Appell an den Mutterbauch

by Kaiserin

Ich kenne viele tolle Frauen. Sie sind beruflich erfolgreich, führen möglichst gleichberechtigte Partnerschaften, gehen begeistert Hobbys nach, machen sich Gedanken über die Welt und genießen bewusst ihr Leben. Jede ist anders als die andere – alle sind prima in ihrer Einzigartigkeit. Doch eine Parallele erkenne ich mittlerweile zwischen allen Frauen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis: Sobald sie einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand halten, werden sie unsicher.

Die moderne Medizin stellt uns als werdende Eltern vor viele Fragen – auch schon in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten, die von vielen Unsicherheiten begleitet werden. Bleibt das Kind? Welche Vorsorgeuntersuchungen lassen wir machen? Was wollen wir wissen? Wie gehen wir mit den Ergebnissen um? Es beginnt mit der Frage, ob die werdenden Eltern das Geschlecht des ungeborenen Kindes wissen möchten und endet mit der Entscheidung für oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch bei negativen Diagnostikergebnissen. Die Frauen, die ich kenne, sind plötzlich nicht mehr so tough wie vorher, sondern verwandeln sich in verunsicherte Mädchen. Sie wollen alles richtig machen und verlieren sich und ihre innere Stimme dabei im Dickicht der vielen Meinungen, mit denen sie konfrontiert werden. Weiterlesen

Doppelt hält besser

by Kaiserin

Geschwister haben ist toll! Fast immer. Ich bin ein Nesthäkchen mit zwei älteren Brüdern, die nur 1 1/2 Jahre auseinander sind und somit fast wie Zwillinge aufgewachsen sind. Beide sind zwar total unterschiedliche Persönlichkeiten, hatten und haben aber eine sehr enge Verbindung. Ich als Nachzüglerin und sechs beziehungsweise sieben Jahre jünger – und dann auch noch ein Mädchen! – kam nie dazwischen. Dennoch haben sie mich beschützt, wenn es nötig war und bis aufs Blut geärgert, wenn sie dachten, dass es nötig wäre.

Seitdem ich das digitale Kaiserinnenreich mit meinen Texten fülle, bekomme ich immer wieder Mails von Familien mit einem behinderten Kind, die sich noch ein zweites Kind wünschen, sich das aber nicht (zu)trauen. Ich werde dann gefragt, wie das bei uns war mit der Entscheidung für ein zweites Kind und werde oft beglückwünscht zu unserem „Mut zum zweiten Kind“ nach der Erfahrung mit einem behinderten Kind. Mutig habe ich mich damals nicht gefühlt, nur entschlossen. Ich war entschlossen, mein Leben nicht ausschließlich mit Themen rund um ein behindertes Kind füllen zu wollen: Termine bei Ärzten und Therapeuten, Anträge bei Pflege- und Krankenkasse, Suche nach geeigneten Betreuungspersonen und immer auch viel Trauer und Enttäuschung. Die Entschiedenheit für ein zweites Kind kam bei mir recht schnell nach der Geburt von Kaiserin 1. Ich habe mich von Anfang an falsch gefühlt im Krankenhausleben mit ihr. Diese Abhängigkeit von Ärzten, Krankenschwestern, Pflegepersonal und Therapeuten fällt mir als eigenverantwortliche und selbständige Frau bis heute schwer und ich bin sehr dankbar, dass wir immer weniger mit Ärzten und mehr mit fördernden Menschen rund um Kaiserin 1 zu tun haben. Ein Leben am Krankenbett meiner Tochter konnte und kann ich mir bis heute nicht vorstellen. Ich weiß, das kann und will sich niemand vorstellen – ich weiß aber auch, dass es einige Menschen – meist Mütter – gibt, die in der Rolle der pflegenden Mutter aufgehen. Ich nicht. Ich kann und will das nicht.

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