»Unmöglich. Aber machbar«
Bücher zum Lesen, Hören und Fühlen

by Kaiserin

Das schönste Mitbringsel von der Leipziger Buchmesse war ein Buch zum Fühlen. In die Hand gedrückt hat es mir Antje Mönnig, Gestalterin aus Leipzig. „Klapperlapapp – Formen und Oberflächen“ heißt es und soll das erste Buch einer neuen Kinderbuchreihe sein. Ein anderes Buch von Antje steht bei uns bereits seit 2015 im Bücherregal: Unmöglich. Aber machbar. Antje macht Bücher zum Lesen, Hören und Fühlen. Ich habe mit ihr übers Buchmachen, Verantwortung im Design und über das Wort „normal“ gesprochen. Weiterlesen

»Sicher und einfach ist hier nichts«
Filmtipp: »Uma und wir«

by Kaiserin

Tabea Hosche arbeitet als TV-Journalistin und Filmemacherin, meistens porträtiert sie in ihren Filmen Menschen mit Behinderung, erzählt Lebensgeschichten von anderen. In ihrem ersten Dokumentarfilm „Uma und ich“ zeigte sie ihr Familienleben – nah und ehrlich. Heute Abend läuft ihr zweiter Dokumentarfilm „Uma und wir“ im WDR, in dem sie ihre dritte Schwangerschaft und die Ambivalenzen rund um Pränataldiagnostik behandelt. Weiterlesen

»Kein Zeitraffer. Es aushalten. Tag für Tag.«
22 Monate

by Kaiserin

Um 21:50 Uhr klingelt das Telefon. Ich gehe ran. Hier ist die stellvertretende Pflegedienstleistung. Es tut uns leid, aber der Nachtdienst kommt heute nicht. Die Schwester hat gerade angerufen. Sie hat sich den Fuß umgeknickt und kann nicht zu Ihnen. Heute kommt also keiner. Ist das für Sie in Ordnung? fragt sie. Mir rutscht ein Nein raus. Nein, es ist nicht in Ordnung für uns. Kann denn keine Vertretung kommen? frage ich. Nein, antwortet sie. Die Kollegen müssten ja vorschlafen. So kurzfristig gibt es keine Vertretung. Ich sage, wir als Eltern haben doch auch nicht vorgeschlafen. Es tut ihr leid, sagt sie. Sie sagt, wenn etwas ist in der Nacht, können wir sie anrufen. Sie hat Bereitschaftsdienst. Ich sage nur: Darf ich sie anrufen, wenn ich vor Müdigkeit nicht mehr auf Josef achten kann. Kommen sie dann vorbei? Nein, antwortet sie. So meint sie es nicht. Wenn es Josef schlecht geht. Ich antworte. Dann rufe ich doch eher einen Arzt an. Auf Wiederhören. Auszug aus dem Blog 22 Monate Weiterlesen

»Wir haben aus viel Scheiße viel Liebe gemacht«
Podcasts von und mit Frauen

by Kaiserin

Eine Woche im Bett, unfreiwillig. Zu müde Augen für Serien oder Bücher. Also Bettruhe, Schlaf und: Podcasts. Eine Woche lang habe ich mich durch die feministische Podcastlandschaft gehört. Durch die deutschsprachige, für englische Gespräche war mein Kopf zu matschig. Ich habe den vielen tollen Frauen gern zugehört und nebenbei viel gelernt, manchmal gelacht und noch mehr nachgedacht. Weiterlesen

»Ich erzähle dir alles und alles ist wahr«

by Kaiserin

„Was ist eigentlich eine elektrische Gitarre?“ Nachdem wir Electric Guitar von Tocotronic seit vielen Tagen hören und singen und dazu durch die Küche tanzen, die erste Frage meiner Tochter. Sie kann schnell geklärt werden, eine elektrische Spielzeuggitarre steht im Kinderzimmer. Wir tanzen weiter. Vielleicht habe ich mich noch nie so sehr auf ein Album gefreut.

Tocotronic begleiten mich, seitdem ich das erste Mal dachte: „Hier bin ich falsch“. In der Musik von Tocotronic dann das Gefühl: „Hier bin ich richtig.“  Weiterlesen

Happy Birthday, Buch!

by Kaiserin

Vor genau einem Jahr saß ich mit meinem Buch »Alles inklusive – Aus dem Leben mit meiner behinderten Tochter« vor mir, einer Weißweinschorle in der Hand und der Journalistin Manuela Heim neben mir im Berliner taz-Café. Vor genau einem Jahr fand dort meine Buch-Premiere statt, ich las das erste Mal die Sätze laut vor, die ich bisher immer nur leise in mir getragen hatte. Vor genau einem Jahr, etwas später, war ich ziemlich betrunken und ziemlich glücklich. Weiterlesen

»Ich kann nicht fordern, über etwas zu sprechen, ohne darüber zu sprechen.«
Autorin Laura Ewert im Interview

by Kaiserin

Laura Ewert hat für die taz.am wochenende die Geschichte ihrer Schwangerschaft aufgeschrieben: „Plötzlich ist da diese Falte im Nacken“.
Dass dieses Kind uns nun unser ganzes Leben beschäftigen werde. Zumindest das war ja so geplant. Bei Reportagen.fm hat die Journalistin Fragen zur Entstehung des Textes und zu den Reaktionen darauf beantwortet. Weiterlesen

Über kurz oder lang

by Kaiserin

Vor langer, langer Zeit lebte auf einer wilden grünen Insel ein Mädchen mit langen roten Haaren. Ihr Name war Grace. Wann immer der Wind heulte und die Wellen sich an den hohen Felsen brachen, stand Grace auf den Klippen und träumte davon, über das stürmische Meer zu segeln. „Mädchen fahren nicht zur See“, sagte ihr Vater. „Außerdem würden sich deine langen Haare in den Tauen verfangen.“* Weiterlesen

Von Rollenbildern, Schablonen und Freiheit

by Kaiserin

„Dich hätte ich als Role Model gebraucht, als Lotte klein war“ – einer der ersten Sätze meiner Freundin Manu, als wir uns kennenlernten. Sie selbst ist Journalistin, smart, hübsch, schlau, Mutter von zwei Kindern, mit und ohne Behinderung. Ich, ein Vorbild für diese coole Frau? „Warum das denn?“, fragte ich zurück. „Einfach deine Perspektive; das Wissen, dass das Leben nicht vorbei ist mit einem behinderten Kind. Das hätte ich damals gebraucht.“

Und ja, ich wusste sofort, was sie meinte. Auch ich dachte, mein Leben sei vorbei, in den ersten Tagen auf der Intensivstation mit unserer Tochter, zwischen Inkubator und Diagnosesuche. Ich kannte weder behinderte Kinder, noch ihre Eltern. Beim Wort „Selbsthilfegruppe“ bekam ich eine Gänsehaut, in der inklusiven Krabbelgruppe, zu der ausschließlich behinderte Kinder mit ihren Eltern kamen, fühlte ich mich unwohl. Weiterlesen