. Die Schweizer Zeitung Tagesanzeiger druckte vergangene Woche ein Streitgespräch zwischen ihr und Pascale Bruderer ab. Bruderer ist ebenfalls Politikerin in der Schweiz und Mutter von zwei Kindern. Sie sagt: „Geschlechterselektion ist keine Nebensächlichkeit, sondern eine Menschenrechtsverletzung, wie dies übrigens auch die Pekingdeklaration der Frauen-Weltkonferenz 1995 festhält.“ Weiterlesen

Die kaiserliche Woche // KW 30

by Kaiserin

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Sonne und Wolken wechseln sich am Himmel ab. Die Tage sind gefüllt mit Arbeit und Kindern. Es ist irgendwie Sommer und alle Dinge beginnen mit dem gleichen Buchstaben: Schwimmbad, Schließzeit, Spielplatz, Sonnenbrand, Spaziergänge, Softeis.

Der tolle Björn Kuhligk hat seine Sommerbeobachtungen aufgeschrieben: Am Beckenrand dieses Sommers

„Du hast die Augen zu und treibst auf deiner Luftmatratze, ein sanfter Wind weht, und du denkst, geil, jetzt lebe ich für den Rest meines Lebens hier in dieser Lagune, in der Südsee. Und dann machst du die Augen auf und merkst, es ist bloß ein Nachmittag am Baggersee, und zack ist der auch schon vorbei.” Okka Rohd schreibt über das Lesen und ihr neues Lieblingsbuch: Knickbücher und das Auerhaus

Wie spielen eigentlich behinderte Kinder und mit was? Ella hat ihre Erfahrungen und Tipps von anderen Eltern zusammengefasst: Spielzeug für Kinder mit Behinderung Weiterlesen

Die kaiserliche Woche // KW 29

by Kaiserin

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Familie ist, wo Kinder sind. Lisa Reimann schreibt auf Inklusionsfakten.de über inklusive Pädagogik und wie sie gelingen kann, die Teilhabe von Anfang an. Kinder. Familie. Inklusion. Vielfalt sichtbar machen

„Ich bin bereit, Robin noch ein paar Jahre zuhause zu behalten. Aber damit mir nicht die Kräfte schwinden, brauche ich zwischendurch mehr Entlastung.“ Anett Haubold ist Robins Mutter und pflegt ihren mehrfach behinderten Sohn seit dreizehn Jahren. Über die Schwierigkeiten, ein paar Tage im Jahr Entlastung vom Pflegealltag zu bekommen, berichtet ein Artikel auf dem Blog von Aktion Mensch: Spontan geht gar nichts

New York von unten fand ich schon ziemlich aufregend. Der Fotograf Navid Baraty zeigt in seiner Serie Intersection große Städte von oben. Wow. Über den Dächern von New York

Und dann gibt es natürlich auch noch die Leute, die gar kein Internet haben und denen man Postkarten schreiben muss. Snapchat, WhatsApp, iMessage, Facebook, Skype, E-Mails, Telefonate – die Liste der Kommunikationskanäle ist unendlich. Antje Schrupp erweitert ihr Adressbuch durch die Zeile: „erfolgsversprechendster Kommunikationskanal“: Über welchen Kanal hätten Sie`s denn gern?

Ich haue nicht jedes Wochenende auf den Putz. Aber wenn schon, denke ich beim Abschied von meinen Kindern, denn schon! NIDO-Redakteur_innen haben Antworten auf die Frage: Habe ich mich verändert?

