Die Barrieren in den Köpfen – und im Alltag #MapMyDay

by Kaiserin

Wenn ich früher (damit meine ich die Zeit vor meinen Kindern) in Berlin unterwegs war, ging das ungefähr so: Kurz auf die Uhr geschaut, Mist!, schon wieder zu spät. Noch schnell einen Apfel schnappen, Jacke über den Arm werfen und los, aufs Rad. Über dunkelorangene Ampeln fahren und es in der Toleranzgrenze von fünf Minuten doch noch rechtzeitig zur Verabredung schaffen. Wenn ich einen Zug erwischen musste und es gut lief, stieg ich an der Station Schönleinstraße in die U8 ein, einmal umsteigen am Alexanderplatz, weiter mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof. Noch schnell einen Kaffee kaufen und rein in den Zug. Das alles war innerhalb von 20 bis 25 Minuten gut zu schaffen. Wenn es schlecht lief, bestellte ich ein Taxi, das ruckzuck da war und genau so schnell am Bahnhof. An guten Tagen ging das innerhalb von 15 Minuten.

Jetzt habe ich zwei Töchter, eine davon ist mehrfach behindert. Sie ist knapp drei Jahre alt und kann nicht laufen. In ihrem Schwerbehindertenausweis steht 100 Prozent und die Buchstaben G, aG, H, Gl, RF. Ziemlich viele Buchstaben für so eine kleine Person. Wir, ihre Eltern, sind auf ein Leben mit ihr im Rollstuhl eingerichtet. Zur Zeit ist sie noch so klein, dass sie problemlos in einen Kinderwagen passt – zum Glück auch in einen Doppelwagen mit ihrer Schwester. Dieser Doppelwagen hat übrigens das Format eines Rollstuhls. Das Unterwegssein damit ist eine gute Übung für „später“. Weiterlesen Weiterlesen

Die kaiserliche Woche // KW 10

by Kaiserin

Im Kaiserinnenreich ist jeden Tag Frauentag. Passend zum heutigen Weltfrauentag freue ich mich über zwei besondere Link-Empfehlungen.

Der Journalistinnenbund hat viele tolle Frauen in ihren Watch-Salon eingeladen. Ich freue mich, dass ich auch dabei sein darf: Auf einen Drink im Watch-Salon

Eine andere wunderbare Frau durfte ich Ende letzten Jahres kennenlernen. Anastasia Umrik und ich haben für den Blog der Aktion Mensch über unsere Freundschaft geschrieben: Tanzende Herzen Weiterlesen

Die kaiserliche(n) Woche(n) // KW 50 & 51

by Kaiserin

Ein Tag hat 24 Stunden – ich finde das ungerecht, ich brauche mehr! Tage und Stunden. Es gibt so viel zu erleben, zu erzählen, zu empfehlen. In den vergangenen zwei Wochen war ich auf einem tollen Inklusionskongress und hing dort mit der liebgewonnenen Sozialhelden-Gang ab. Ich flog das erste Mal mit Kaiserin 2, beim Hinflug nassgeschwitzt mit schreiendem Kind auf dem Schoß, beim Rückflug mit nicht aufgeladenem iPad (erst im Flugzeug bemerkt), aber dennoch gut gelauntem Kleinkind. Ich weinte bei einer Hochzeit in Österreich, besuchte ein Wiener Kindermuseum, aß eine Dinkel-Topfengolatsche und dachte: Früher, da gab`s sowas nicht! Ich dachte, dass meine Sätze jetzt immer öfter mit früher anfangen.

Ich freute mich über die Mail einer Blog-Leserin, für die meine Texte den entscheidenenden Funken Mut entfachten, um ein inklusives Elterncafé zu gründen. Ich freute mich; darüber und sowieso über Menschen, neue und alte. Ich vermisste Kaiserin 1, bangte darum, mit ihr ins Krankenhaus zu müssen und war froh, dass wir sie zu Hause gesund pflegen konnten. Ich hielt einen Workshop zum Thema Inklusion in der Bildung und bekam inspirierenden Input von den klugen Teilnehmer_innen. Ich führte Interviews und antwortete auf Fragen. Ich schrieb. Und ich las viele gute Texte.

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Barrierefrei & kinderfreundlich: Wien

by Kaiserin

Die erste Flugreise im Leben von Kaiserin 2 führte uns in eine meiner Lieblingsstädte: Wien. Vor über zehn Jahren habe ich in der österreichischen Haupstadt gelebt – vergangene Woche waren wir dort zur Hochzeit einer Freundin eingeladen. Meine erste Flugreise mit Kind. Für Flugangst blieb mir gar keine Zeit, so sehr war ich mit dem Entertainment meiner kleinen Tochter beschäftigt. Wichtigstes Utensil im Handgepäck: das Aipät. Leider kam es ber gar nicht zum Einsatz: Auf dem Hinflug hatte ich ein dauerbrüllendes Kind auf dem Schoß, das unser Sitznachbar mit einem augenrollenden Jackpot! kommentierte – für den Rückflug hatte ich vergessen, das iPad aufzuladen. Zum Glück begnügte sich Kaiserin 2 mit den Bilderbüchern aus meiner Handtasche. Sie fing beim Wort Flugzeug auch nicht mehr sofort an zu schreien und hielt sich eine Stunde tapfer auf meinem Schoß.

