Warum kein Mensch Lean Care braucht

by Eszter

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Mein erster Anruf bei einem Pflegedienst begann mit einer Frage: „Helfen Sie auch, wenn es um Kinder geht?“. Ich hatte den ganzen Vormittag damit verbracht, im Internet nach Pflegediensten zu suchen. Und ich hatte keinen einzigen gefunden, auf dessen Homepage ein Kind abgebildet war. In der Vorstellung der meisten, die damit wenig zu tun haben, ist Pflege etwas, das nur alte Menschen betrifft. Es stimmt zwar, dass der Großteil der pflegebedürftigen Menschen älter sind, aber eben nicht alle. Damals dachte ich, das wäre zumindest denjenigen, die mit Pflege zu tun haben, bewusst.

Das, was in der Pflege passiert, kennt man aus der Industrie: Lean production (englisch für: schlanke Produktion) bezeichnet ein Produktionskonzept in der Industrie, mit dem Ziel, besonders effizient zu arbeiten, indem man Arbeitskräfte, Kosten und Material so weit wie möglich einspart. Durch Standardisierung (Vereinheitlichung von Bauteilen, Verwaltung etc.) sollen Arbeitsabläufe gestrafft und Produktionswege optimiert werden. Vor allem aber soll Verschwendung jeglicher Art vermieden werden. Sie steht im Gegensatz zur gepufferten Produktion, bei der auf Vorrat produziert wird.

Quelle: unsplash.com

Als ich aufgrund der Pandemie eine Einkaufshilfe suchte, war der erste Satz, den ich zuhören bekam: „Wir machen kein begleitetes Einkaufen.“ Darauf erwidere ich mittlerweile gelassen, dass mein 5-jähriges Kind gar nicht mit zum Einkaufen gehen wolle. Denn heute weiß ich, dass selbst denjenigen, die mit Pflege zu tun haben, nicht immer bewusst ist, dass auch Kinder gepflegt werden. Heute weiß ich, dass es gar nicht um das Alter geht, sondern darum, dass die vielfältigen Bedürfnisse und Barrieren von gepflegten und pflegenden Menschen nicht gesehen werden. Egal, wie alt sie sind.

Ich merke es daran, dass ich immer wieder erklären muss, dass die Einkaufshilfe nicht ständig an einem anderen Tag kommen kann, dass es nicht ständig jemand neues sein kann, dass ich bestimmte Lebensmittel und Produkte brauche. Unsere Barriere sind keine Treppen und eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Wir brauchen feste Routinen, ein ruhiges Umfeld und die gewohnten Lebensmittel und Produkte. Denn bei Abweichungen oder Stress überreizt mein Kind und ich bin am Ende stundenlang damit beschäftigt seinen Meltdown zu begleiten. Neue Lebensmittel verweigert mein Kind. Da reicht es schon, wenn die Verpackung anders aussieht, oder das eine Lebensmittel das andere berührt hat. In schlechten Phasen wird Nahrung schon verweigert, weil das Kauen und das Gefühl im Mund überreizt. Zuletzt hat mein Kind 3kg deswegen abgenommen. Es ist also nicht bloß bequemer für mich, wenn eine gewohnte Person, regelmäßig und verlässlich kommt. Es ist elementar.

Der Nachteil bei Lean Production ist, dass kleinste Abweichungen oder Störungen ausreichen können, um alles ins Wanken zu bringen. Nur ein Bauteil muss ausfallen, und die Produktion kann zusammenbrechen. Durch den Druck, Ausfälle und Störungen zu vermeiden, können Mitarbeiter*innen eines Betriebs zusätzlich belastet werden. Lean production kann durch seine Fokussierung auf das Jetzt den Blick in die Zukunft und das große Ganze verlieren.

Immer wieder habe ich das Gefühl, es scheint nicht allen klar zu sein, wie elementar das ist. Die Frau vom Pflegedienst, die den Vertrag brachte, wollte unbedingt an einem Dienstag kommen. Offensichtlich war da grade ein Termin frei geworden. Dienstag ist aber Therapie-Tag. Das heißt, mein Kind ist eh schon am Limit, was Reize angeht. Fremde Personen, Abweichungen in der Routine, das sind Dinge, die da nicht zuträglich sind. Aber selbst nachdem ich ihr das wiederholt erklärt hatte, bot sie mir stur weitere Uhrzeiten am gleichen Tag an, als würde es eine Rolle spielen, ob mein Kind um 12 Uhr oder erst um 14 Uhr kurz vor dem Meltdown steht und die Therapie am Nachmittag damit ins Wasser fällt.