Eine merkwürdige Symmetrie, denke ich, wie ich da am Abendbrottisch mit der Freundin und ihrer Tochter sitze: wie wir am Anfang des Lebens lernen, selbst zu essen, und es dann am Ende des Lebens wieder entlernen. Ein schöner Text über das Leben. Beim Abendbrot Weiterlesen

ELTERN-Interview

by Kaiserin

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Für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift ELTERN traf ich – gemeinsam mit meiner Freundin Maren Stöver – die Journalistin Nina Berendonk zum Interview. Wir spazierten durch meinen Berliner Kiez, tranken Kaffee, fütterten mit unseren Croissants unabsichtlich die Spatzen und unterhielten uns dabei über das Tabuthema Behinderung, lackierte Fingernägel, Mut und das „Familienleben mit einer Schippe drauf“. Weiterlesen

Die kaiserliche Woche // KW 28

by Kaiserin

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Wenigstens er hat was gesagt. Ein Video hat diese Woche für einen Kloß in meinem Hals gesorgt. Es handelt von Vorurteilen und welche Begegnungen wir verpassen, weil wir nicht sprechen. Entstanden ist der Film auf Grundlage des großartigen Textes der Poetry-Slammerin Anke Fuchs: Was wisst ihr denn eigentlich schon davon?

Einsamkeit ist schlimmer, als gestorben zu sein. Sibylle Berg hat über das traurigste aller Gefühle geschrieben. Was am Ende zählt

Heval kann alles werden, was sie will, wenn sie es will. Könnte alles werden. Vielleicht. Wenn sie Glück hat. Karl Grünberg war Praktikant in zwei Kitas in Berlin und hat dort miterlebt, wie früh Chancen verteilt werden. Ene, mene, muh, und raus bist du

Wir sind ständig auf der Suche, denk ich mir. Nach Sicherheit, Gewissheit, Kalkulierbarkeit. Wer weiß, was wir uns durch diese Suche nehmen. Barbara Kaufmann begegnet der Mutter eines behinderten Kindes. Durchgekämpft

„Gehen Behinderte auch schwimmen?“ Auf dem tollen Blog KrachBumm sind gerade Inklusionswochen. Ein Interview über den perfekten Urlaub mit einem behinderten Kind mit mir ist bereits erschienen, viele weitere tolle Artikel gibt es den ganzen Juli über (und danach auch!). Gehen Behinderte auch schwimmen?

Die ätherische Stimme, die so zart flüstert höre ich immer und immer wieder. Die gute stepanini ist Schuld, dass ich mich in eine alte Liebe neu verliebt habe. Angus & Julia Stone Weiterlesen

Und wie machst du das, Christine?

by Kaiserin

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Oft sind es nicht die Behinderungen der Kinder, die das Familienleben zu einer Herausforderung werden lassen, sondern die Reaktionen und die Haltung anderer Menschen. Christine hat das genau so erleben müssen. Sie arbeitet in Hamburg als Lehrerin und ist Mutter von zwei Kindern. Während sie noch die Diagnose „Muskelschwund“ ihrer kleinen Tochter verarbeiten musste, kündigte die Kita den Platz für ihre Tochter. Begründung: Sie sei in einer anderen Einrichtung besser aufgehoben. „Diese Erfahrung war für uns der eigentliche Schock der ganzen Geschichte“, erzählt Christine heute im Mütterfragebogen. Weiterlesen

Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab?

by Kaiserin

„Maraite, is hab dis lieb!“ ruft Kaiserin 2 und läuft mir in die Arme. Bäm! Mein Mutterherz. Seit ein paar Tagen nennt meine kleine Tochter mich beim (Vor-)Namen, seit einigen Wochen gesteht sie mir ihre Liebe in Worten. Meistens sagt sie „Mama“, manchmal auch „Mami“ – wenn sie mich ärgern will. Kaiserin 2 ist mit ihren ungefilterten Zuneigungsbekundungen nicht zimperlich, auch nicht mit Küssen – feucht übers ganze Gesicht verteilt. Es ist schön zu sehen, dass sie mich anscheinend ganz gerne mag. Gleichzeitig sage auch ich ihr, dass ich sie lieb habe. Und manchmal gibt es auch von mir ein Küßchen; nur nicht ganz so feucht.