Mit dem Unterschied der zwei Städte im Hinblick auf Barrierefreiheit und Kinderfreundlichkeit wurden wir direkt bei unserer Ankunft in Wien konfrontiert. Während mir in Berlin am Flughafen auf der Suche nach einer Wickelmöglichkeit für meine Tochter niemand helfen konnte – weder Polizei noch der nette Herr von der Flughafenseelsorge – kamen am Wiener Flughafen Service-Mitarbeiter direkt auf uns zu und boten Hilfe an. Während wir in Berlin einen Aufzug suchen mussten, der uns vom Parkdeck zum Gate brachte, fanden wir in Wien Aufzüge an jeder Ecke. Genau dort, wo wir sie brauchten. Weiterlesen

„Wir feiern, dass wir feiern können“ // Pride Parade

by Kaiserin

Tanzende Rollifahrer_innen, Gebärdensprache überall, Blinde, Gehörlose, Homosexuelle, Gehbehinderte, sichtbare und unsichtbare Behinderungen – alles ganz normal bei der Pride Parade. Gestern fand die Demonstration für Inklusion und Diversität wieder in Berlin statt und war eher eine Party; in diesem Jahr kamen 2.000 Menschen zusammen, um „behindert & verrückt“ zu feiern. Allen voran ein Wagen mit toller und liebevoll ausgewählter Musik, der meine Familie und mich dazu veranlasste, ganz am Anfang der Demonstration für menschliche Vielfalt zu gehen. Zwischendurch sahen und hörten wir immer wieder das Motto der diesjährigen Pride Parade: Freaks und Krüppel, Verrückte und Lahme, Eigensinnige und Blinde, Taube und Normalgestörte – kommt wieder raus auf die Straße, denn sie gehört uns! (…) Nur wenn wir uns unsere Rechte nehmen, können wir über uns verfügen. Deshalb: Trau dich zu fordern, was du brauchst! Zeige deine Sehnsüchte, dein Begehren, deine Freude, deine Lust! Weiterlesen

Die Barrieren in den Köpfen

by Kaiserin

Wenn ich früher (damit meine ich die Zeit vor meinen Kindern) in Berlin unterwegs war, ging das ungefähr so: Kurz auf die Uhr geschaut, Mist!, schon wieder zu spät. Noch schnell einen Apfel schnappen, Jacke über den Arm werfen und los, aufs Rad. Über dunkelorangene Ampeln fahren und es in der Toleranzgrenze von fünf Minuten doch noch rechtzeitig zur Verabredung schaffen. Wenn ich einen Zug erwischen musste und es gut lief, stieg ich an der Station Schönleinstraße in die U8 ein, einmal umsteigen am Alexanderplatz, weiter mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof. Noch schnell einen Kaffee kaufen und rein in den Zug. Das alles war innerhalb von 20 bis 25 Minuten gut zu schaffen. Wenn es schlecht lief, bestellte ich ein Taxi, das ruckzuck da war und genau so schnell am Bahnhof. An guten Tagen ging das innerhalb von 15 Minuten.

Jetzt habe ich zwei Töchter, eine davon ist mehrfach behindert. Sie ist knapp drei Jahre alt und kann nicht laufen. In ihrem Schwerbehindertenausweis steht 100 Prozent und die Buchstaben G, aG, H, Gl, RF. Ziemlich viele Buchstaben für so ein kleines Persönchen. Wir, ihre Eltern, sind auf ein Leben mit ihr im Rollstuhl eingerichtet. Zur Zeit ist sie noch so klein, dass sie problemlos in einen Kinderwagen passt – zum Glück auch in einen Doppelwagen mit ihrer Schwester. Dieser Doppelwagen hat übrigens das Format eines Rollstuhls. Von daher ist das Unterwegssein damit schon eine gute Übung für „später“. Weiterlesen

„Hallo, ich bin neu hier!“ (#rp14)

by Kaiserin

Schön am Leben mit Kindern finde ich, dass es so viele erste Male gibt. Das erste Lächeln, die erste Erdbeere essen, der erste Tag in der KiTa, die ersten Schritte… Jedes erste Mal hat seinen Zauber. Mit meinem Kaiserinnenreich erlebe ich derzeit auch viele erste Male. Die ersten Leser-Kommentare, der erste Zeitschriften-Artikel zum Thema „Frauen mit besonderen Herausforderungen“ und nun auch die erste Konferenz, auf der ich als Bloggerin unterwegs war. Die Konferenz heißt re:publica und beschäftigt sich mit Fragen rund um das digitale Leben: Was macht das Internet mit der Gesellschaft und andersherum? Für mich, die ich seit 2001 auch im Internet lebe, genau die richtige Veranstaltung. Wie es sich für ein erstes Mal gehört, machte ich mich am Dienstag mit einer Menge Aufregung im Gepäck auf zur STATION-Berlin. Fast 8.000 Menschen kamen in diesem Jahr in Berlin-Kreuzberg zusammen, um Vorträge zu hören, Workshops zu besuchen und miteinander zu diskutieren.

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