Auf dem Spielplatz

by Jasmin Dickerson

Jasmin Dickerson
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Auf dem Spielplatz toben die Kinder und rennen herum, angeregt unterhalten sich die Eltern, tauschen Nummern aus. Vereinbaren Spieldates.

 Mit den Kindern, die noch nicht sprechen können, wird entzückt gesprochen und sich zu ihnen geneigt. Ich stehe an der einzigen Schaukel mit Sicherung und hebe Klara hinein. Die Schaukel ist viel zu tief für mein großes Mädchen. Sie ist das einzige Spielgerät das sie nutzen kann. An manchen Tagen liebt sie es und quiekt fröhlich, dann vergesse ich kurz, dass wir nicht dazu gehören. An anderen Tagen ist ihr die Schaukel zu viel und sie hat Angst davor und weint. Dann trifft es mich mit voller Wucht. 

Zum Sandkasten kommen wir mit Rollstuhl nicht und selbst wenn, was soll sie dort? Aber sie ist es nicht, die unglücklich ist. Ich bin es. Während mir die Tränen in die Augen steigen, sitzt sie da, arglos, fröhlich, aufgeregt und wartet. Klatscht in die Hände und freut sich, wartet, dass das strahlende Lächeln, dass sie in die Runde schickt zurück kommt. Aber zurück kommen nur starrende Kinderaugen, beschämt oder mitleidig  wegschauende Erwachsene und Stille. Denn vielmehr noch als die Blicke und das Wegschauen schreit uns die Unsichtbarkeit ins Gesicht: “Wir haben nichts gegen euch, wir sehen euch nur nicht, denn ihr gehört nicht ins Bild” .

Dass mein Kind nicht antwortet heißt nicht, dass es sich nicht freut, wenn es angesprochen oder angelächelt wird. 

Spielplatz, das bedeutet für uns immer Einsamkeit. Eine, die ich schmerzlich spüre und die sie nicht anders kennt.

Mein Kopf weiß, dass es keiner böse meint oder auch bewusst macht. Aber das ist meinen Emotionen egal. Trotzig  schreie ich innerlich, dass es nicht fair ist, dass mein fröhliches, liebevolles lustiges und schönes Kind nicht gesehen wird. Dass sie nicht mitgedacht wird.

Und dann gibt es andere Tage,  da wird sie vom Kind meines Freundes unentwegt umarmt und gerufen. Da fragt das ein Jahr jüngere Nachbarsmädchen, ob es ihr etwas zum Geburtstag basteln darf, wir laden sie zur Feier ein. Prompt erzählt mir ihre Mutter, dass sie von Morgens bis Nachmittags alle halbe Stunde gefragt hat, wann sie denn endlich zu Klaras Geburtstagsparty darf. Dass sie pausenlos davon erzählt, wie sie mit Klara ihr Spielzeug teilen wird. Die Feier beginnt und das Nachbarsmädchen steht die gesamte Dauer über bei Klara und streichelt sie, hält ihre Hand und freut sich, dass sie einfach bei ihr sein darf. Ihr breites Grinsen und ihr Stolz, endlich mit ihrer lieben Freundin Klara spielen zu dürfen, nachdem sie sie ein Jahr lang wegen der Pandemie nur mit Abstand staunend bewundert hat, rühren mich zu Tränen.

 Ich wollte einen sozialkritischen Abschluss für den Text finden und merke, heute passt das nicht. Denn heute schreibe ich als eine Mutter, die sich Inklusion wünscht. Heute will ich nicht rational sein, will keine Tipps für Lösungen geben, will keine erhalten.

 Heute will ich nur, dass mein Kind einen Platz findet.

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