Was ich weiß.

by Kaiserin

Vor einigen Tagen habe ich über das geschrieben, was ich nicht weiß. In der Zwischenzeit ist einiges passiert. Noch immer weiß ich vieles nicht. Zum Beispiel, wie es eigentlich dazu kommen konnte, dass eine humanitäre Katastrophe vor dem LaGeSo nur haarscharf verhindert werden konnte, in dem sich hunderte freiwillige Menschen – organisiert von Moabit hilft – gefunden haben, die dort tagtäglich Großartiges leisten. Noch immer weiß ich nicht, warum dort nicht hauptamtliche Menschen genau diese Arbeit tun. Ich weiß nicht, warum die Politik es nicht schafft, Hilfsorganisationen zu schicken, die dort genau so professionell und empathisch arbeiten, wie die ehrenamtliche Helfer_innen in den vergangenen Wochen. Ich weiß nicht, warum ein Security-Mitarbeiter einen geflüchteten Jugendlichen vor dem LaGeSo geschlagen hat. Ich kann mir noch immer nicht vorstellen, wie es sein muss, das eigene Kind im Meer zu verlieren. Wie es sein muss, nach vielen Tagen, Wochen und Monaten einer langen Flucht in Berlin anzukommen und keine Schuhe und davon brennende Füße zu haben. Ich weiß nach wie vor nicht, wie auch nur ein_e einzige_r Politiker_in mit offenen Augen und Herzen vor dem LaGeSo gewesen sein kann, ohne danach nicht sofort Konsequenzen anzuordnen, die unverzüglich umgesetzt werden. Damit das Notwendigste getan wird, nachhaltig und professionell.

Aber einige Dinge, die weiß ich mittlerweile. Es gibt Menschen, die gesehen, gefühlt und verstanden haben und danach handeln. Viele von ihnen durfte ich in den vergangenen drei Wochen kennenlernen. Mein Leben ist reicher durch sie geworden. Mit drei von ihnen habe ich Kreuzberg hilft gegründet. Es war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus. Jede von uns wusste: Nichtstun ist keine Option. Also taten wir etwas. Wir fanden einen großen Lagerraum zum Sammeln von Sachspenden, wir fanden Helfer_innen zum Sortieren, wir fanden Fahrer_innen zum Ausfahren der Spenden. Und dann war Kreuzberg hilft da. Vom Gedanken in die Tat, innerhalb einer Woche. Weiterlesen