Es fängt an bei der Privatisierung von Krankenhäusern, die zunehmend dazu führt, dass Kosten und Gewinne mehr zählen als Patienten. Über die Frage, an welchen Medikamenten und Krankheiten geforscht wird und an welchen nicht. Bis zu dem Kampf um Hilfsmittel und Leistungen mit Krankenkassen und Trägern. Pflege wird ökonomisiert. Das heißt, sie wird den Regeln und Prinzipien der Marktwirtschaft unterworfen. In Anlehnung an lean production wird Pflege für mich zu Lean Care (englisch für: schlanke Pflege).

Lean Care muss möglichst effizient sein. Termine und Zeit von Therapeut*innen, Pfleger*inne, Ärzt*innen sind streng getaktet. Hilfsmittel und Leistungen werden nur wenn absolut notwenig bewilligt. Man produziert so zu sagen nur das, was grade so notwendig ist und nicht auf Vorrat. Bei Abweichungen bricht das System zusammen. Das übt massiven Druck auf alle Beteiligten aus und führt zu Überlastung bei allen im öffentlichen und in der privaten Pflege. Lean care ist nicht nur wenig zukunftsorientiert, es scheitert auch kurzfristig. Damit Pflege effizient sein kann, werden die Bedürfnisse, Barrieren und die Pflege selbst standardisiert. Lean care soll möglichst allen passen. Am Ende passt sie niemandem.

Vor einigen Wochen erkundigte ich mich bei unserem Leistungsträger über die Erhöhung der Stunden unserer Integrationskraft. Wir wollen, dass unser Kind ab Sommer 7 Stunden täglich in die Kita gehen kann. Aktuell sind es 5, wenn nicht grade eine Pandemie herrscht. Das ist aber nur möglich, wenn auch die Integrationskraft so lange da ist. Die Antwort lautete: „Sie können das gerne beantragen. Aber wir lehnen das eh ab.“. Das würde man standartmäßig nicht machen. Nach mehreren langen Telefonaten, eines über einstündigen Gutachtens und mit Hilfe einer freundlichen Sachbearbeiterin und unserer großartigen Kita, haben wir die Stunden am Ende bewilligt bekommen. Standard ist das nicht. Es ist ein Zusammenspiel aus Glück und Mehraufwand für mich. Und jede*r, der*die nach uns kommt, wird den selben Kampf nochmal kämpfen müssen. Wenn sie noch Kraft haben.

Ein Mehr an Leistungen ist nicht vorgesehen. Lean Care produziert nicht auf Vorrat. Abweichungen wie kindliches Wachstum, Hilfsmittel, die plötzlich zu klein sind, obwohl das Quartal noch nicht zu Ende ist, sind nicht vorgesehen. Hilfsmittel in speziellen Größen, z.B. für Kleinkinder und Kinder haben oft nicht mal eine Hilfsmittelnummer, mit der sie beantragt und bewilligt werden könnten. Das kann mit unter drastisch deutlich werden. Vor einiger Zeit schrieb @triplepower_lion auf Instagram über die Herz-OP ihres Sohnes und machte darauf aufmerksam, dass keine Herzschrittmacher mehr für Babys produziert werden, denn das sei nicht lukrativ genug. Es gibt zu wenig Babys, die schon so früh einen Schrittmacher brauchen. Aber diejenigen, die ihn brauchen, werden der grausamen Konsequenz der Marktwirtschaft ausgesetzt.

Eigentlich sollte in der sozialen Marktwirtschaft der Markt von der Politik reguliert werden. Der Ökonomisierung der Pflege sollte also von politischer Seite entgegen gewirkt werden. Es wäre die Aufgabe der Politik, die vielfältigen Bedürfnisse und Barrieren der Menschen zu sehen. Es wäre ihre Aufgabe, Gesetze und Reformen zu beschließen, um die Situation aller zu verbessern. Die Pflegereform 2021 sollte das Pflegen Zuhause vereinfachen und verbessern. Aber auch hier scheinen Abweichungen nicht vorgesehen zu sein. Mit der Verhinderungspflege konnten pflegende Angehörige im Falle einer Verhinderung bis jetzt eine bestimmte Summe im Jahr für die Versorgung ihrer pflegebedürftigen Familienmitglieder verwenden. Diese konnte flexibel stundenweise oder über einen längeren Zeitraum (über 8 Stunden) eingesetzt werden.

