#MeinTagohnemich

by Kaiserin

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Initiiert vom Bündnis des Women`s March sind alle Frauen* am 8. März 2017 dazu aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen: A Day Without A Woman. Dabei geht es um die Lohnarbeit, die nach wie vor nicht gerecht bezahlt wird – und die Care-Arbeit, die nach wie vor überwiegend von Frauen übernommen und schlecht bis gar nicht vergütet wird.  Was genau passiert eigentlich – oder würde passieren – wenn Du einen Tag lang mal die Füße hochlegen würdest? Einen Tag lang nichts organisieren, für niemanden sorgen, einfach mal nichts tun? Unter dem #MeinTagohnemich sammeln wir ab morgen Geschichten vom Tag ohne Frauen, vom Tag ohne Dich. Weiterlesen

Ein besonders normaler Tag, 2025

by Kaiserin

Zukunftskongress_Inklusion2025

7 Uhr

Es kitzelt an meiner Nasenspitze, nur eine klitzekurze Sekunde. Dann wird aus dem Küßchen ein Kuss. Ein dicker fetter Schmatzer, der auf meiner Wange landet. Mama, Frühstück ist fertig! Wir warten schon!

Kaiserin 2, meine kleine Tochter, meint es heute wieder gut mit mir. Allerdings ist sie ungeduldig. Kein Umdrehen ist erlaubt, nicht nochmal unter die Bettdecke oder an meinen Mann kuscheln. Nein, wir sollen aufstehen, jetzt sofort. Schließlich hat sie Frühstück gemacht! Das passiert nicht alle Tage. Schon als kleines Mädchen ging es ihr morgens nicht schnell genug hinaus in die spannende Welt. Mit anderthalb Jahren rief sie morgens schon kurz nach dem Aufwachen: Autehn!

Auch heute wählen den Weg des geringsten Widerstands und tun, was sie sagt. Am Frühstückstisch werden wir bereits erwartet. Kaiserin 1, meine große Tochter, hat bereits ihr erstes Brötchen gegessen. Sie grinst uns an. Wir wissen nicht, ob sie uns, ihre Eltern, meint – oder das Essen. Aber das ist auch egal, denn ihr Lächeln ist das Zeichen, dass es ihr gut geht. Und nur das zählt. Es hat ihr erstes Lebensjahr gedauert, bis sie überhaupt lächeln konnte. Bis ihre Krankheiten soweit überwunden waren, dass sie Kapazität für ein Lächeln hatte. In den vergangenen 13 Jahren sind ihre Lächelmomente exponentiell angestiegen. Sie ist das, was man ein fröhliches Kind nennt. Eine fröhliche Jugendliche. Das Wort geht mir noch nicht leicht von den Lippe, ich muss mich noch dran gewöhnen, dass auch mein entwicklungsverzögertes Mädchen langsam aber sicher erwachsen wird – auf ihre Art. Unvorstellbar heute, dass wir sie vor langer langer Zeit in eine Spezialeinrichtung geben wollten. Heute können wir uns keinen Tag mehr ohne sie vorstellen – konnten wir eigentlich nie. Aber früher, unter anderen sozialpolitischen Voraussetzungen, sahen wir eine Zeit lang keine Perspektive für ein Familienleben mit unserer mehrfach behinderten Tochter. Zum Glück hat sich in den vergangenen zehn Jahren viel bewegt. Wir nähern uns der Inklusion, Stück für Stück.

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