„Das ist ja voll behindert!“ //
Von sprachlicher Diskriminierung

by Kaiserin

Ich wohne, lebe und arbeite in Berlin-Kreuzberg, nah an der Grenze zu Neukölln. Auf der Straße – unter Kindern und Jugendlichen – geht es sprachlich nicht gerade zimperlich zu. Bei den Schimpfwörtern, die ich in Fetzen im Vorbeigehen mitbekomme, schlackern mir oft die Ohren. Was ich zur Zeit immer wieder und immer öfter in Gesprächen zwischen Jugendlichen höre: „Ey, bist du behindert?“

Doch nicht nur auf Berlins Straßen wird behindert inflationär als Schimpfwort benutzt. „Die ist doch voll behindert!“ beschwerte sich erst kürzlich eine Bekannte über ihre Kollegin. Ich war ziemlich baff. Nicht nur, weil ich diese Formulierung als diskriminierend empfinde und bisher immer dachte, sie würde nur von unsensiblen und eher bildungsfernen Menschen benutzt werden. Nein, die Person, die sie formulierte, ist eine gebildete Frau. Eine, die ich eigentlich sogar recht gern mochte. Eine, die um meine behinderte Tochter weiß, die sie sogar persönlich kennt. Während ich noch fassungslos vor mich hin dachte, erzählte sie weiter. Im nächsten Satz schon wieder: behindert als Schimpfwort. Diese Unreflektiertheit macht mich noch immer sprachlos. Weiterlesen