Mit der Pflegereform 2021 soll diese Flexibilität nun abgeschafft werden. Im Eckpunktepapier des Bundesgesundheitsministeriums zur Reform heißt es, dass 60% des jährlichen Budgets für längere Verhinderung reserviert werden sollen. Das würde bedeuten, dass nur noch 40% des Geldes zur kurzzeitigen Pflege verwendet werden könnte. Auch hier muss Individualität und Flexibilität zu Gunsten von Standardisierung weichen. Auch hier werden die unterschiedlichen Umstände von Menschen ignoriert. Es wird ignoriert, dass grade pflegende Eltern die Verhinderungspflege meistens stundenweise in Anspruch nehmen. Oft nicht mal die Möglichkeit haben sie über einen längeren Zeitraum in Anspruch zu nehmen, weil es an Einrichtungen und Pflegeangeboten mangelt. Auch hier versagt Lean Care und die Politik schafft es nicht die Bedürfnisse aller gepflegten und pflegenden Menschen mitzudenken und umzusetzen.

Lean Production soll Verschwendung vermeiden. In einer Zeit, in der unsere größten Probleme häufig mit Ressourcenverteilung und Umweltverschmutzung zu tun haben, scheint das, bei bewusster und nachhaltiger Umsetzung, ein attraktives Konzept zu sein. In der Industrie geht es aber um Rohstoffe, Energie und Abfall, mit denen man effizient umgehen will. In der Pflege reden wir über das Zwischenmenschliche, über den Wert und die Würde des Menschen. Pflege und Fürsorge sind elementare Bestandteile menschlichen Zusammenlebens und ein Grundbaustein der Gesellschaft. Menschlichkeit sollten wir ruhig verschwenderisch einsetzen.

6 Kommentare zu “Warum kein Mensch Lean Care braucht

  1. Ich habe den Eindruck, dass die Qualität der Pflege in den letzten Jahren, seitdem das System der sogenannten Integrierten Versorgung eingeführt wurde, nicht besser geworden ist. Die Pflege orientiert sich zunehmend an Profitinteressen. Ich merkte dies zunächst am Beispiel meiner Mutter, später auch bei diversen Touren, die wir mit der Fahrradrikscha in Hamburg anbieten, s. https://www.hamburg-by-rickshaw.de/ und https://www.elb-plaza-philharmonie.guide/rikschatouren/. Viele ältere Menschen brauchen emotionalen Zuspruch und auf sie abgestimmte Erlebnisse, die auch das Gehirn trainieren. Das ist mit Lean Management nicht oder nicht ausreichend zu machen.

