Behandlungsfehler unter der Geburt

Auf Kaiserinnenreich wollen wir ein Raum für vielfältige Lebensrealitäten von pflegenden Eltern sein. Dazu gehört auch Melissas (Instagram: @melissa_und_klein_a) Geschichte. Sie berichtet uns über ein Thema das leider noch Realität in Deutschland ist: dass Geburt nicht immer eine sichere Erfahrung für viele gebärende Personen und Babys ist. Strukturelle Probleme, von denen wir viele in der Geburtshilfe haben, erhöhen das Risiko von u.a. Geburtsschäden. Melissas Baby ist auf Grund von Behandlungsfehlern mehrfachbehindert auf die Welt gekommen.

Mother Hood e.V. ist eine wichtige Stimme in Deutschland und setzt sich für sichere Geburten und die Rechte von Frauen und Familien ein. “Personalmangel sowie zeitliche Verzögerungen in der Hinzuziehung eines Arztes oder der Ärztin, der Entscheidung und in der Durchführung von Interventionen und bei Verlegungen/ Transporten” sind Risikofaktoren, die zu Geburtsschäden führen können, berichtet Mother Hood.

Es ist Aufgabe der Politik in die Geburtshilfe gemäß zu investieren, damit Familien wie Melissas eine andere Geschichte leben und schreiben können, als diese die sie mit uns teilt.

______________________________________________________________________________________________________________________________

Nach über 4 Jahren Kinderwunsch, aufgrund meiner Endometriose, durfte ich im Juni 2021 endlich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand halten. Es hatte nach einer Bauchspiegelung im März 2021 tatsächlich noch ohne medizinische Hilfe in Form von einer künstlichen Befruchtung geklappt. Ich hatte eine komplikationslose Schwangerschaft und nur die üblichen Wehwehchen wie Übelkeit und Sodbrennen. Ich habe alle Untersuchungen und sogar noch die zusätzlichen mit besten Gewissen wahrgenommen und meine Tochter war immer bestens versorgt und gesund im Bauch.

Foto privat

Am 13.03.2022 bin ich nachts mit starken Schmerzen wach geworden und mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Am CTG angeschlossen waren die Herztöne meiner Tochter noch wie sie sein sollten. Mein Muttermund war noch zu. Ultraschall war auch gut. Zugang wurde gelegt und dann wurde ich aufs Zimmer abgeschoben ohne Überwachung. Ich sage abgeschoben, weil ab dem Zeitpunkt nichts mehr passiert ist, trotz dass ich immer wieder gesagt habe, das ich starke Schmerzen habe. Stattdessen wurde ich gefragt was ich denn frühstücken möchte. Nichts. Essen war das letzte was ich in dem Moment wollte. Gegen 10 Uhr etwa platzte mir die Fruchtblase, ich klingelte nach dem Personal und hatte sofort das Bedürfnis mich hinzustellen und los zu pressen. Statt Hilfe bekam ich erst einmal zu hören, dass wegen mir jetzt das Bett neu gemacht werden müsse. Dann ging es an den Kreißsaal. Mein Mann dürfe jetzt dazu kommen. CTG wurde angelegt und Muttermund war vollständig offen. Ab da an habe ich gute 2 Stunden versucht meine Tochter rauszupressen. Meine Tochter kam leblos und blau zur Welt. Sie hat nicht geschrien und sich nicht bewegt. Sie wurde sofort abgenabelt und weggebracht. Erst nach knappen 6 Stunden wurde meinem Mann und mir erlaubt unsere Tochter zu sehen und wir fingen an zu begreifen was passiert ist, nach und nach.

Meine Tochter hatte unter der Geburt immer und immer wieder massiv abfallende Herztöne und hat somit eine schwerste Asphyxie/Sauerstoffmangel erlitten. Sie ist in mir erstickt. Die Assistenzärztin und die Hebamme haben nicht nach Leitlinien gehandelt und die immer wieder abfallenden Herztöne meiner Tocher 2,5 Stunden ignoriert, bis sie aus mir raus Kristellert wurde. Es hätte eine Blutentnahme im Kopf meines Babys erfolgen müssen und ein sofortiger Kaiserschnitt! Anhand des Geburtsberichts haben wir ein Gutachten anfertigen lassen, was den groben Behandlungsfehler eindeutig belegt und gegen den wir bereits Klage eingereicht haben. Durch korrektes Handeln unter der Geburt hätte meine Tochter heute noch gesund sein können. Nun hat sie eine Entwicklungsstörung, fokale Epilepsie und den WestSyndrom. Ihre Epilepsie ist therapieresistent und lässt sich trotz bereits unzähliger Medikamente nicht einstellen. Sie ist somit dem SUDEP (sudden unexpected dead of epilepsy) immer ausgesetzt und kann jederzeit an einem Anfall sterben. Außerdem hat sie ein starkes Reflux Problem, sie ist seh- und hörbeeinträchtigt. Sie lächelt nicht sozial. Und ihr wurde vor kurzem eine tetraplegische Zerebralparese diagnostiziert. Das sind ihre größten Diagnosen. Verursacht durch eine eine Hebamme, die die ganze Geburt über anwesend war und eine Assistenzärztin. 

Foto privat

Seit dem all das passiert ist habe ich bereits unzählig viel recherchiert, um meiner Tochter bestmöglich zu helfen und bin auf das Thema Stammzellen gestoßen. Da die Medizin in anderen Ländern schon wesentlich weiter ist, hat meine Tochter im Alter von 5 Monaten bereits Stammzellen aus Nabelschnurblut in den USA erhalten. Weitere bekam sie Ende Februar 2023 wieder vor Ort. Wir weichen auf viele Methoden aus, die hier (noch) nicht praktiziert und somit auch nicht gezahlt werden. Aber solange wir auch nur kleinste Fortschritte sehen werden wir dies weiterhin tun.

Auf meinem Profil in Instagram @melissa_und_klein_a berichte ich ausführlich über alles, nehme jeden der mag auf unserem Weg mit. Ich möchte andere Mütter über die möglichen Risiken im Zusammenhang mit Behandlungsfehlern und Geburtsschäden aufklären und anderen Betroffenen Mut machen fürs eigene Kind zu kämpfen, juristisch und medizinisch. Und trotz des harten Schicksals hat meine Tochter vor wenigen Wochen einen kleinen Bruder bekommen.


Beitrag veröffentlicht

in

, , ,

von

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert