Über kurz oder lang

by Kaiserin

Vor langer, langer Zeit lebte auf einer wilden grünen Insel ein Mädchen mit langen roten Haaren. Ihr Name war Grace. Wann immer der Wind heulte und die Wellen sich an den hohen Felsen brachen, stand Grace auf den Klippen und träumte davon, über das stürmische Meer zu segeln. „Mädchen fahren nicht zur See“, sagte ihr Vater. „Außerdem würden sich deine langen Haare in den Tauen verfangen.“* Weiterlesen

Die kaiserliche Woche // KW 35

by Kaiserin

Es ist verrückt, was in diesen Tagen passiert.

Am Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) habe ich Anfang der Woche F. kennengelernt. Sie spricht Arabisch mit syrischem Akzent und übersetzt all die furchtbaren Geschichten der dort wartenden Familien – gemeinsam helfen F. und ich, wie wir eben können. Am Donnerstag habe ich F. zuhause abgeholt. „Meine Mutter und ich haben ein paar Sachen zusammen gepackt“, sagte sie mir. Ihre Kleidersäcke waren so schwer, dass ich sie alleine nicht tragen konnte. Am LaGeSo konnten wir – nur Dank der Spende von F. und ihrer Mutter – fünf Familien mit Schuhen ausstatten (einige der Kinder hatten bisher nur Flip Flops, wenn überhaupt).

Als ich Freitag morgens das Radio anschalte, höre ich in den Nachrichten von einem Brandanschlag auf eine Wohnung, in der geflüchtete Menschen leben – nur zehn Kilometer von meinem niedersächsischen Heimatdorf entfernt. Einen Tag später schreibt mir meine Mutter eine WhatsApp-Nachricht von der Demonstration gegen rechte Gewalt. Immerhin 2.000 Menschen kamen und sprachen sich für die Solidarität mit den Geflüchteten aus.

Auf Twitter erzählte ich von meinem Wunsch, 500 Fladenbrote an die hungrigen Menschen vor dem LaGeSo zu verteilen. Gestern landeten 300 Euro auf meinem Konto. „Für die 500 Fladenbrote, die du am LaGeSo verteilen möchtest und andere Dinge, die gebraucht werden“, schrieb der Spender, den ich nur über Twitter „kenne“.

Morgen startet „Kreuzberg hilft“ – eine Initiative, die ich gemeinsam mit drei tollen Frauen gegründet habe. Einfach, weil wir bei den Ereignissen dieser Tage nicht nur zuschauen wollten – wir wollen aktiv sein und helfen, wo und wie wir eben können. Dazu morgen mehr. Weiterlesen

Meine Schöne // Eine Liebeserklärung

by Kaiserin

„Sie ist ja so eine Süße! Schade, dass sie so behindert ist!“ – das ist mein Lieblingskommentar zu meiner Tochter. Schlicht, einfach und auf den Punkt – die Frau hat Recht. Ja, es ist wirklich schade, dass meine Tochter nicht hören kann und fast nicht sehen. Und ja, sie ist so eine Süße! Ich habe noch nie an einem anderen Menschen so wunderschön geschwungene lange Wimpern gesehen. Ein Auge schielt zwar, aber mir fällt das gar nicht mehr auf. Wenn Kaiserin 1 lächelt, lächelt ihr ganzes Gesicht. Ihre kleinen schiefen Zähnchen blitzen zwischen ihren perfekt geschwungenen Lippen hervor. Sie gurrt vor Glück, wenn ich sie im Nacken kitzle. Ich sauge ihren Geruch ein – rein und blumig und sanft und beruhigend. Wenn ich neben ihr liege, sie in meinem Arm, werde ich ganz ruhig. Keine Musik ist schöner als ihr Atemgeräusch, wenn sie nicht krank ist. Ihre seidene Haut ist schöner als das festlichste Porzellan und weich, kuschelweich. Die zarten Füße ertasten die Umgebung, ganz vorsichtig, ganz sanft. Sie streicheln mein Gesicht und tun das zarter, als es Kinderhände können. Weiterlesen