  2. Nichts hat sich verändert, gar nichts. es ist eher noch mühsamer geworden.
    Die in Ihren Artikeln und Kommentaren beschriebenen Erfahrungen mache ich seit 31 Jahren. Hat begonnen mit „neurologisch leicht auffällig“ im Entlassbrief der Neonatalogie für ein Kind mit ausgeprägter ICP nach Sauerstoffmangel, Hrnblutungen, Atemstillstand. NIE hörten wir von Ärzten die Formulierung „kind mit Behinderung“; mussten wir explizit erfragen. Ging weiter mit fehlender Betreuung, weil „kein Bedarf“ , später , nach Abklappern aller Bürgermeister diesbezüglich und der Aussage “ gut, brauche ich zwei Erzieherinnen nicht entlassen, ist gut für die Statistik“ . Setzt sich fort mit unserer Frage an die Eltern der künftigen Mitschüler, ob sie etwas dagegen hätten , wenn mein Kind in die Klasse ihres Kindes kommt (das ist kein Scherz, und ich musste morgen wieder in dieser Schule arbeiten) und der Ansage des Ortsbürgermeisters auf meinen Antrag auf Anbau einer Schräge zur Schultür “ Sie denken wohl, ich geb für ein einzelnes Kind Geld aus ( wohlgemerkt Vater, Großvater, Bürgermeister, Lehrer) und mit einem Kollegium, dass letzlich die Einschulung unserer Tochter verhindert hat, weil „du dann deine Aufsichtspflicht verletzt“). Setzt sich fort mit Dienst parallel an drei Schulen oder Dienstbeginn bevor der Fahrdienst kam oder freitags bis zur Abfahrt des letzten Schulbusses obwohl ich mein Kind im 100 km entfernten AUsbildungsinternat in spätestens einer Stunde abgeholt haben muss. Schließt sich an die offene Ablehnung des Gemeinsamen Unterrichts wegen fehlender Ausbildung durch Kollegen. Geht weiter mit so genannten Behindertentoiletten, genutzt als ABstellraum, selbsternannten rollstuhlfreundlichen Fewo-Vermietern, die ein Doppelstockbett ins Quartier stellen. Folgt am ersten Tag nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss ins Arbeitsamt zu müssen und begrüßt zu werden mit “ dass das man gleich klar ist, Sie kriegen sowieso nichts.“ Was auch stimmt, denn nur zwei von insgesamt knapp 300(!) Bwerbungen erfolgten auf Angebote vom Arbeitsamt – und endeten im Sande bzw. auf einer Großbaustelle. Von all den Bewerbungen wurden etwa zwei Drittel ignoriert, der Rest abgeschmettert. Selbst Ämter, Institutionen, Kliniken , Reha-Einrichtungen dürfen ohne jegliche Begründung schreiben „anders entschieden“ so ist keine Handhabe für rechtliches Vorgehen – und zum Abholen der Unterlagen auffordern. Ungestraft, ohne jede Konsequenz . Im Gegenteil, wir „sollten froh sein, dass die Betriebe lieber Ausgleichsabgabe zahlen, da können wir wenigsten paar Maßnahmen zahlen“. Kann man aber noch steigern. Indem man also erst eine acht- Stunden-Belastbarkeit attestiert und Ausbildung finanziert um dann nach jahrelangem erfolglosem Kampf um Arbeit den Antrag auf EU-Rente abschmettert mit der Ansage “ Sie nicht, sie haben ja nie gearbeitet. AUßerdem sind sie geburtsbehindert, die kriegen nichts. “ Geht weiter mit unglaublichen Kämpfen mit Jobcenter und Sozialamt um Angemessenen Wohnraum und Persönliches Budget . Da ist „nicht ersichtlich, dass es sich um eine Rollstuhlfahrerin handelt“ obwohl diese ihren Antrag selbst abgibt; da mußten wir ein MdB einschalten um einen Termin zur In-Augenscheinnahme zu erhalten, weil „doch aber nicht in der Urlaubszeit“. Da werden im Budget Mittel verwehrt zur anwaltlichen Beratung, aber schon beim geringsten Vergehen die Verweigerung und Rückzahlpflicht des Budgets angedroht. Verweis auf UN-BRK als bundesdeutsches Recht? „Brauchen wir hier nicht“.
    Da sitzt unsere Tochter in Theatern oder bei Konzerten/ Lesungen/ Diskotheken / wo auch immer am anderen Ende der location, vorausgestzt sie kommt überhaupt rein. Und selbst dann muß sie sich von anderen Besuchern anmotzen lassen , was diese Spasten hier bloß zu suchen haben. Stimmt, denn „durch die Anwesenheit der Assistenten in der Häuslichkeit ist der Teilhabe ausreichend Genüge getan…“ Zitat Sozialamtsbescheid.
    Nicht zu vergessen, ist Assistent kein anerkannter Beruf, jeder kann sich auf solche Stelle bewerben. und weil nur Mindestlohn gezahlt werden darf, bewerben sich Menschen ohne jede Ahnung von Behinderungen/ chronischen Krankheiten und erziehen, befehlen, faulenzen verweigern , klauen, motzen.
    Und wir Eltern stehen allein vor allem. Unterstützung von Professionellen? Siehe Arbeitsamt, Kollegen, Ärzte. Freunde und Bekannte haben sich nach und nach ins Nirvana verabschiedet, Verwandte verweigert. Es folgte also der Wut Zorn, Müdigkeit , Resignation, Erschöpfung, zZusammenbruch.
    Kein Schmerzensgeld für uns , keine Entschädigung für unsere Tochter obschon Behandlungsfehler vorliegt ( aber vor ABlsuf der Verjährung nicht entschieden war, ob die Übernahme der DDR-Krankenhäuser in kommunale und private Trägerschaft rechtens war). Keine Erleichterungen im Kampf um Therapien/ Hilfsmittel/ Gelder. Im Gegenteil, ganz im Gegenteil. Stattdessen Mängelscheine und To-do-Listen mit Fristen und wehe wenn nicht erledigt!
    Mir fehlen die Worte, wenn ich hier noch immer von gleichen Erfahrungen lese. Alle dürfen sich ungestraft den Menschen mit Behinderung verweigern, jeder. Und genauso ungestraft und ohne Konsequenzen verurteilen diese dann Eltern, die solches Leben nicht bewältigen. oder maßen sich an zu sagen “ Na heutzutage muß man doch so ein Kind nicht mehr kriegen“. Mit der Folge der derzeitigen Diskussion um Pränataldiagnostik.
    Es tut mir so sehr Leid für Sie heutige Mütter von Kindern mit Behinderung. Vielleicht können Sie Trotz entwickeln und voranbringend nutzen, nach dem Motto NUN GERADE, JETZT ERST RECHT.
    Was ich aus heutiger Sicht hätte machen sollen? Weniger befohlene Therapie zuhause, stattdessen lieber spielen, gemeinsam kochen , im Gras liegen und Wolkengucken, … mehr Ausgleich schaffen zu all den unaufhörlichen Kämpfen und Streitereien um alles und jedes.
    Bitte sehen Sie mir meine Schreibfehler nach, noch immer wühlt es mich so sehr auf.

