Wir wissen nicht, was uns fehlt

by Kaiserin

Nein, sie ist nicht geistig behindert. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die jetzt erleichtert ausatmen. Und ich denke irritiert: Selbst wenn.
Anna Brüggemann in einem großartigen Text über ihre Zwillingsschwester, Pränataldiagnostik und Inklusion. Wir wissen nicht, was uns fehlt

Und dann haben mich noch zwei Filme berührt.

24 Wochen feierte bei der diesjährigen Berlinale seine Premiere – der einzige deutsche Wettbewerbsfilm behandelt das Tabuthema Spätabtreibung. Für Leidmedien.de habe ich aufgeschrieben, wie ich den Film gesehen habe und warum ich mir wünsche, dass ihn viele Menschen sehen und diskutieren werden. (Kinostart: September 2016)

Bildschirmfoto 2016-03-22 um 20.27.03

Julia Jentsch in “24 Wochen”

 

Aktuell online abrufbar ist der Film Nur eine Handvoll Leben, in dem es ebenfalls um eine Spätabtreibung geht – hier allerdings nur als eine Möglichkeit. Die Eltern des Kindes mit der Diagnose Trisomie 18 entscheiden sich, ihr Kind zu bekommen. Der Fernsehfilm ist noch bis zum 26. Juni 2016 im Internet zu sehen (und in der Hörversion zu hören) und morgen um 20.15 Uhr in der ARD.

 

 

 

4 Kommentare zu “Wir wissen nicht, was uns fehlt

  1. Hallo Mareice,
    als bisher stille Leserin und Bilderguckerin mag ich heute ein kleines Dankeschön hier lassen!

    Habe gerade deinen Filmtipp “Nur eine Handvoll Leben” geschaut.
    Ein bewegender Film. Ein trauriger Film. Ein wunderbarer Film. Über den Tod und das Leben. Die Hoffung und den Glauben an das Leben!

    Herzliche Ostergrüsse, Vanessa

  2. “Nur eine Handvoll Leben” habe ich auch gesehen. Sehr emotionaler Film, der endlich mit dem gängigen “Oh du liebe Güte! Das Kind ist behindert! – Abtreiben!”-Klischee in Filmen bricht, was ich leider meistens in Filmen sehe. Außerdem war die Mutter ausnahmsweise schon älter, was auch nur selten in anderen Filmen so ist (zumindest in denen, die ich kenne).
    Zwar kann ich absolut nicht beurteilen, wie realitätsnah der Film ist, aber ich persönlich fand ihn einfach nur klasse.

  3. Unsere Wege führen uns oft an den Bussen von Mosaikwerkstätten und Lebenswelten vorbei, immer die selben Fahrer_innen, immer die selben Fahrgäste. Wir arrangieren uns mit Kinderwagen und Rollstuhl auf dem engen Gehsteig. Es gibt also jeden tag Blickkontakt und mittlerweile natürlich auch ein freundliches Hallo, beiderseits.
    Gegenüber ist eine Arztpraxis, sie machen dort Substitution und auch eine spezielle Therapie für eine Erkrankung, die denke ich spastisch ist, jedenfalls ist es im Wartezimmer immer lustig…Inklusion life…
    Eine zeit lang haben wir immer wieder einen jungen Menschen mit seiner Pflegeperson getroffen; ich habe mich durch die vielen Begegnungen mit Menschen, die nicht “normal” sind und aussehen, in speziell angefertigten elektrischen Rollstühlen so selbstbestimmt wie möglich agieren, angewöhnt, sie nicht nur nicht anzustarren und die Fragen der Kinder ganz normal zu beantworten, sondern diesen Menschen genau wie den Busfahrenden, ein freundliches erliches Hallo engegenzustrahlen. Ein Lächeln, ein warmes. Mir kann ein Lächeln viel geben, das merke ich immer wieder und ich verschenke es auch gerne. Nun treffen wir die beiden immer wieder, sie müssen dann immer die gleiche Straße runter, wir liefern uns nun manchmal ein kleines holpriges Wettrennen. Ich bin dankbar für diese Erfahrungen, die ich mit meinen Kindern machen darf. Und es ist auch schön die Freude in den Augen und im erwiederten Lächeln zu sehen, es schenkt auch mir Wärme.

  4. Liebe Kaiserin,

    Danke für deine Beiträge, meine Große war kerngesund, entspricht der Norm, für die sich zwei Drittel der Schwangeren entscheiden. Nachdem sie gestorben ist, hat mich eines sehr beschäftigt, hätte ich sie durch die Wiederbelebung nur zurückholen können, egal mit welchen folgen, solange sie glücklich ist, ist alles andere unwichtig, auch wenn ich mich mein Leben lang hätte um sie kümmern müssen, dürfen, ich werde sie immer lieben, wie sie ist, ob gesund, beeinträchtigt oder tot.
    Der verlinkte ZEIT-Artikel behandelt noch ein Thema: 90% der als “behindert” diagnostizierten Kinder werden abgetrieben, auch nach der 14. SSW. Schon vor Jahren fiel mir der Verfassungsbruch auf. In unserem Grundgesetz steht, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben. Dazu möchte ich sagen, dass ich nicht gegen Abtreibung bin, ich bin der Meinung, dass es das Recht einer jeden Schwangeren ist, über ihren Körper zu verfügen! Mir geht es hier über die Wertung von Leben, das eines vermeintlich “gesunden” Ungeborenen und das eines beeinträchtigten Ungeborenen! Es ist traurig, dass es eine Pränataldiagnostik-Debatte gibt, aber sobald die befruchtete Eizelle angedockt ist, ist es vollkommen selbstverständlich ein Kind mit Trisomie 21 abzutreiben, das ein glückliches, für seine Umwelt bereicherndes Leben führen könnte.
    Ich kenne ein Kind, das in der 27. ssw zur Welt kam, sie ist großartig und durch die natürliche Geburt, mit Wehen und Sectio, im Vollbesitz seiner Menschenrechte. Alles an medizinischen Wundern stand ihr zur verfügung. Das wäre auch so gewesen, wenn sie eine vorher unentdekte Beeinträchtigung gehabt hätte! Eine Beeieinträchtigung, die es rechtfertigt ein Kind in der gleichen SSW abzutreiben… das hat mir sehr zu denken gegeben! Es herrscht hier so ein schizophrener Bürokratiefaschismus.
    Ich kenne zwei Inklusionsfamilien, beiden würde nie in den Sinn kommen, das Leben ihrer Kinder unterschiedlich zu werten!
    Lovis

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