Bye bye, Behindertenparkplatz //
Ein Abschiedsbrief

by Kaiserin

Lieber Behindertenparkplatz,

seit zwei Jahren gehörst du zu meinem Leben wie meine Brille auf der Nase. Na ja, nicht ganz so existenziell. Ohne meine Brille finde ich den Weg zurück nach Hause nicht, wenn ich nachts betrunken aus einer Bar falle, was ich, um ehrlich zu sein, mittlerweile nicht mehr als zehn Mal im Jahr mache. Schließlich bin ich Mutter von zwei Kindern. Eines davon mit Behinderung, das andere ohne – aber auch nicht ohne. Die Mutter, also ich, auch nicht. Ausgehen, Alkohol trinken, tanzen. Das geht auch alles als Mutter, auch als Mutter einer behinderten Tochter, auch wenn das manche Menschen gar nicht glauben können. Echt nicht. Die sagen dann irgendwann spät nach Mitternacht an der Bar: „Ich hätte ja nicht gedacht, dass man sich mit dir betrinken kann. So als Mutter von einem behinderten Kind.“ Tz.

Wenn ich dann also nachts, im besten Fall mit Brille auf der Nase, nach Hause kam, lief ich immer auch an dir vorbei, mein lieber Behindertenparkplatz. Direkt vor unserer Haustür haben dich zwei Männer hingemalt. Zwei weiße Streifen rund um die Parkbucht herum, kleines Schild mit einer Nummer aufgestellt, und schon warst du da. Lange ersehnt, denn so einfach war es nicht, dich zu bekommen. Du hast dich ordentlich geziert. Weiterlesen

Behinderte Momente #9

by Kaiserin

Szenen aus dem Leben mit einem behinderten Kind

Telefonat mit der Krankenkasse.

Ich: “Sie haben uns eine Ablehnung geschickt für die Gesichtsmaske zur Beatmung unserer Tochter.”

Sachbearbeiterin: “Ja, das stimmt. Ihrer Tochter wurde bereits in diesem Jahr ein Inhalationsgerät bewilligt. Da gibt es nicht noch zusätzlich eine Geschichtsmaske.”

Ich: “Die Gesichtsmaske, die neu beantragt wurde, ist für den Ambubeutel*, nicht für das Inhalationsgerät meiner Tochter.”

Sachbearbeiterin: “Dann muss das aber auch so auf der Verordnung stehen.” Weiterlesen

Behinderte Momente #8

by Kaiserin

Szenen aus dem Leben mit einem behinderten Kind

Kaiserin 1 wurde für zwei Wochen stationär gepflegt. Die Krankenkasse will die Kosten nicht übernehmen. Ich frage die Sozialarbeiterin der Pflegeeinrichtung nach einem Rat. Wie sollen wir weiter vorgehen? Widerspruch? Klage vorm Sozialgericht? Weiterlesen

Behinderte Momente #7

by Kaiserin

Szenen aus dem Leben mit einem behinderten Kind

Im Behandlungszimmer der Oberärztin einer großen Berliner Kinderklinik. Nach einer Stunde medizinischer Beratung verabschieden wir uns von ihr. Sie meint, mir im Beisein meines Mannes noch etwas mit auf den Weg geben zu müssen: “Frau Kaiser, passen Sie gut auf Ihren Mann auf! Meistens kommen nach ein paar Jahren nur noch die Mütter mit ihren behinderten Kindern zu mir – die Väter hauen ab. Weiterlesen

Behinderte Momente #5

by Kaiserin

Szenen aus dem Leben mit einem behinderten Kind

Wochenlang waren wir auf der Suche nach einem Kita-Platz für unsere behinderte Tochter. Ein integrativer Kreuzberger Kinderladen hatte uns zu einem Probetag eingeladen. Die Kommunikation per E-Mail und Telefon war sehr nett und offen. Kaiserin 1 hospitierte einen Tag lang mit ihrem Papa, während ich den Tag hochschwanger mit einer Grippe im Bett verbrachte.

Nachmittags kamen beide glücklich wieder nach Hause. Sie hatten einen tollen Tag in der Kita verbracht und unser Traum vom inklusiven Kitaleben für unsere Tochter schien Realität zu werden. Mein Mann erzählte begeistert von den anderen Kindern und der Integrationserzieherin. Weiterlesen

Behinderte Momente #4

by Kaiserin

Szenen aus dem Leben mit einem behinderten Kind

Heiligabend in der Kirche, ein Gottesdienst mit Krippenspiel.

Fast alle Bänke sind besetzt, nur vorne in der zweiten Reihe ist noch was frei. Eine Frau sitzt allein auf einer Kirchenbank, neben ihr viel Platz. “Darf ich hier mit meinen Töchtern sitzen?” frage ich sie. “Meine Tochter ist gehbehindert, deshalb müsste ich am Gang sitzen, neben ihrem Kinderwagen.” Weiterlesen

Behinderte Momente #3

by Kaiserin

Szenen aus dem Leben mit einem behinderten Kind

Im Gespräch mit einer Ärztin, die den kranken Darm unserer Tochter operieren soll. Nachdem alle Details der bevorstehenden Operation geklärt sind,  fummeln ihre Hände an den fehlgebildeten Ohren meiner Tochter herum. „Wenn ich die so sehe, zuckt es mir schon in den Händen“, meint die renommierte Chirurgin. „Ein kleiner Schnitt da, ein kleiner Schnitt hier – und schon würde sie normaler aussehen“.

Behinderte Momente #2

by Kaiserin

Szenen aus dem Leben mit einem behinderten Kind

Sommer 2012, ein Garten bei Hamburg. Wir feiern den Geburtstag eines Freundes und sind froh, dass unsere Tochter mit dabei ist. Nach vielen Wochen Krankenhaus ein Hauch von Normalität. Kaiserin 1 ist fast ein Jahr alt und liegt lächelnd neben einem anderen Kind auf einer Decke im Gras, die Magensonde hängt ihr aus der Nase. Weiterlesen

Behinderte Momente #1

by Kaiserin

Szenen aus dem Leben mit einem behinderten Kind

Samstagmittag im Café. Kaiserin 1 lümmelt bequem auf einem Sessel. Ich bin im Gespräch, eine Schale Milchkaffee in der Hand. Plötzlich höre und rieche ich es: Die Windel meiner Tochter ist voll. Seitdem ihre Darmkrankheit (Morbus Hirschsprung) operiert ist, bedeutet das: Windelwechsel, aber sofort! Der Stuhlgang ist dünn, ihre Haut empfindlich. Eine schmerzhafte Kombination.
Während ich in meiner Tasche hastig nach Windeln und Feuchttüchern suche, werde ich panisch. Mir fällt ein, dass das komplette Windel-Equipment im Kinderwagen liegt. Der wiederum wird von der Babysitterin meiner anderen Tochter draußen herumgeschoben, Kaiserin 2 macht darin Mittagsschlaf. Scheiße! Im wahrsten Wortsinn. Weiterlesen