Glück ohne Plan, Teil II

by Kaiserin

„Wir müssen von einer schweren geistigen Behinderung ausgehen.“ Zack, das saß. Die Ärztin des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) war nicht zimperlich mit ihren Worten über die zukünftige Entwicklung unserer Tochter. „Meinen Sie, sie wird laufen können?“ Ich wollte es ganz genau wissen, so genau wie möglich. „Das kann ich Ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.“ Kaiserin 1 war ein halbes Jahr alt; wir waren froh, dass sie von alleine atmen konnte. Trotzdem wollte ich so gerne wissen, wie unser gemeinsames Leben aussehen wird, auf was ich mich gefasst machen muss, auf was vielleicht freuen. Freude! Die muss ich doch auch mit behindertem Kind haben dürfen. – Oder? – „Erwarten Sie lieber nichts.“ Patsch, die nächste Ohrfeige auf das hoffnungsvolle Elternherz.

Wie soll man eigentlich nichts erwarten, wenn man gerade Eltern geworden ist und mindestens neun Monate damit verbracht hat, sich auf das neue Familienmitglied zu freuen? In meinen Träumen jedenfalls kam kein Besuch beim SPZ vor, in dem mir eine Ärztin all meine Erwartungen gegenüber meiner Tochter abspricht. Eher ein kleines, fröhliches Mädchen, das irgendwann anfangen wird zu krabbeln, dann zu brabbeln (oder andersherum, da war ich in meinen Träumen leidenschaftslos) und irgendwann an meiner Hand die Welt entdecken wird. Weiterlesen