Filmtipp: „Ich bin auch noch da, Mama!“

by Kaiserin

Für Kaiserin 2 ist ihre große, behinderte Schwester das normalste der Welt. Kaiserin 1 gehört für sie ganz selbstverständlich zu unserer Familie, seit dem Tag ihrer Geburt vor 1 1/2 Jahren. Mittlerweile kann Kaiserin 2 sogar schon Schwester sagen und auf sie deuten. Na ja, es klingt dann eher wie Sästa, aber wir verstehen sie. Jeden Morgen führt der erste Weg direkt zum Therapiebett ihrer großen Schwester, in der Kita hat die kleine ein Auge auf die große Kaiserin und abends gibt es vorm Schlafengehen ein Gute-Nacht-Küßchen.

Trotz all der Normalität mache ich mir Gedanken, inwiefern die Behinderungen der großen Schwester das Leben meiner kleinen Tochter beeinflussen werden. Ich schreibe Behinderungen und meine damit vor allem das Drumherum: Die viele Bürokratie, den daraus resultierenden Stress, die Kämpfe mit der Krankenkasse, Therapie- und Arzttermine, Sorgen, Krankenhaustage und – nächte. Alle Momente, in denen ganz klar meine erste Tochter im Mittelpunkt stehen. Weiterlesen

Doppelt hält besser

by Kaiserin

Geschwister haben ist toll! Fast immer. Ich bin ein Nesthäkchen mit zwei älteren Brüdern, die nur 1 1/2 Jahre auseinander sind und somit fast wie Zwillinge aufgewachsen sind. Beide sind zwar total unterschiedliche Persönlichkeiten, hatten und haben aber eine sehr enge Verbindung. Ich als Nachzüglerin und sechs beziehungsweise sieben Jahre jünger – und dann auch noch ein Mädchen! – kam nie dazwischen. Dennoch haben sie mich beschützt, wenn es nötig war und bis aufs Blut geärgert, wenn sie dachten, dass es nötig wäre.

Seitdem ich das digitale Kaiserinnenreich mit meinen Texten fülle, bekomme ich immer wieder Mails von Familien mit einem behinderten Kind, die sich noch ein zweites Kind wünschen, sich das aber nicht (zu)trauen. Ich werde dann gefragt, wie das bei uns war mit der Entscheidung für ein zweites Kind und werde oft beglückwünscht zu unserem „Mut zum zweiten Kind“ nach der Erfahrung mit einem behinderten Kind. Mutig habe ich mich damals nicht gefühlt, nur entschlossen. Ich war entschlossen, mein Leben nicht ausschließlich mit Themen rund um ein behindertes Kind füllen zu wollen: Termine bei Ärzten und Therapeuten, Anträge bei Pflege- und Krankenkasse, Suche nach geeigneten Betreuungspersonen und immer auch viel Trauer und Enttäuschung. Die Entschiedenheit für ein zweites Kind kam bei mir recht schnell nach der Geburt von Kaiserin 1. Ich habe mich von Anfang an falsch gefühlt im Krankenhausleben mit ihr. Diese Abhängigkeit von Ärzten, Krankenschwestern, Pflegepersonal und Therapeuten fällt mir als eigenverantwortliche und selbständige Frau bis heute schwer und ich bin sehr dankbar, dass wir immer weniger mit Ärzten und mehr mit fördernden Menschen rund um Kaiserin 1 zu tun haben. Ein Leben am Krankenbett meiner Tochter konnte und kann ich mir bis heute nicht vorstellen. Ich weiß, das kann und will sich niemand vorstellen – ich weiß aber auch, dass es einige Menschen – meist Mütter – gibt, die in der Rolle der pflegenden Mutter aufgehen. Ich nicht. Ich kann und will das nicht.

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