  3. Ein weiteres Beispiel aus der langen Reihe: Wie es nicht laufen sollte!
    Wo bleibt die Menschlichkeit, wo die Behandlung auf Augenhöhe? Wo das Eingehen auf individuelle Bedürfnisse. Man ist eine Nummer im System, die nach Schema F abgefertigt wird und kommt bloß nicht noch mit Sonderwünschen. Es ist so traurig und macht mich wütend. Ich teile gerade gerne diese neu erschienene Studie zum Thema Hilfsmittel: https://besser-versorgen-studie.de/fazit
    Da wird festgestellt, dass es tatsächlich teurer ist, die Anträge auf Hilfsmittel zu verzögern, als einfach zu bezahlen, was die Leute beantragen und Ärzte verschreiben.

    • Von der habe ich auch schon gehört. Danke, dass du sie hier nochmals teilst. Das ist eine wichtige und interessante Ergänzung zu dem Thema. Man fragt sich wirklich auf Basis welcher Argumente dieses System am laufen gehalten wird.
      Liebe Grüße!

  4. Das klingt so unfassbar traurig, wenn man es so zusammengefasst liest. Du hast es so gut auf den Punkt gebracht, dass ich mir wünschen würde, man könnte es an jede Plakatwand in Deutschland kleben. Leider würde es nichts nützen. Ich pflege meine Tochter, die schwere Mehrfachbehinderungen hat, seit 25 Jahren. Und leider muss ich ständig feststellen, dass alles jedes Jahr schwieriger wird. Dabei ist der Ruf nach Inklusion allgegenwärtig. Aber verstanden haben die wenigsten, was notwendige Voraussetzungen für eine Inklusion sind. Das alles ist so zermürbend. Ganz abgesehen davon gibt es auch kaum Aussichten auf einen wirklich menschlich zumutbaren stationären Pflegeplatz in unserer näheren Umgebung. Keine Ahnung, wie wir das auf Dauer weiter leisten können….

  5. Die Reform der Verhinderungspflege ist ja nur eine verkappte Kürzung. Da die meisten Pflegedienste über die Verhinderungspflege abrechnen, weil der Entlastungsbetrag zu unflexibel ist, bedeutet das, dass Eltern von dem Geld dann eben keine Putzhilfe und keinen Babysitter buchen können, Sachen, die im Alltag essentiell wichtig wären. Statt dessen sitzt man dann auf dem Geld, was nie abgerufen werden kann. Wer will denn schon sein Kind ins Heim geben, um in Urlaub zu fahren? An der Realität vorbei, am Bedarf vorbei, aber Hauptsache, es steht etwas auf dem Papier, damit man sagen kann, man hätte was getan. Dass das keiner nutzen kann, ist der Politik egal, beziehungsweise es ist sogar so gewollt.

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