Die kaiserliche Woche // KW 49

by Kaiserin

Ich scheitere nicht zuletzt am Druck, den ich mir jedes Jahr mache, eine perfekte Vorweihnachtszeit zu haben, um mich wieder so weihnachtlich zu fühlen, wie als Kind. Die jährliche Suche nach diesem Gefühl (wie Glücklichsein, nur mit einem Geschmack von Zimt und Schnee) ist ein bisschen so, wie auf einen Orgasmus zu hoffen, und dann verkrampft man sich total beim Versuch zu entspannen, für den Höhepunkt, und eigentlich ist das beste Gefühl das erwartungsvolle Kribbeln kurz vorher.*

Zwei so überhaupt nicht weihnachtlich-wunderbare Texte über die Weihnachtszeit. Kind und Krise von Nicole und Weihnachten – Fest der Liebe mit Macht und Druck von Suse.

Mein ganz normal anderes Kind ist eine Broschüre vom Kinder Pflege Netzwerk und beinhaltet Hilfe, Beratung und Entlastung für Eltern von Kleinkindern mit einer Behinderung oder chronischen Erkrankung.

Der Verein mittendrin hat eine Erklärung von Eltern behinderter Kinder veröffentlicht – und zwar von Eltern, deren Kinder auf inklusive Schulen gehen und von Eltern, deren Kinder Förderschulen besuchen. Weil nämlich alle Eltern nur das Beste für ihre Kinder wollen und das Beste am einfachsten gemeinsam erreicht werden kann. Schulterschluss der Elternschaft

Willkommen – Das ist der Titel eines E-Books, das diese Woche erschienen ist. Darin erzählen Blogger_innen und andere Leute ihre Geschichten von und mit geflüchteten Menschen, auch von mir ist ein Text dabei. Sämtliche Einnahmen des Verkaufs gehen in die Flüchtlingshilfe. Weiterlesen

Die kaiserliche Woche // KW 35

by Kaiserin

Es ist verrückt, was in diesen Tagen passiert.

Am Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) habe ich Anfang der Woche F. kennengelernt. Sie spricht Arabisch mit syrischem Akzent und übersetzt all die furchtbaren Geschichten der dort wartenden Familien – gemeinsam helfen F. und ich, wie wir eben können. Am Donnerstag habe ich F. zuhause abgeholt. „Meine Mutter und ich haben ein paar Sachen zusammen gepackt“, sagte sie mir. Ihre Kleidersäcke waren so schwer, dass ich sie alleine nicht tragen konnte. Am LaGeSo konnten wir – nur Dank der Spende von F. und ihrer Mutter – fünf Familien mit Schuhen ausstatten (einige der Kinder hatten bisher nur Flip Flops, wenn überhaupt).

Als ich Freitag morgens das Radio anschalte, höre ich in den Nachrichten von einem Brandanschlag auf eine Wohnung, in der geflüchtete Menschen leben – nur zehn Kilometer von meinem niedersächsischen Heimatdorf entfernt. Einen Tag später schreibt mir meine Mutter eine WhatsApp-Nachricht von der Demonstration gegen rechte Gewalt. Immerhin 2.000 Menschen kamen und sprachen sich für die Solidarität mit den Geflüchteten aus.

Auf Twitter erzählte ich von meinem Wunsch, 500 Fladenbrote an die hungrigen Menschen vor dem LaGeSo zu verteilen. Gestern landeten 300 Euro auf meinem Konto. „Für die 500 Fladenbrote, die du am LaGeSo verteilen möchtest und andere Dinge, die gebraucht werden“, schrieb der Spender, den ich nur über Twitter „kenne“.

Morgen startet „Kreuzberg hilft“ – eine Initiative, die ich gemeinsam mit drei tollen Frauen gegründet habe. Einfach, weil wir bei den Ereignissen dieser Tage nicht nur zuschauen wollten – wir wollen aktiv sein und helfen, wo und wie wir eben können. Dazu morgen mehr. Weiterlesen

Die kaiserliche Woche // KW 34

by Kaiserin

Was mich diese Woche vor allem bewegt hat war alles, Was ich nicht weiß.

Die letzte Schachtel geht im Gezerre zu Bruch, das halbe Essen fällt auf den Boden. Entsetzt schauen sich die Flüchtlinge an. Es ist zum Heulen. Gereon Asmuth schreibt bei der taz über einen Tag am LaGeSo.

Familie Shamo wird aufgerufen. Mehr Formulare. Mehr Fragen. Mehr Fotos. Auch die Tochter Alma und der Sohn Aiham werden nun unruhig. Alma weint. Eine Angestellte reicht ihr eine Rassel aus Plüsch. Amrei Coen und Henning Sussebach berichten in der ZEIT aus Passau. Im gelobten Land

Wir wissen nicht, wie es weiter geht, nur soviel, wir sitzen alle in einem Boot. Das SZ Magazin hat kurze Geschichten von geflüchteten Menschen in Deutschland gesammelt. Die Vorurteile gehen über Bord

Seit ich weiß, was Oskar hat, frage ich mich, was ich tun muss, damit er sich zurechtfindet in einer Welt, die nicht auf ihn gewartet hat. In der ZEIT schreibt Stefanie Flamm über ihren Sohn Oskar und ein Medikament, das die geistigen Einschränkungen bei Menschen mit Down-Syndrom wie ihrem Sohn reduzieren sollen. Eine Pille für Oskar

Früher gab es viele Nächte, nach denen ich morgens um sieben frühstücken ging, um mich dann ins Bett zu legen, wenn die anderen Idioten zur Arbeit gingen. Das ist jetzt wohl vorbei. Im MISSY-Eltern-ABC schreibt Bernadette La Hengst über das I wie Ins Bett gehen. Weiterlesen

Was ich nicht weiß.

by Kaiserin

Meine Geschichte fängt bei Facebook an. K. schreibt: „Jemand Platz für zwei junge Syrerinnen zum Schlafen und Duschen bis Sonntag?“ Wir sind gerade in Hamburg, im Urlaub, unsere Wohnung ist frei und ich antworte: „Unsere Wohnung ist noch bis Sonntag frei“. Einige Stunden später schreibt K., dass sie bereits über Twitter eine Unterkunft für die Frauen gefunden hat. „Kann ich sonst noch was tun?“ frage ich. „Melde dich in der Facebook-Gruppe Moabit hilft an“, rät mir K. – seitdem lese ich mit, wie viele freiwillig engagierte Menschen für ansatzweise menschliche Bedingungen vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin sorgen.

Zehn Tage später, wieder auf Facebook. „Es werden dringend Rollstühle am LAGeSo benötigt, um medizinische Notfälle nicht auch noch über das Gelände tragen zu müssen“ schreibt A., die sich seit Tagen für geflüchtete Menschen mit Behinderungen in Berlin engagiert. Wir sind zurück in Berlin, einen Rollstuhl habe ich nicht, aber einen Kinderwagen, den ich eigentlich verkaufen wollte. „Reicht ein Kinderwagen auch?“, frage ich A. „Alles, was du entbehren kannst, hilft – und je schneller, desto besser“, antwortet sie. Am nächsten Tag fahre ich mit dem Kinderwagen, einer Babyschale und Herzklopfen nach Moabit zum Landesamt für Gesundheit und Soziales. Weiterlesen