Neue Normalität mit Pflegedienst

by Anna

Heute freuen wir uns über den ersten Gastartikel in 2023 und heißen L. im Kaiserinnenreich willkommen.

“Hi, ich bin Räuberkind Mama L. von Räuberkind 1 (2,5 Jahre, blonder Lockenkopf, fröhlich, Kuschelkönig, Schlafräuber, Epi warrior, mehrfach schwerbehindert) und Räuberkind 2 (1 Jahr, Lausbub, Grinsebacke, Quatschkopf, neugierig und aufgeschlossen) mit dem besten Räuberkind Papa an der Seite.”

B., A., L. und I. von 2 Kinderpflegediensten sind das neue Räuberkind 1 Team, 200h häusliche Unterstützung pro Monat von unterschiedlichen Menschen, für die ich dankbar bin und die mich gleichzeitig traurig machen, die ich managen muss, die tagsüber oder nachts kommen, die mich im Schlafanzug sehen, die mich weinen sehen, die meine Augenringe wahrnehmen, öfter mit mir am Tisch sitzen als mein Mann, mich aus der Dusche holen wenn Räuberkind 1  krampft, denen ich allen Vertrauen schenke und geduldig alles erkläre, die alle liebevoll mit Räuberkind 1 umgehen und alles richtig machen wollen, die gleichzeitig Spielsachen verlegen und Chaos in der Wohnung hinterlassen, die mit Räuberkind 2 spielen, wenn ich Räuberkind 1  füttere, die mich bitten ihn kurz zu nehmen wenn er eine Stunde nur schreit und sie ihn nicht beruhigen können, mit denen ich im 15 Minuten Takt Protokolle für die Kasse schreibe, die mit mir Kinderlieder singen wenn Räuberkind 1 und 2 glei gleichzeitig schreien, die alles Zuhause mitbekommen, die schockiert sind von Räuberkind 1 Anfallssituation und Stimmungswechsel, die mit mir jede 10 Minuten Sonnenschein feiern, die mich aus dem Schlafzimmer gut gemeint holen, weil sie mir stolz zeigen wollen wie Räuberkind 1 im Stehtrainer steht, die mit mir Erbrochenes aufwischen und Räuberkind 1 stundenlang in den Schlaf wiegen… die Liste ist unendlich, unsere neue Normalität, die sich manchmal nicht wie unser Leben anfühlt und unvorstellbar ist, aber gleichzeitig das Leben pur ist!

Wir haben echt Glück mit allen Pflegefachkräften für das Räuberkind 1, ich habe sie alle gerne und sie machen das alle toll, und ohne sie würde nichts funktionieren, aber manchmal ist es soooo anstrengend immer tolerant zu sein und manchmal bringen sie mich auf die Palme!!!!

M. schmeißt die Dreck Wäsche immer auf unsere saubere Wäsche, W. mag lieber Nuk Flaschen statt Mam Flaschen, B. findet den Mittagsbrei zu flüssig, L. findet den Abendbrei mengenmäßig zu viel, I. findet dass Räuberkind 1 nachts ohne Body unterm Schlafanzug zu kalt ist, M. frägt das Räuberkind 1 immer wie sie sich anstellt wenn ich im Raum bin und will dass ich dann für das Räuberkind 1 antworte, B. bringt immer Flyer und Artikel von ihrer Meinung nach für uns relevanten Fach Vorträgen und Büchern und Themen, W. verlegt alle Schnullis, M. zieht dem Räuberkind 1 immer 2 Paar Socken an und bindet ihm riesige Mulltücher um den Hals, I. räumt nie auf, M. ist der Meinung dass Fieber messen rektal ein Quatsch ist, W. f findet rektal messen richtig, L. trägt unendlich viel Parfüm und ach manchmal fühlt es sich an wie mit einer großen Groß Familie zu leben!

Quelle: Canva

Danke, liebe L. für deine Gedanken, Erfahrungen und deine Offenheit. Wir können verstehen, dass die Gleichzeitigkeit der Gefühle in dieser Situation eine große Herausforderung darstellt. Wir sehen dich!

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3 Kommentare zu “Neue Normalität mit Pflegedienst

  1. Und ich wollte am liebsten schreiben – gerne voller Leben und mit aller Quirligkeit – aber doch nicht in UNSEREM ZUHAUSE – dass auch mein Rückzugs Ort sein sollte, meine Blase in der ich mal 5 Minuten Auszeit habe und von der Welt abschalten kann!

    Habt ihr dass irgendwie einen kleinen Raum Privatheit in dem auch ihr Erwachsenen euch zurück ziehen könnt? Meine Hochachtung, ich ziehe den Hut vor euch! Ich weiss dass man für die eigenen Kinder alles gibt, aber diesen Alltag immer meistern zu müssen, auch wenn es selbst einem mal nicht gut geht, zuviel wird, das stelle ich mir ganz schön herausfordernd vor! I

    Ich wünsche euch trotzdem alles Glück dieser Welt und vor allem der Schreiberin unendlich viele Kaffee Pause Minuten für dich alleine! Und all den großen Entscheidern aus der Politik, den Gesetze machern der Krankenkasse – einmal 24 Stunden bei euch zu Hause!

  2. Du schilderst die Situation bei euch zu Hause so plastisch – ich rieche förmlich das Parfum, von dem du schreibst. Wie gut, dass ihr die Kräfte habt. Wie herausfordernd, wie so viele Menschen die Familie und wahrscheinlich auch die Gefühle durcheinanderwirbeln …

  3. Toll geschrieben.Lebensnah, voller Gegensätze und gleichzeitig so echt.Das pralle Leben.
    Und es macht klar, wenn alles ist wie es ist und die Widersprüche sein dürfen, auch wenn sie nerven, dass dann etwas ganz Wertvolles entsteht und Gemeinschaft was quirrlig, chaotisch kreatives vereinen kann zu einem Zuhause, dass stärkt und in dem alle wachsen können. Ich glaube für Kinder ein echter Glücksfall!
    Danke für diesen Beitrag, er macht zuversichtlich und gibt Mut und Kraft aus der Fülle.
    Annette

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