Meine Muskulatur

by Bárbara Zimmermann

Geplant hatte ich einen Text über die Liebe zu meinem Kind zu schreiben. Er war sogar fast fertig. Aber morgen habe ich ein Telefonat mit dem Medizinischen Dienst der Krankenkasse (MDK). Es geht um unseren Antrag für die Erhöhung des Pflegegrades von unserer Tochter. Es ist genau 22.41 Uhr und ich sitze am Küchentisch und habe den Rest meines Abends mit Zoes ersten Order, der schon am platzen ist, und mit den unzähligen Unterlagen verbracht. Eine treue Gesellschaft von den letzten drei Jahren. Weiterlesen

Und wie machst du das, Lena?

by Der Mutterfragebogen

Irgendwann in der Zeit, nachdem mein drittes Kind zur Welt kam und als ich noch kaum etwas anderes als Panik spüren konnte, entdeckte ich Lena. Irgendein Hashtag führte mich auf ihre Seite, als ich auf der Suche nach den Menschen hinter den medizinischen Fachartikeln und Symptomlisten war. Ich fühlte direkt eine Verbundenheit. Wir teilten den Schmerz und die Liebe in einer Welt nach der Diagnose. Wochen später schrieb ich in meine Story auf Instagram, dass mir jede*r Themen oder Fragen schicken könnte. Und sie schrieb mir die Frage, die ich mir auch stellte: Wie macht man weiter? Zwischen ihren Worten fühle ich ihre Verletzlichkeit und Erschöpfung und ebenso ihre Liebe und Kraf, die alles zusammenhält. Uns erzählt sie, wie sie das macht. Weiterlesen

Das Portemonnaie

by Eszter

Die Maße meines Lebens betragen 16.5 x 5.4 x 26.4 cm. Mein Leben steckt in vier große, fünf kleine und zwölf Fächern für Karten. Von außen ist mein Leben schlicht und unauffällig. Umspannt mit schwarzem, glattem Leder. Mit einem kleinen Griff. Praktisch, und auch ein kleines bisschen elegant. Innen drin ein bunter Haufen aus Handy, vollgeschriebenem Terminkalender, to do Listen, Attesten, Rezepten, Überweisungen, Telefonnummern, Adressen. Gut organisiert und strukturiert, aber so voll, dass es fast aus allen Nähten platzt. Ich nehme meine Gefühle und Gedanken sortiere sie, jedes hat sein Fach, seinen Reißverschluss. Zusammen mit dem Zettel, den die Schwester mir reicht, stecke ich die Sorgen in das Fach für die Termine. Die Überweisung kommt in die Tasche mit dem Reißverschluss, zusammen mit meiner Erschöpfung. Die Müdigkeit ist wie die Bankkarten und Krankenkassenkarten immer griffbereit. Und in der tiefsten Tasche, fest verschlossen, sind das Kleingeld und meine Tränen, damit sie nicht einfach herauskullern. Am Ende des Tages hole ich sie manchmal raus und zähle nach, wie viel noch von mir übrig ist. Weiterlesen

Mutterschaft: Warum es nicht um Liebe geht

by Eszter

Dieser Artikel ist zuerst bei EDITION F erschienen.

Ich habe ihn letztes Jahr während meiner dritten Schwangerschaft geschrieben. Unsere Situation hat sich seitdem verändert. Was Sichtbarkeit und Inklusion angeht hat sich nichts verändert.

Ich habe mich bewusst dazu entschieden, Mutter zu werden. Alle meine Kinder sind gewünscht, geplant und geliebt. Ich hatte ein realistisches Bild vom Alltag mit Kindern. Ich setzte mich schon Jahre vor meiner Mutterschaft in einem feministischen Kontext mit Themen wie Rollenbildern und Altersarmut auseinander. Und dann wurde ich Mutter. Weiterlesen

Fremdwerte

by Mareice Kaiser

Auf diesem Blog geht es um Inklusion, Chancengerechtigkeit, Familie, Feminismus und mehr. Um das alles – und mehr – geht es auch in diesem Text, über den ich gestolpert bin und von dem ich mir wünsche, dass ihn sehr viele Menschen lesen. Die Autorin möchte anonym bleiben; ich freue mich, den Text veröffentlichen zu dürfen.

In der letzten Woche habe ich viel über Frauen und ihre Sichtbarkeit nachgedacht, dazu gab es einige Texte im Netz: einerseits den Ursprungstext über die gebotoxte Frau, in dem eine Frau darüber schrieb, wie schwierig es ist, als Frau über 40 noch sichtbar zu bleiben, DasNuf schrieb „Im Gegensatz zu meinem Körper dürfen meine Worte Gewicht haben“, Journelle schrieb „Sichtbarkeit einfordern“, und Kitty Koma einen Text über das Altern in der Filmbranche, „Nimm! Mich! Wahr!“. Weiterlesen