Ganz anders sehen die Liebesbekundungen ihrer älteren Schwester aus. Kaiserin 1 nimmt beim Essen, wenn wir gemeinsam am Küchentisch sitzen, manchmal meine Hand. Ihre kleinen zarten Finger liegen dann auf meinem Handrücken und bleiben dort eine Weile. Sie lächelt. Ist das ihre Art, mir zu zeigen, dass sie mich lieb hat? Ich weiß es nicht. Ich weiß gar nicht, ob sie mich lieb hat. Noch weniger weiß ich, wie ich ihr zeigen kann, dass ich sie lieb habe. Weiterlesen

Die kaiserliche Woche // KW 27

by Kaiserin

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Meine Mutter, anderen Enkel auf dem Schoß, guckt mich an: Kind auf der Hüfte, andere Hand am Handy und Stulle ungegessen auf dem Teller vor mir. Sie fragt: „Warum bekommt man, wenn man ein Kind kriegt, eigentlich keinen dritten Arm dazu?“ Stefanie Luxat ist seit neun Monaten Mama und hat ein paar ihrer Gedanken aufgeschrieben. Monat 9 als Mama. Ein paar Gedanken, Gefühle und gelegentliche Fragen

Die Hälfte ihrer Kindheit verbringen sie ohne mich. An Orten, die ich nicht kenne, mit Menschen, die ich noch nie getroffen habe, von denen ich nicht weiß, welchen Einfluss sie auf sie nehmen. Die Autorin Lisa Frieda Cossham hat zwei Kinder und schreibt in der SZ eine neue Kolumne. Ihr Auftakt-Text transportiert Gefühle, bis es weh tut. Teilzeit-Mutter

Herausforderung, Belastung, Bereicherung – Geschwisterbeziehungen sind vielfältig, gerade mit einem behinderten Geschwisterkind. 37 Grad hat zwei Familien begleitet: Wir gehören zusammen

Die größte Angst hatte ich davor, dass meine vorherigen Interessen in der Schwangerschaft unmerklich, aber unwiderruflich verschwänden, dass ein Vakuum entstehen könnte, welches im Umkehrschluss durch die totale Konzentration auf das Kind kompensiert werden müsste. Also spielte ich überzeugend die Rolle der Anti-Mutter. Mascha Jacobs schreibt über das Mutterschaftsgesetz und alles, was sich drumherum ändern muss. Wenn die Auster zweimal klemmt

Anke Helle ist die stellvertretende Chefredakteurin des Familienmagazins NIDO und hat bei Was machen die da? ein ausführliches Interview über ihre Arbeit, Inklusion im Heft und den Begriff Familie gegeben: Genauso finde ich auch, dass wir behinderte Kinder mit in den Familien haben sollen. Wir haben jetzt eine Strecke im Heft, eine Modestrecke … man sieht es nicht sofort, aber ein Kind ist schwerbehindert. Da haben wir kurz überlegt, ob wir es irgendwo reinschreiben, aber warum sollten wir das tun? „Übrigens, das eine Kind ist behindert“? Nee. Das ist halt Teil der Familie, da soll es ganz selbstverständlich mit drin sein. Interview mit Anke Helle

Gleiche Rechte für alle – darum geht es bei der aktuellen Petition für ein gutes Teilhabegesetz. Aktuell dürfen behinderte Menschen mit Assistenzbedarf nicht mehr als 2.600 Euro ansparen und nicht mehr als den doppelten Arbeitslosengeld II-Satz verdienen. Jeder weitere Cent geht für die eigene Assistenz drauf – die ja da ist, damit behinderten Menschen die gesellschaftliche Teilhabe überhaupt möglich ist. Deshalb bitte alle unterzeichnen: Für ein gutes Teilhabegesetz

Diese Stunden, wenn Du die Vögel hörst. Juna hat eine Ode an Berlin im Sommer geschrieben.  Eine Stadt der Ruhe
Und während alle über die Hitze stöhnen, ist Juna dankbar für die Erinnerungen an ihre Kindheit. An diesen heißen Sommertagen wie heute aber kommt das kleine Mädchen wieder, unbefangen und wild, bereit, es mit der Welt aufzunehmen. 38°C

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